Energie Schweiz

Ein Push für die Brennstoffzelle

Sind Wasserstoff-Fahrzeuge bald häufiger auf der Strasse anzutreffen? Eine neue Kooperation könnte dies schon bald ermöglichen. 

Sitz des Brennstoffzellen-Kompetenzzentrums ist der Standort Neckarsulm.

Ein neues Bündnis soll die Wasserstofftechnologie in der Autoindustrie vorantreiben: Vergangene Woche haben Audi und der koreanische Autokonzern Hyundai eine Kooperation auf dem Gebiet der Brennstoffzellen-Technologie angekündigt. Beide Unternehmen beabsichtigen den wechselseitigen Tausch von Patenten und den Zugang zu nicht wettbewerbsrelevanten Bauteilen, heisst es in der Mitteilung von Audi. Die Behörden müssen die Vereinbarung allerdings noch genehmigen.

Mit der Kooperation wollen die beiden Partner die Reife der Brennstoffzelle für die industrielle Fertigung in Grossserien schneller und effizienter erreichen. Darüber hinaus prüfen Audi und Hyundai eine weiterführende Zusammenarbeit bei der Entwicklung dieser Technologie. Brennstoffzellen erzeugen die Elektrizität aus Wasserstoff und Sauerstoff. Dazu ist es erforderlich, den explosiven Wasserstoff in einem Tank zu speichern. Die Technologie ermöglicht es, Fahrzeuge emissionsfrei anzutreiben. Aus dem Auto strömt nur noch Wasserdampf. Und das Tanken ist – anders als beim batterieelektrischen Antrieb – in wenigen Minuten erledigt. Vorausgesetzt es gibt eine Tankstelle.

Allerdings ist das Netz der Wasserstoff-Tankstellen noch luftig: In der Schweiz gibt es derzeit zwei Wasserstoff-Tankstellen. Selbst in Deutschland bieten laut dem Online-Portal H2 Live derzeit gerade einmal 43 Stationen Wasserstoff an. Während das Tankstellennetz in Deutschland auf 400 Stationen wachsen soll, will in der Schweiz eine Interessens-Gemeinschaft von sieben Unternehmen dafür sorgen, dass die Schweiz bis in fünf Jahren über ein flächendeckendes Netz von Wasserstoff-Tankstellen verfügt. Die grösste Herausforderung für den verbreiteten Einsatz von Brennstoffzellenfahrzeugen stellen die heute sehr hohen Kosten dar, sowohl für Fahrzeuge, als auch für die Infrastruktur. Zudem ist die Herstellung von Wasserstoff mit Hilfe von Strom aus Wasser sehr energieintensiv.

«Wir bündeln unsere Kräfte mit starken Partnern wie Hyundai. Denn für den Durchbruch dieser nachhaltigen Technologie sind Kooperationen der richtige Weg, um technologischen Vorsprung bei attraktiven Kostenstrukturen zu erreichen.» sagt Peter Mertens, Vorstand Technische Entwicklung der Audi AG. Auch Euisun Chung, Vice Chairman der Hyundai Motor Company, betont die Wichtigkeit der Kooperation: «Diese Vereinbarung ist ein weiterer Beleg für das starke Engagement von Hyundai, eine nachhaltigere Zukunft mit wasserstoffbetriebenen Autos zu gestalten.»

Die 2016 präsentierte Technikstudie Audi h-tron quattro concept soll die Technologie-Kompetenz der Marke beim Brennstoffzellen-Antrieb belegen.

Audi beschäftigt sich schon seit langem mit der Brennstoffzellen-Technologie – als erster Versuchsträger entstand 2004 der Audi A2H2 und 2014 führten die Herren der Ringe den Namenszusatz «h-tron» für Modelle mit Brennstoffzellen-Technologie ein. Doch erst Anfang des kommenden Jahrzehnts wird Audi die Brennstoffzelle als Kleinserie in sein Portfolio einführen. «Als sportlicher SUV wird das Modell Premium-Komfort im Oberklasse-Segment mit hoher Reichweite verbinden», verspricht Audi.

Hyundai Nexo: Serienbrennstoffzellenfahrzeug mit bis zu 800 Kilometer Reichweite 

Hyundai seinerseits bietet seit 2013 mit dem ix35 Fuel Cell ein Serienfahrzeug mit Wasserstoff-Technologie an und in diesem Jahr kommt mit dem Nexo zweite Brennstoffzellengeneration in den Handel. Doch auch das Interesse anderer Autohersteller in die Brennstoffzellentechnologie steigt: Honda hat den Clarity Fuel Cell am Start und Toyota bringt den Mirai nun auch nach Europa. Kein Wunder: In den 2020er-Jahren wollen die Japaner jährlich 30’000 Wasserstoff-Fahrzeuge verkaufen. Übrigens: Einer der Kooperationspartner von Toyota ist BMW.