Energie Schweiz

Renault City K-ZE

Preisbrecher an der Ladesäule

Mit dem kleinen City K-ZE will Renault der elektrischen Elite Parole bieten – wir machten eine erste Probefahrt in Shanghai

Wenn die Konkurrenten bei ihren Elektro-Ankündigungen über Massenmodelle sprechen, können die Franzosen darüber lächeln. Nicht nur, dass sie in Europa schon zehntausende Zoe und Twizy auf den Strassen haben, sondern jetzt treten sie auch auf dem weltgrössten Markt für Elektroautos, im härtesten Segment, an und wollen mit dem Kleinwagen K-ZE vom Batterieboom in China profitieren. Dabei setzen sie nicht nur auf alltagstaugliche Fahrleistungen, eine Normreichweite von guten 250 Kilometern und ein trendiges Design, sondern vor allem auf einen Kampfpreis: Viel mehr als umgerechnet 10’000 Euro soll der City K-ZE nach Abzug der Subventionen nicht kosten.

Dafür gibt es ein 3,73 Meter langes (oder kurzes) Auto, das keineswegs nach einer rollenden Verzichtserklärung aussieht. Schliesslich hat ihn Designchef Laurens van den Acker zu einem Mini-SUV aufgebockt und ihm ein charmantes Gesicht gezeichnet und dafür gesorgt, dass der ferne Twingo-Verwandte bei nur 2,43 Meter Radstand ordentlich Platz bietet: Vorne sitzt man bequem, der Rücksitz taugt zur Not auch mal für zwei Erwachsene und der Kofferraum fasst 300 Liter.

Am meisten allerdings überrascht das Fahrverhalten. Nein, nicht weil der K-ZE flüsterleise ist und einen Antritt hat wie ein GTI. Daran haben wir uns bei Elektroautos schliesslich so langsam gewöhnt. Und auch nicht, weil die Luft nach oben ziemlich schnell ziemlich dünn wird. Denn auch wenn der K-ZE trotz der immerhin 27 kWh grossen Akkus im Wagenboden nur etwas mehr als 900 Kilo wiegt, darf man von einem Motörchen mit 45 PS und 125 Nm keine Wunder erwarten – dass bei 105 km/h schon wieder Schluss ist, muss man deshalb akzeptieren. Was aber wirklich beeindruckt, ist die Souveränität, mit der dieser winzige Stromer über die Teststrecke surrt!

Auf der Marterstrecke rappelt und klappert nichts, auf der langen Geraden wechselt er auch bei höherem Tempo sauber die Spur, in den Kehren und beim Rangieren ist er wunderbar handlich und selbst die Steilkurven der Teststrecke treiben einem nicht den Angstschweiss in die Handflächen. Nur beim Rekuperieren fällt der K-ZE ab: Weil diese Funktion zu teuer war, rollt der Renault einfach aus, wenn man den Fuss vom Gas nimmt.

Dass die Franzosen preiswerte Autos bauen können, das haben sie vor 20 Jahren mit Dacia und vor rund fünf Jahren mit dem Kwid bewiesen, der für die Franzosen Indien erobert hat. Doch der K-ZE hat das Zeugs zum Meisterstück: Erstens, weil er als Elektroauto mehr Zukunft und weniger Konkurrenten hat. Und zweitens, weil man ihm nicht anmerkt, dass an jedem Cent gespart wurde: Er sieht cool aus, die Fahrleistungen sind für einen Stadtflitzer vergnüglich, das Innenleben ist farbenfroh, die Materialqualität überraschend hochwertig, statt fieser Plastikausdünstungen gibt es sogar eine automatische Umluft-Kontrolle gegen den Smog der Millionenmetropolen und die Ausstattung ist top. Zwar spart sich Renault das ESP (Elektronisches Stabilitätsprogramm), doch dafür sind nicht nur elektrische Fensterheber und die Klimaanlage in allen Autos Standard, sondern auch ein grosser Touchscreen mit Navigation, Online-Infotainment, Smartphone-Integration und W-LAN-Hotspot.

Zwar ist der KZ-E zunächst einmal ein rein chinesisches Phänomen – gemeinsam mit Partner Dongfeng in China entwickelt und ausschliesslich dort gebaut. Doch so klein der Batterie-Bonsai auch sein mag, steht ihm die grosse Welt weit offen, sagt Renault-Chef Thierry Bolloré: «Das ist ein globales Projekt. Wir werden den K-ZE auch in anderen Regionen verkaufen.» Auch der Verkauf in Europa ist nur noch eine Frage der Zeit.