Energie Schweiz

WLTP-Testverfahren

Viel Aufwand steckt hinter der Zertifizierung

Seit September 2018 erfolgt die Neuzulassung von Autos unter dem neuen Testverfahren WLTP. Dieses steht für Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure und soll den Treibstoffverbrauch, den CO2-Ausstoss sowie die Einhaltung der Schadstoffgrenzwerte realitätsnäher als das bisherige Messerverfahren wiedergeben.

Claus Ehlers, Direktor Produkt- und CO2-Strategie bei Mercedes-Benz und sein Team von Ingenieuren sind dabei die verschärften Richtlinien, die von der Europäische Kommission vorgegeben werden, umzusetzen. Das wichtigste Ziel ist die deutliche Reduktion von umwelt- und gesundheitsschädlichen Abgasen bei Personenwagen, die Mensch und Umwelt zugutekommt. Diese verschärften Anforderungen stellen die Automobilbranche vor grosse Herausforderungen, da alle Modelle und deren Unterkategorien, wovon es derzeit in der Schweiz über 2600 gibt, nach dem neuen Messverfahren geprüft werden müssen.

Um einmal öffentlich zu machen, welcher Aufwand heute hinter der Zertifizierung jedes einzelnen Fahrzeugmodelles steckt, hat Mercedes-Benz ins hauseigene Emissions-Labor in Stuttgart-Untertürkheim eingeladen. Eine Hand voll Journalisten erhalten Zutritt in das Labor, in dem mit strengen Personenkontrollen darauf geachtet wird, dass nur Mercedes-Ingenieure und Vertreter von externen Prüfdiensten, wie dem TÜV Zutritt bekommen, wie Abteilungsleiter Roland Kemmler erklärt: «In unserem Emission Lab sind Entwicklungsleute nicht zugelassen.» So will man verhindern, dass die Mitarbeiter des Emission Labs in ihrer Arbeit beeinflusst und die Zertifizierungen manipuliert werden könnten. In drei Schichten und praktisch rund um die Uhr prüfen in den riesigen Hallen des Labors über 100 Ingenieure jedes Modell. «Pro Fahrzeug dauern die gesamten Zertifizierungstests nach WLTP und RDE zwischen ein paar Wochen bis zu ein paar Monaten», beziffert Roland Kemmler den Zeitaufwand.

WLTP ist der heute gültige Zyklus, nach dem auf dem Rollenprüfstand unter Laborbedingungen und nach exakt normierten Vorgaben die möglichst realitätsnahen Verbrauchswerte eines Neuwagens gemessen und zertifiziert werden. Ergänzend zu WLTP trat am 1. September 2017 die neue Regelung zu RDE (Real Driving Emissions) für neu typengeprüfte PW-Modelle in Kraft. Mit RDE werden zusätzlich zum Prüfstandtest als Abgasmessung auf der Strasse die Schadstoffemissionen (u.a. Stickoxide und Partikel) im realen Fahrbetrieb überprüft.

Beim WLTP wird ein nach Parametern wie Dauer, Streckenprofil, Temperaturbedingungen und Beschleunigung definierter Prüfstandzyklus durchgeführt. Das Auto wird dazu auf dem Prüfstand fixiert und ein Ingenieur sitzt während der Prüfung am Steuer. Als Ergebnis werden die CO2-Emissionen und der Kraftstoffverbrauch ermittelt sowie die Schadstoffe gemessen. Sind diese Daten erhoben, erfolgt im nächsten Schritt die RDE-Fahrt. Hier wird am Auto ein normiertes, sogenanntes PEMS-Messgerät (Portable Emission Measurement System) montiert, das auf der mindesten 90 und maximal 120 Minuten dauernden Fahrt die realen Abgaswerte überprüft. Auf der Route mit je einem Drittel Stadt-, Überland- und Autobahnabschnitten sind wiederum alle Vorgaben wie die Temperatur, das Fahrzeuggewicht oder die Fahrdynamik per Gesetz genauestens vorgeschrieben. Sind alle Tests absolviert und abgeschlossen, werden die dabei gesammelten Werte automatisch als nicht beeinflussbare Datensätze an die offiziellen Stellen übermittelt.