Energie Schweiz

Britisches E-Understatement

Der Mini rollt elektrisch, elektrisiert aber nur den Fahrer. Denn optisch hat sich nicht viel geändert und der Stadtflitzer rollt unter dem Radar der E-Aufmerksamkeit durch.

Ein rein elektrischer Mini und keiner dreht sich um. Erst, wenn er mit einer Ladesäule verkabelt ist, haben Passanten oder Vorbeifahrer einen Aha-Effekt. Denn das Elektrische am Mini ist gut im gewohnten Kleid versteckt. Nur ein paar gelbe Farbkleckse machen auf den neuen Antrieb aufmerksam. Das Gelb ziert nur Aussenspiegel, einen Mittelsteg auf der Abdeckung des einstigen Kühlergrills, die Oberfläche des speziellen Logos am Heck und als dünne Umrandung die 16-Zoll-Alu-Räder. Cool: Wer diese «Kriegsbemalung» nicht will, fährt dann optisch einen Mini wie jeden anderen.

Um die 32,6 kWh-Batterien so unterzubringen, dass der Kofferraum nicht noch kleiner wird, haben die Briten den Mini um 1,8 Zentimeter höher gelegt. Damit das nicht gleich auffällt, gibt’s leicht veränderte Karosserieteile an Bug und Heck und rund um die Radkästen.
Britisches Understatement statt Elektrostolz, das passt.

Das Exzentrische lauert im Innenleben: Das Design des kreisrunden 8,8-Zoll-Zentralmonitors der Mitte gleicht dem aller Minis, doch das 5,5-Zoll-Gehäuse der Anzeigen im direkten Blickfeld beherbergt jetzt Infos, die für E-Autos wichtiger sind als die Drehzahl. Wieviel der verfügbaren Kraft des 135 kW/183 PS starken E-Motors wird gerade genutzt und wieviel Prozent der Reichweite bleibt noch übrig. Da muss die Tempoanzeige auf digitale Zahlen ausweichen. Bekannt auch das Quintett an Kipp-Schaltern unterhalb des Monitors. Sie beweisen spätestens nach dem Losfahren ihre besondere Bedeutung. Vor allem der zweite von links.

Das Erlebnis des lautlosen Starts bieten alle E-Autos, ein kräftiger Tritt bringt den Mini ohne Schaltrucke ins Galoppieren. Nur sanfte Behutsamkeit des rechten Fusses bewahrt im Stadtverkehr die Contenance. Der kleine Stromer wirkt in der Stadt wie ein «Putschauto» auf Speed – Fahrspass 2.0. Das passt auch zur geheimnisvollen zweiten Taste von links: In der ersten ihrer beiden Stufen ist alles so, wie einst in der Fahrschule gelernt. Vor der Ampel Gaspedal lupfen und den Mini rollen lassen. Dann brav mit Hilfe der Bremse zum Stehen kommen. Die zweite Tastenstufe bietet den «One-Pedal-Modus»: Wird das Gaspedal wie gelupft, verzögert der Mini schlagartig, kommt dank der heftigen Bremswirkung des E-Motors extrem früh zum Stillstand. Das ist gewöhnungsbedürftig. Doch wer den Bogen nach ein paar Stadtkilometern raus hat, kann das Prinzip auch auf der Autobahn anwenden, elektronische Hilfe wie beim bekannten Abstandsradar (gibt’s im E-Mini gar nicht) darf er dabei nicht erwarten.

Unterm Strich, ob mit gedrückter Taste oder ohne, fährt sich der erste elektrische Mini genauso problemlos und souverän wie die anderen Stromer. Vorausgesetzt, dass man es gemütlich mag. Denn selbst auf der Schweizer Autobahn schmilzt der Batterievorrat bei freier Fahrt sichtbar dahin.
Auf dem Papier bleibt also viel Luft für die Akkukapazität von rund 230 Kilometern, denn die Normangabe von 270 Kilometern ist in der Praxis nicht zu schaffen. In der Realität mussten wir erstaunt zur Kenntnis nehmen, dass der vollgeladene Mini für die Fahrt von Dielsdorf nach Thun (141 Kilometer über die A1/A6) zwingend einen Ladestopp kalkulierte. Immerhin: Wer eine Schnellladesäule mit 50 kW per App anvisiert, ist nach 35 Minuten wieder mit zu 80 Prozent aufgefrischter Batterie unterwegs. So oder so macht der Mini Cooper SE aber nur Sinn, wenn Zuhause eine Wallbox zu Laden wartet, denn mehr als 180 Kilometer haben wir nie geschafft.

Mini Cooper SE 
Modell: Dreitürige Limousine mit vier Plätzen und Frontantrieb
Masse: Länge 3,85 Meter, Breite (ohne Aussenspiegel) 1,73 Meter, Höhe 1,43 Meter, Radstand 2,50 Meter
Kofferraumvolumen: 211 bis 731 Liter Frontantrieb
Antrieb: Elektromotor mit 135 kW/184 PS, maximales Drehmoment 270 Nm, einstufiges Automatikgetriebe.
Batterie: Lithium-Ionen mit 32,6 kWh
Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 150 km/h (abgeriegelt), 0-100 km/h in 7,3 Sekunden
Durchschnittsverbrauch: 14,8-16,8 kWh/100 km, lokaler CO2-Ausstoss 0 g/km
Reichweite: 235 bis 270 km (Werksangaben)