Energie Schweiz

Heimspiel ohne Gegner

Bei der am letzten Montag zu Ende gegangenen Tokio Motor Show blickten die einheimischen Marken in die – elektrisierte – Zukunft.

Obwohl insbesondere die deutschen Autos hoch im Kurs stehen in Tokio oder Osaka, glänzten die Importeure bei der Show fast durchgängig mit Abwesenheit. Einzig Mercedes-Benz zeigte nochmal ein Kondensat des IAA-Programms, doch BMW, Audi, VW & Porsche liessen die Japaner ungestört ihre Palette und Studien auffahren – von den Koreanern, Franzosen, Italienern, Schweden und Amerikanern ganz zu schweigen.

Kein Wunder also, dass mehr als die Hälfte aller Neuheiten winzige und (zumeist) witzige Kei-Cars waren, die immer knallig bunt und oft ungeheuer verspielt sind. Mal inspiriert von Disney World und mal von Manga Comics tragen sie den engen Innenstädten genauso Rechnung wie dem kindlichen Gemüt der Kunden und decken dabei fast alle Karosserievarianten ab – von der allgegenwärtigen Schuhschachtel auf Rädern über den Hardcore-Geländewagen für die Westentasche bis zum Bonsai-Roadster.

Dazu gab es auch im grösseren Format vor allem bei Toyota eine Handvoll Studien, die selbst den in Tokio noch einmal aufgefahrenen Mercedes Vision EQS fast schon in den Hintergrund versetzen liessen: Ein autonomer Lexus LF30 mit extremer Keilform und formatfüllenden Flügeltüren zum Beispiel. Ein E-Racer, der aussieht, als bräuchte er eine überdimensionale Carrera-Bahn oder ein LQ, aus dem einmal ein autonomer Kompakter für Roboter-Taxen werden könnte.

So vielfältig wie die Aufbauten waren auch deren Antriebe. Denn der Elektrohype, der etwa in Frankfurt die Nachrichtenlage dominierte, wurde in Tokio abgeschwächt. Denn Toyota schwört weiter auf die Brennstoffzelle und macht den Mirai mit entschärftem Design und gesenkten Kosten vom Exoten zum Volumenmodell, das bald 30’000 Mal im Jahr verkauft werden soll. Autos wie der neue Honda Jazz werden ausschliesslich und der Toyota Yaris mehrheitlich als Hybrid ausgeliefert, und wenn es unbedingt ein Akku-Pack sein muss, dann ein kleiner und damit bezahlbarer. Der Toyota Ultra zum Beispiel, der als erstes Elektroauto des Marktführers im nächsten Jahr an den Start gehen soll, ist nicht grösser als der Smart, schafft nur Tempo 60 und kommt gerade mal 100 Kilometer weit.

Und der MX-30, mit dem Mazda im nächsten Jahr zu Preisen ab 36'990 Franken auf die Electric Avenue startet, ist zwar so gross wie ein VW ID.3, hat aber nur 200 Kilometer Reichweite und muss mit 140 PS auskommen. Und Allradantrieb gibt’s für das SUV auch nicht. Ebenfalls im kommenden Jahr will Nissan den schmucken Ariya an den Start bringen – einen sportlichen Crossover. Viele Details haben die Japaner noch nicht verraten, aber immerhin weisen sie darauf hin, dass man mit dem Concept Car «eine vollkommen neue Designrichtung» einschlägt. Und die sieht durchaus gut aus und wird auch in Europa gefallen.

Weil Autos alleine nicht mehr genügend Besucher locken und sich niemand einen ganzen Tag in stickigen Hallen herumtreiben will, haben sie die Messe auf ein ganzes Stadtviertel verteilt, in den einzelnen Locations viele zusätzliche Events organisiert und dazwischen automobil angehauchte Erlebnisspazierwege samt Fahrzeugparaden und Foodtrucks angelegt. Auch das läuft schliesslich unter dem Aspekt der „New Mobility“.