Energie Schweiz

Ein Ausflug mit dem BMW i3s – Ein Testbericht

Ein Thurgauer (26) und ein Walliser (29) versuchen sich zum ersten Mal mit einem Elektrofahrzeug. Das Ziel: Ohne grössere Planung und spezifische Vorbereitung einen Ausflug von Zürich bis und über den Klausenpass mit einem BMW i3s zu machen. Lediglich die Route wurde zuvor festgelegt; Zürich > Klausenpass > Altdorf > Einsiedeln > Zürich, 220 km, rund 1500 Hm. Unsere Erfahrungen:

Die Abfahrt: Es ist ein regnerischer Sommermorgen und die Aufregung ist gross. Noch nie hatte einer der beiden Piloten das Fahrspassvergnügen mit einem Elektroauto. Wir begeben uns zum Auto, um dieses aus der Garage zu holen. Wie gewohnt steigt der Fahrer ins Auto ein, startet es und möchte umgehend losfahren. Doch schon die erste Ungewöhnlichkeit. Das Ladekabel steckt noch in der Ladebüchse des Autos. Der Assistent meldet: «Bitte Ladekabel vor der Abfahrt entfernen». Ohne die angezeigte Meldung wäre es wohl bereits vor Fahrbeginn zu ersten Komplikationen gekommen. Nachdem das Ladekabel entfernt und – für den späteren Gebrauch – im Kofferraum verstaut wurde, kann die Fahrt losgehen.

Der BMW i3s hat mit einer vollen Batterieladung eine Reichweite von ca. 200km. Unvoreingenommen machen wir uns auf den Weg. Die Reise beginnt durch die Innenstadt Zürichs auf die Autobahn Richtung Glarus. Auf der Autobahn erstmals Ernüchterung. Die Reichweite verringert sich schneller als gedacht. Die Lösung: Das Fahrverhalten anpassen. Wir aktivieren den Fahrbahnassistenten, um den Tempomat zu aktivieren und ein ökonomischeres Fahren zu ermöglichen. Die automatische Abstandregelung funktioniert einwandfrei. Was zusätzlich verblüfft, mit dem Aktivieren des Eco Plus Modus wird die Reichweite zusätzlich erhöht.

In mitten der Glarner Alpen der erste Stopp an einer Tankstelle. Uns stellt sich die Frage: «Schaffen wir es auf den Klausenpass ohne eine Zwischenladung?» Gemäss Kilometeranzeige sollte es ohne Probleme machbar sein. Praktisch: Auf der angezeigten Karte der Mittelkonsole des Fahrzeugs werden sowohl Tankstellen, wie auch Ladestationen angezeigt. Dadurch wird die Suche nach einer Ladestation immens vereinfacht. Nach kurzer Pause kann die Fahrt weitergehen; Sportmodus aktivieren und Höhenmeter gewinnen. Die Beschleunigung des Fahrzeugs ist eindrücklich. Vor allem weil es sich beim i3s nicht um einen Sportwagen handelt. Dennoch macht die Beschleunigung mehr Spass als bei einem klassischen Verbrennungsmotor.

Ankunft auf dem Klausenpass: Um 13:00 sind wir auf dem Klausenpass angekommen. Der Nebel verhindert eine Sicht ins Tal und das Hotel Klausenpasshöhe ist kaum zu sehen. «Zmittag» mit wunderbarer Aussicht und blauem Himmel wäre sehr schön gewesen. Die Realität – dichter Nebel und leichter Regen. Zudem zeigt die Akkuladung noch eine Reichweite von 8km an, was wohl auf die Nutzung des Sportmodus zurückzuführen ist. Wir beschliessen den Pass wieder runterzufahren und suchen auf der Karte nach einer geeigneten Ladestation, wo wir während der Ladepause Essen können. Wir werden in Altdorf fündig: «Schaffen wir es bis Altdorf?», fragen wir uns. Für Notfälle haben wir noch den Range Extender, der die Reichweite des Elektrofahrzeugs verlängern kann. So starten wir die Abfahrt sorglos. Beim Bergabfahren wird die Batterie stetig geladen und wir sind schlussendlich über die wiedergewonnene Reichweite überrascht.
Wir kommen mit den gewonnenen Km dann locker nach Altdorf und finden ohne Probleme die Ladestation. Glücklicherweise ist sie frei. Wäre sie besetzt gewesen, hätten wir unseren Plan etwas umdenken müssen. Was uns zudem erstaunt, die URstrom-Ladestation von EWA (bis zu 22 kW Ladeleistung), liefert den Strom 100 Prozent aus Wasserkraft und ist gratis. Wir haben nicht damit gerechnet, das Auto gratis aufladen zu können.*

Somit heisst es: Auto parkieren, Stecker rein und während der Aufladung ab ins Restaurant.

Nach einer rund 30- minütigen Essenpause kehren wir zum Fahrzeug zurück. Wir haben noch keine Ahnung, wie viel das Fahrzeug geladen wurde. Wir sind allerdings zufrieden, das Display zeigt eine Reichweite von 100 km anzeigt.

Wir beschleunigen auf die Autobahn Richtung Zürich und sind etwas ernüchtert als wir bemerken, dass es mit dem Rückweg knapp werden wird.

Rückweg nach Zürich: Die Route wird neu berechnet – 76km nach Zürich.  Die angezeigte Reichweite des Autos beträgt 70km. Wir haben allerdings immer noch den unbenutzten Range Extender in petto und fahren ohne grosse Bedenken weiter. Durch ökonomisches Fahren schaffen wir es – sehr knapp – ohne Gebrauch des Range Extenders bis nach Zürich.

Unser Fazit zum Tagesausflug auf den Klausenpass: Der BMW i3s ist angenehm zu fahren und bereitet 100 Prozent Fahrspass. Die kurvige Passstrasse meistert er mit einer tollen Beschleunigung, eignet sich aber auch als perfekter City-Flitzer. Und mit dem Range Extender ist auch eine längere Ausfahrt ohne Probleme möglich. Dieser Range Extender hat dafür gesorgt, dass die Grenzen des Fahrzeugs ausgereizt werden konnten, ohne einmal die Befürchtung zu haben, irgendwo stehenzubleiben.
Anfangs hatten wir noch die Sorge, dass wir Probleme haben könnten, Ladestationen zu finden. Allerdings haben wir anhand der integrierten Karte im Fahrzeug bemerkt, dass praktisch überall auf dem Weg mögliche Ladestationen auffindbar sind.
Wir sind beide sehr zufrieden mit dem Fahrzeug und könnten uns vorstellen, den i3s auch privat zu fahren. Für die allermeisten Wegstrecken im Alltag genügt die Reichweite vollkommen. Gleichwohl sind wir der Meinung, dass eine noch etwas höhere Reichweite sicherlich von Vorteil wäre um auch längere Fahrten ohne Bedenken machen zu können.

*Der durschnittliche Strompreis in Zürich liegt bei 16.61 Rp./kWh, wobei der BMW i3s einen Stromverbrauch von 12.5 kWh/100km hat.