Energie Schweiz

«Fastcharge»: Schnellladestationen aus Deutschland

In der Schweiz ist die Anzahl an Fahrzeugen mit alternativem Antrieb 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 23 % gestiegen. Diese machen 7.2 % am Gesamtmarkt aus, wobei 3.2 % auf Elektrofahrzeuge (BEV) und Plug-in Hybride (PHEV) fallen. Auch bei der nötigen Infrastruktur steht die Schweiz bei der Elektromobilität im europäischen Vergleich gut da. Es gibt ein beachtliches öffentlich zugängliches Netz. Diese Ladestationen sind oftmals bei Einkaufszentren, Restaurants und Firmensitzen anzutreffen. Damit die Elektromobilität aber noch weiter an Attraktivität gewinnt, wird weiterhin in die Infrastruktur investiert. Dabei schauen wir über die Grenzen hinaus nach Deutschland: «FastCharge» heisst das prominente Forschungsprojekt, das sich für kürzere Ladezeiten einsetzt.

«FastCharge» wurde im Jahre 2016 in Deutschland ins Leben gerufen. Die Autobauer BMW und Porsche beteiligen sich an diesem Projekt. Dabei sollen, laut BMW, Elektrofahrzeuge in nur 3 Minuten für 100 km Reichweite aufgeladen und gar ein voller Ladevorgang (von 10 auf 80 Prozent) innerhalb von 15 Minuten abgeschlossen werden können. Bis jetzt gibt es jedoch erst Forschungsfahrzeuge, die für eine solch hohe Ladeintensität genügend ausgerüstet sind. Es handelt sich bei diesen Fahrzeugen um einen umgebauten Porsche Panamera und einen BMW i3. Verantwortlich für das Ladesystem ist die Firma Siemens, die dafür den weitverbreiteten CCS-Stecker (CCS = Combined Charging System) der Typ-2-Variante nutzt. Damit die Hochleistungs-Ladekabel nicht überhitzen, werden sie durch eine Flüssigkeit, die aus Wasser und Glykol besteht, gekühlt. Das in den Fahrzeugen verbaute Batteriesystem eignet sich somit für eine elektrische Spannung von 400 bis 800 Volt.

Der erste Stations-Prototyp steht im schwäbischen Jettingen-Scheppach, in der Nähe der A8 zwischen Augsburg und Ulm. «FastCharge» kann mit einer Spannung von bis zu 920 Volt arbeiten, wogegen bisherige Schnellladestationen mit bloss maximal 400 Volt laden konnten. Da somit nebst schnellerem Laden auch mehrere Fahrzeuge gleichzeitig geladen werden können, bietet sich somit die von «FastCharge» verwendete Technik für den Einsatz an Autobahnen an.

Auch in der Schweiz gibt es einige wenige Schnellladestationen, die für eine Ladung für 100 km Reichweite nur rund 10 Minuten benötigen. Um so auch das Fahren auf längeren Strecken zu fördern, benötigt es mehr dieser Schnellladestationen entlang der Nationalstrassen. Dafür setzt sich auch das Bundesamt für Stassen (ASTRA) ein. Im vergangenen Jahr hat sie ein Bewerbungsverfahren für E-Tankstellen auf Autobahnrastplätzen gestartet, wo sich private Investoren sowie Betreibergesellschaften für den Bau und Betrieb von E-Tankstellen bewerben konnten.

Beim Projekt Rheinmobil testeten Michelin und Siemens zusammen sieben batterie-elektrische Fahrzeuge (BEV), die durchschnittlich 3000 km pro Monat zurücklegten. Diese bedienten sich hauptsächlich an Schnellladestationen. Dabei zeigte sich nach den ersten 100'000 Kilometern, dass bei der Nutzung von Schnellladestationen nicht ausser Acht gelassen werden darf, dass sich ein geringerer Spannungsausgleich zwischen den einzelnen Batteriezellen ergibt. Dies führt dazu, dass die Batteriezellen unterschiedlich stark geladen und entladen werden, was langfristig zur Verringerung der Batterie-Kapazität führen kann. Um dies zu verhindern, sollte man nur dann auf Schnellladestationen zurückgreifen, wenn es die Umstände erfordern.