Energie Schweiz

Ein bisschen Spass darf sein

Eigentlich hat die Partyinsel Ibiza sehr wenig mit einem Erdgasauto zu tun. Doch dank dem Seat Ibiza TGI könnte sich das ändern.

Um 24,9 Prozent haben die Verkäufe von Autos mit alternativem Antrieb in den ersten acht Monaten des Jahres zugenommen. Dies zeigt, dass diese Modelle immer beliebter werden. Die effektiven Immatrikulationen von insgesamt 13'086 Fahrzeugen und der daraus resultierende Marktanteil von 6,4 Prozent verdeutlichen aber, dass es noch Potential nach oben gibt. Selbst bei diesen Zahlen sind die Erdgas-Autos nur eine nette Ergänzung: Zwar legten sie in den acht Monaten bei den Verkäufen um 59,3 Prozent zu, dies entspricht jedoch nach wie vor einer sehr bescheidenen Steigerung von 736 Exemplaren.

Das erstaunt: Denn schliesslich gehören Erdgas-Modelle mit CNG in der aktuellen Autoumweltliste des VCS zu den umweltfreundlichsten Autos mit Verbrennungsmotor. CNG steht für «Compressed Natural Gas» – in der Schweiz getankt, ist es ein Gemisch von Erdgas und Biogas. Gasautos sind zwar umweltfreundlicher und in der Anschaffung günstiger – aber sie werden nicht gekauft. Oder nur in homöopathischen Dosen, obwohl sie im Betrieb dank des Gaspreises bis zu 40 Prozent günstiger sind.

Fürchten sich die Autofahrer vor Gas? Oder sind die CNG-Autos schlicht zu wenig sexy? Wenn ja, dann könnte sich dies schnell ändern. Denn mit dem Ibiza TGI (88 g CO2/km) hat Seat neben Mii und Leon ein drittes Gasfahrzeug am Start, das alles andere als bieder ist. Optisch erkennt man den Ibiza TGI nur am Schriftzug, oder beim Blick unter den Tankdeckel. Alles andere ist wie gehabt – also ziemlich sportlich und attraktiv.

Beim Ibiza kommt zum regulären 40-Liter-Benzintank ein Gastank, der 13 Liter CNG fasst, hinzu. Die Gesamtreichweite wächst so auf fast 1200 Kilometer. Das reicht locker, um von Zürich ohne Stopp nach Barcelona zu fahren, und von dort mit der Fähre über Nacht nach Ibiza zu gondeln. Wer die Vorteile des Gaskonzepts allerdings voll nutzen will, steht alle 250 bis 300 Kilometer an der Tanke. Und nicht an irgendeiner: Rund 150 Gastankstellen gibt es in der Schweiz.
In Spanien beispielsweise nur deren 40 (gibgas.de).
Das Netz im Mittelland ist damit dicht genug und die Tankstellensuche im Navigationssystem des Ibizas quasi vorkonfiguriert. Bei leerem Gastank fragt das Auto nach jedem Start, ob es zur nächstgelegenen Gastankstelle leiten soll. Das Tankprozedere ist denkbar simpel: Zapfhahn anschliessen, die luftdichte Verbindung abwarten, Knopf drücken, warten, fertig.

Sind es also doch die Ängste, die den Durchbruch von CNG verhindern? Medienberichte über Unfälle mit Gasfahrzeugen bleiben im kollektiven Gedächtnis hängen, auch wenn sich die Automobilverbände und die Erdgaslobby bemühen, mit Fakten die Sicherheit des Konzepts zu belegen, dass es statistisch gesehen nicht mehr Risiken birgt als die Benzin- und Dieselfahrzeuge.

Im Alltag mit dem Ibiza TGI sind Sicherheitsbedenken kein Thema. Was eher beschäftigt, ist die Charakteristik des Autos. Der Einliter-Dreizylinder des TGI bewegt sich, ob nun Gas oder Benzin eingespritzt wird, in tieferen Touren eher lustlos. Wer ein bisschen Spass will muss die Drehzahl auf über 2000 Touren halten – dann fährt sich der TGI, der in 12,1 Sekunden Tempo 100 erreicht, doch noch einigermassen flott.

Wer jedoch auf die Ausstattung und den Preis schaut, der sollte sich daran nicht stören. Auch, weil er ab 22‘550 Franken ein ausgereiftes Fahrzeug erhält, mit einem guten Raumkonzept und einer recht üppigen Serienausstattung – Sportfahrwerk, sechs Lautsprecher, Leder-Multifunktionslenkrad, Klimatronic und 17-Zoll-Felgen inklusive.

Fazit: Ein überzeugendes Paket, dass durchaus das Potenzial hat, den Markt der Erdgauautos ein wenig anzuheizen.