Energie Schweiz

Renault setzt auf F1-Technik

Renault hat schon drei E-Autos im Angebot. Jetzt kommen drei Hybrid-Modelle dazu – mit einem Getriebe aus der Formel 1.
Minus 17,4 Prozent gegenüber 2019 im ersten Halbjahr. Wer die nackten Zahlen bei Renault in der Schweiz betrachtet, dürfte sich Sorgen machen. Allerdings vergebens. Denn mit diesem Resultat im Corona-Jahr gehören die Franzosen zu den besten Performern, denn der Gesamtmarkt gab im selben Zeitraum gleich um 34,3 Prozent nach.

Und nun stehen mit Clio, Captur und Mégane Grandtour drei Hybrid-Modelle am Start, die die Zahlen weiter verbessern sollen. Dabei setzt Renault auf Technik aus der Formel 1, stattet die drei Verkaufsschlager mit dem von der Rennserie abgeleiteten Multi-Mode-Getriebe aus und kombiniert es mit Hybridantrieben. Beim Clio handelt es sich um einen Voll-Hybrid, der während des Bremsens Energie rekuperiert, bei den anderen zwei Modellen um Plug-in Hybride, deren Batterie zusätzlich an der Steckdose aufgeladen werden kann.

Kein Wunder: Renault zählt ohnehin zu den Pionieren der modernen Elektromobilität und hat bereits die reinen Stromer Zoe, Twingo Z.E. und Kangoo Z.E. im Sortiment. Die meist verkauften Modelle – Clio, Captur und Mégane Grandtour – setzt Renault nun mit dem Hybridkonzept E-Tech unter Strom. Auf diese Weise kann der CO2-Aussstoss der gesamten Flotte massiv reduziert werden. Bei Renault Schweiz rechnet man damit, dass sich in Zukunft bis zu 80 Prozent der Käufer von einem dieser drei Modelle für die Hybridversion entscheiden werden.

Denn dieses Trio ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern verspricht dank dem Plus an Power auch Fahrspass. Claude Gregorini, Direktor Renault Schweiz, verweist in diesem Zusammenhang auf die Entwicklung des Marktanteils der elektrifizierten Autos in Europa: «2016 lag dieser Wert erst bei 2,8 Prozent. Heute fahren rund 18 Prozent der Neuwagen ganz oder teilweise mit Strom.» In der Schweiz dürfte dieser Anteil bis Ende 2020 gar auf 25 Prozent ansteigen, sagt Claude Gregorini, und das ganz ohne Subventionen.

Bei der Entwicklung des Hybridkonzepts haben die Renault-Ingenieure nicht einfach einen bestehenden Verbrenner mit einem Elektromotor gekoppelt. «Die Herangehensweise war genau umgekehrt», erklärt Simon Platz, der bei Renault Schweiz für die elektrifizierten Modelle verantwortlich ist. Der in allen drei Modellen verwendete 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 91 PS diene hauptsächlich als Generator und speise zwei E-Motoren. Nur wenn viel Leistung gefragt sei, wie beim starken Beschleunigen, oder wenn die Batterie leer ist, werden die Räder auch direkt vom Benzinmotor angetrieben. Dieser wurde für seinen neuen Einsatzbereich komplett überarbeitet.

Das Herzstück ist aber das erwähnte Multi-Mode-Getriebe aus dem Rennsport, ein sogenanntes Klauengetriebe, das alle Motoren miteinander verbindet und untereinander optimal abstimmt. «Es erlaubt automatische und nahtlose Gangwechsel, wählt immer den richtigen Modus aus und übernimmt das Energiemanagement», so Platz.

Das System funktioniert tadellos, wie sich bei Probefahrten im Zürcher Unterland zeigte. Losgefahren wird mit den drei Hybrid E-Tech Renaults immer elektrisch. Bei zurückhaltender Fahrweise bleiben die Autos stets im E-Betrieb, selbst wenn es leicht bergauf geht. Wer bewusst nur elektrisch fahren will, wählt den entsprechenden Modus aus. Mit den Plug-in Hybridmodellen soll man gemäss Herstellerangaben im Elektrobetrieb bis zu 65 Kilometer weit fahren können. Energie kann auf drei Arten zurückgewonnen werden: Wenn der Fahrer den Fuss vom Gaspedal nimmt und wenn er das Bremspedal benutzt. Am stärksten rekuperieren die E-Tech-Modelle im Modus «B» auf dem Wählhebel, der spürbar stärker verzögert und bis zum Stillstand abbremst. Mit ein bisschen Übung lassen sich Clio, Captur und Mégane Grandtour so nur durch die Betätigung des Gaspedals fahren. Dafür muss man kein Formel-1-Pilot sein.

Positiv: Trotz der zusätzlichen Technik an Bord sind die Hybrid-Fahrzeuge von Renault nur wenig schwerer als die Verbrenner des gleichen Modells. Ausserdem sind beim Platzangebot im Innenraum und beim Kofferraumvolumen keine Abstriche zu machen.