Energie Schweiz

Polestar

vom Saulus zum Paulus

Heute Mittwoch enthüllt Volvo sein erstes vollelektrisches Modell, den XC40, in Los Angeles. Doch für die Schweden soll die Elektro-Luxusmarke Polestar zum Vorreiter in der digitalen Welt werden.

Die Marke Polestar stand bei Volvo während Jahren für getunte Fahrzeuge. Seit Volvo unter chinesischer Flagge segelt, ist die Zeitenwende kein PR-Spruch, sondern Tatsache. Und Polestar ist nur eine der Neugründungen des Geely-Konzerns: «Lynk&Co ist die junge, hippe Marke, bei der das Auto nur ein Element der Mobilität ist. Polestar will dagegen Nachhaltigkeit mit einer subtilen Art von Luxus verknüpfen», erklärt Markenchef Thomas Ingenlath.

Doch der Reihe nach: Nach Stationen bei Audi, Volkswagen und Škoda hatte Thomas Ingenlath 2013 mit einer filigranen Sportwagenstudie sein Meisterstück abgeliefert. Der Nordländer begeisterte mit einem coolen Look mit natürlichen Formen, kombiniert mit italienischem Schwung. Schluss mit Lego-Design. Doch in der (geplanten) Volvo-Palette war für den Schönling trotzdem kein Platz. Gottlob hatte Volvo-Chef Håkan Samuelsson die zündende Idee: «Er kam zu mir und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, dass dieses Auto den Polestar-Stern trägt und überhaupt nicht Volvo ist», erinnert sich Ingenlath. Das war 2015 und die Schweden hatten gerade ihren Haus-Tuner Polestar übernommen.

Geplant war im ersten Schritt eine Ausrichtung der jungen Marke «on top of Volvo». Ab dem Polestar 1, dem Pug-in-Hybrid-Sportler, also ab 150’000 Franken aufwärts. Dann kam das Tesla Model 3, die Elektromobilität wurde auch in der Mittelklasse topaktuell. Ingenlath präsentierte damals noch in der Rolle des Volvo-Chefdesigners zwei Nachfolgemodelle der kleinen V40-Baureihe. Das Konzept 40.1 wurde zum Volvo Kompakt–SUV XC40 – von dem die Schweden heute Abend eine Elektroversion präsentieren. Aber der breite Viertürer mit Fliessheck passte nicht ins Volvo-Portfolio. So kam die junge Marke zum Polestar 2. Erste Kundenfahrzeuge können ab 2020 auch in der Schweiz bestellt werden. Die elektrische Fliessheck-Limousine zielt unverkennbar auf das Tesla Model 3 – auch mit einem Einstiegspreis von rund 39’000 Euro (CH-Preise sind noch nicht bekannt) für die kleinere Batterievariante.

Der Start mit einem Sportwagen ähnelt ebenfalls der Tesla-Story. Während der 600 PS starke Polestar 1 als Kleinserie in einer Schaufabrik im chinesischen Chengdu gebaut wird – rund 20 von Schweizer Kunden bestellte Exemplare werden in den nächsten Monaten ausgeliefert –, rollt der Polestar 2 zusammen mit dem Volvo XC 40 und dem Lynk&Co 01 im Mehrmarken-Werk Luqiao der Volvo Car Group vom Band. Anders als Tesla soll Polestar also nicht über lange Zeit ein Manufakturbetrieb bleiben, sondern über geteilte Entwicklungsplattformen und Produktionsstätten des Geely-Konzerns schnell profitabel werden.

Kalifornische Einflüsse sind auch im Innenraum des Polestar 2 zu spüren. «Vom Spirit her ist sehr viel Apple drin», betont Ingenlath. Der iPhone-Konzern habe es geschafft, Ästhetik und Technologie so zu vermitteln, dass es Begehrlichkeit weckt. Also nicht Technik um der Technik willen. «Das ist etwas, das ich vermisst habe in der Automobilindustrie und was ich absolut bei der Marke Polestar anders machen möchte.»

Mit dem Namen Polestar sei das Bild eines Leitsterns verbunden, der den anderen Konzernmarken den Weg weise. Im Mai präsentierte Ingenlath den Polestar 2 zusammen mit seinem Infotainmentsystem der nächsten Generation. Von den Elektronik-Insellösungen der Autohersteller hält er nichts. «Die Idee, dass ich meinen eigenen Sprachassistenten baue, ist nicht zielführend.»

Aber auch die Modellpalette soll bald erweitert werden: Das dritte, deutlich grössere Polestar-Modell soll spätestens 2021 vorgestellt werden. Anders als die bisherigen Modelle soll der Polestar 3 auf der grösseren, weiterentwickelten Plattform des Volvo XC90 stehen, die auch für reine Elektrofahrzeuge geeignet ist.