Energie Schweiz

Sono Sion - Ein Elektroauto aus München

Sono Motors, ein kleines Start-up aus München, hat es geschafft, ein kostengünstiges Elektroauto auf die Räder zu stellen. Im kommenden Jahr geht der Sion in Serie!

Zuerst wurden sie belächelt, dann bestaunt, schliesslich bewundert und kürzlich haben sie den Mobilitätspreis des deutschen Bundesverkehrsministeriums erhalten. Keine Frage: Das kleine Münchner Start-up Sono Motors ist schon viel weitergekommen, als es die meisten Experten für möglich gehalten hätten.

Auch der Elektro-Experte der Technischen Universität München, Professor Markus Lienkamp, ist als ehemaliger Forschungs-Chef von Volkswagen eher skeptisch: «Wer mit Autos wirtschaftlichen Erfolg haben will, muss zwei Millionen Stück im Jahr bauen, um wahrgenommen zu werden», sagte der Experte im Interview mit dem deutschen Fachmagazin «ADAC Motorwelt».  Doch da ist Laurin Hahn, der Gründer von Sono Motors ganz anderer Meinung. «Wir haben alle Vorteile eines Start-ups und keine Nachteile eines etablierten Automobilherstellers», ist er überzeugt. Sie seien schneller und entscheidungsfreudiger und hätten ein anderes Verständnis davon, wer ihre Kunden sind und wie man sie bedient. Kleines Detail: Bei Sono Motors spricht man nicht von «Kunden», sondern von der «Community».

Und die funktioniert bestens: In der ersten Phase des Crowdfunding kamen innerhalb von drei Tagen rund 300’000 Euro zusammen. Inzwischen haben Interessenten in ganz Europa mehr als 10’000 Probefahrten gemacht, woraus über 7000 Vorbestellungen resultieren. Das hat Folgen: Mittlerweile arbeiten 70 Fachkräfte in der Firma und als Geschäftsführer (COO) konnte mit Thomas Hausch ein Profi aus der Automobilindustrie angeheuert werden. Hausch war Managing Director bei Nissan Europa und kämpfte für die Elektrostrategie der Japaner.

Während Sono Motors weiterhin in ganz Europa und bald auch wieder in der Schweiz Probefahrten anbietet (Anmeldung unter sonomotors.com), geht es derzeit an die Umsetzung des Serienautos. Laut Hahn soll die Produktion in der zweiten Hälfte 2019 starten, geplant sind mehrere 100’000 Stück des Modells Sion. Die Fahrzeuge werden nicht in einer eigenen Fabrik gebaut, sondern bei einem Auftragsfertiger, den Akku bezieht Sono ebenfalls bei einem deutschen Automobil-Zulieferer. Denn die Münchner greifen wo möglich auf bestehende Entwicklungen der Automobilzulieferer zurück, um die Kosten und später den Verkaufspreis tief zu halten – natürlich immer verbunden mit einem ökologischen Anspruch an Technik-Details.

Moos im Armaturenbrett

Und da machen die Münchner ernst und überzeugen mit klugen Details wie der 7,5 Quadratmeter Solarpaneele, die über das ganze Fahrzeug verteilt wurden und die unter Idealbedingungen täglich Strom für 30 Kilometer generieren können. Dazu kommt Moos im Armaturenbrett, das als biologischer Innenluftfilter dient. Der Sion kann zudem nicht nur Strom laden, sondern auch abgeben. Als Fahrstrom für andere Elektroautos oder auch als Strom für Geräte, die man unterwegs braucht.

Wetten, dass das Münchner Start-up den einen oder anderen grossen Hersteller ärgern wird?


Sono Sion

Antrieb: 80 kW (109 PS) Dreiphasen-Asynchronmotor, wassergekühlte Lithium-Ionen-Batterie, Einganggetriebe, Rekuperation

Fahrleistungen: ca. 9 Sekunden auf 100 km/h, Höchstgeschwindigkeit 140 km/h

Grösse: 4,11 Meter Länge. 1,79 Meter Breite. 1,68 Meter Höhe.

Leergewicht: rund 1400 Kilogramm

Reichweite: 250 Kilometer mit einer 35-kWh-Batterie

Innenraum: 2+3 Sitze, Kofferraum 650 bis 1250 Liter

Preis (in Deutschland): rund 16’000 Euro, plus Batteriemiete oder Kauf für 4000 Euro