Energie Schweiz

Vom Kopierer zum Trendsetter

Die südkoreanische Marke Hyundai hat ihr Image so nachhaltig verändert wie kaum eine andere. Die Zeiten, als sie als Lieferantin von billigen Plagiaten belächelt wurde, sind längst vorbei.

Zwar gehören Hyundai-Modelle in den meisten Fällen noch immer zu den preiswerten Angeboten, aber auf Hightech und gutes Design muss man deswegen nicht verzichten. Ganz im Gegenteil, wie der Auftritt der Südkoreaner beim Genfer Auto-Salon eindrücklich bewiesen hat: Nebst dem bekannten Ioniq, dem weltweit einzigen für drei verschiedene alternative Antriebstechnologien (Hybrid, Plug-in-Hybrid und Elektro) konzipierten Fahrzeug, präsentierten die Südkoreaner das neue Brennstoffzellenfahrzeug Nexo, ebenso wie die Elektroversion des erst kürzlich lancierten Kompakt-SUV Kona.

15 neue Modelle Bis 2020
«Hyundai beweist damit, dass wir auch eine technologische Vorreiterrolle einnehmen können», freut sich Veljko Belamaric, Country-Manager von Hyundai Suisse. «Bis 2020 werden wir 15 Modelle mit alternativem Antrieb für den Weltmarkt produzieren.» Darunter auch das neue Brennstoffzellenfahrzeug Nexo, welches in der Schweiz für nach den Sommerferien angekündigt ist und unter 70'000 Franken kosten soll. Bei ersten Probefahrten hat der Neuling zumindest schon mal überzeugt. Zum einen mit seinem futuristischen Design, zum anderen bei den Möglichkeiten beim «autonomen Fahren» und natürlich mit der Motorisierung.

Angetrieben von einem E-Motor mit 163 PS und 395 Nm schnurrt der zwei Tonnen schwere Wagen in 9,2 Sekunden vom 0 auf 100 und schwimmt auf der Autobahn souverän im Verkehr mit. Die drei Karbontanks unter dem Kofferraum und dem Rücksitz ermöglichen eine Reichweite von ca. 600 Kilometern und können in nur fünf Minuten vollgetankt werden. Vorausgesetzt man ist im Kanton Aargau unterwegs – denn die derzeit einzige öffentliche Tankstelle für Wasserstoff steht in Hunzenschwil.

Zumindest für die Verkaufszahlen viel wichtiger ist der in Genf enthüllte Kompakt-SUV Kona Electric – laut den Koreanern «der erste elektrisch angetriebene B-SUV», also SUV-Kleinwagen. Der Neuling rollt in zwei Leistungsvarianten mit einer maximalen Reichweite von bis zu 470 Kilometern nach dem neuen WLTP-Zyklus (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure) auf den Markt. Und dieser soll den Kona Electric mit offenen Armen empfangen, denn laut Hyundai kombiniert die neuste Variante «zwei wichtige Trends in der Automobilbranche: kompaktes SUV-Format und emissionsfreien Elektroantrieb».
Obwohl der Preis noch nicht feststeht und der Stromer erst in der zweiten Jahreshälfte an den Start rollt, rechnet Belamaric mit rund 300 Verkäufen bis Ende Jahr.

Beim Design verzichten die Koreaner auf allzu grossen Firlefanz. So unterscheidet sich der Kona Electric optisch nur durch die geschlossene Frontpartie und eine andere Gestaltung der Felgen vom herkömmlich angetriebenen Modell. Dafür liefert die Elektrovariante überzeugende Leistungswerte. Wahlweise mit 99 kW (135 PS) oder 150 kW (204 PS) Motorleistung unterwegs, geht es auch dank des Drehmoments von maximal 395 Newtonmetern vor allem im Topmodell agil und dynamisch voran. So beschleunigt die stärkere Variante in nur 7,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Das 1-Stufen-Reduktionsgetriebe wird dabei per «shift by wire» ausschliesslich über Tasten bedient.

Gute Werte bei den Reichweiten
Noch viel wichtiger sind allerdings die Langstreckenqualitäten des Electric. Die Batteriekapazität beträgt in der 150-kW-Version 64 Kilowattstunden, die in Kombination mit dem effizienten Elektroantrieb eine Reichweite von bis zu 470 Kilometern nach WLTP möglich macht. Die Speicherkapazität der Akkus beträgt in der Einstiegsvariante 39,2 kWh – damit lassen sich Reichweiten von bis zu 300 Kilometern am Stück fahren. In beiden Modellen arbeitet ein Permanentmagnet-Synchronelektromotor, die Speicherung übernehmen im Unterboden platzierte Lithium-Polymer-Akkumulatoren. Laut Hyundai dauert es lediglich 54 Minuten, um die Stromspeicher an einer öffentlichen 100-kW-Schnellladestation zu 80 Prozent aufzuladen. Die Zeit für einen vollständigen Ladezyklus an einer für die heimische Garage geeigneten Wallbox beläuft sich auf rund sechs Stunden in der 99-kW- und gut neuneinhalb Stunden in der 150-kW-Modellvariante. Die Ladeleistung des Onboard-Chargers beträgt in beiden Modellen 7,2 Kilowattstunden. Im Cockpit übernehmen volldigitale Instrumente für Geschwindigkeit, Energieflussanzeige, Fahrmodus und Batterieladung die Information des Fahrers. Praktisch: Je nach gewähltem Fahrprogramm ändern sich die Farben und Informationen.