Energie Schweiz

75 neue Stromer bis 2029

Der grösste Autohersteller der Welt bekennt sich zum batterieelektrischen Antrieb – und will den CO2-Ausstoss bis 2050 «auf Null reduzieren».

Die Volkswagen-Marken VW, Audi, Seat, Skoda, Porsche, Bentley und Lamborghini verursachen ein Prozent des globalen Kohlenstoffdioxid-Ausstosses. «Dieses eine Prozent wollen wir auf null reduzieren», sagt VW-Chefstratege Michael Jost und kündigt an: «Bis 2050 wollen wir gar kein CO2 mehr ausstossen.»

30 Jahre? Ja, denn der Weg zum klimaneutralen Konzern ist komplex: Nicht nur die Produktepalette muss auf neue Antriebsformen umgekrempelt werden, auch die Produktion der Fahrzeuge muss nachhaltiger werden: Von der Gewinnung der Rohstoffe über die Komponentenherstellung bei den Zulieferern und die Fertigung der Autos in den Werken bis hin zum Recycling und der Entsorgung am Ende des Fahrzeuglebens. Nicht zuletzt muss auch der Konzern mit seinen über 670'000 Angestellten CO2-neutral funktionieren. Eine Herkulesaufgabe.

VW ID.3
Im Zentrum bei den Produkten steht die Umstellung auf batterieelektrische Fahrzeuge (BEV). Entscheidend dabei ist der Modulare E-Antriebs-Baukasten MEB, eine Technikplattform, auf der konzernübergreifend in allen Fahrzeugsegmenten Stromer aufgebaut werden können. «Bis 2029 werden wir 75 neue Elektroautos auf den Markt bringen», kündigt der für die E-Mobilität verantwortliche Vorstand Thomas Ulbrich an. Der Konzern investiert dafür 33 Milliarden Euro – das entspricht mehr als den gesamten Markenwerten des Konzerns. «In diesem Zeitraum werden wir 26 Millionen E-Autos auf die Strasse bringen, und zwar in allen drei grossen Weltregionen Europa, USA und China».
VW ID.4 – Der Elektro-SUV kommt voraussichtlich im Winter 2020

Für Volker Quaschning, Professor für regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, ist dieser Wandel vom Saulus zum Paulus aber glaubhaft: «Noch vor fünf Jahren stand VW nicht gerade für Innovation und Klimaschutz», sagt der Mitbegründer von «Scientists for Future», einer Initiative von Wissenschaftlern zur Unterstützung der Schülerbewegung «Fridays for Future». «Mittlerweilen habe ich den Eindruck, dass die Strategie von VW sehr ernst gemeint ist».

Auch für Quaschning führt kein Weg an der Elektromobilität vorbei: «Die CO2-Emissionen im Verkehrssektor sind dramatisch. Um die Klimaziele einhalten zu können, braucht es hier eine Disruption – das geht nicht mit leicht sparsameren Motoren, wir brauchen hier eine komplett andere Strategie.» Der Zeitpunkt, um die Transformation hin zur Elektromobilität einzuleiten, «ist jetzt», bekräftigt VW-Vorstand Thomas Ulbrich. «2020 ist das Entscheidungsjahr für den Systemwechsel zur E-Mobilität». Der zu hohe Preis der Produkte sei passe, die Reichweitenangst kein Thema mehr, die Ladeinfrastruktur stehe und werde laufend ausgebaut: «Das Elektroauto ist bereit für den Durchbruch».

Doch voll in die E-Mobilität einzusteigen bedeutet auch, aus den Verbrennungsmotoren auszusteigen. Auch hier zeigt sich VW konsequent: Vom Modularen Querbaukasten MQB, auf dem die aktuellen Modelle mit Verbrennungsmotor aufbauen, soll es 2026 die letzte Generation geben. Denn ab 2050 will der Konzern keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr bauen. «Das meinen wir durchaus ernst», bestätigt Jost.