Energie Schweiz

Premieren VW ID.3 und Honda e

Der ID.3: Volks-Stromer von Volkswagen

Am Montagabend hat Volkswagen im Vorfeld der IAA den ID.3 in Frankfurt enthüllt. Für VW ein «Symbol einer neuen Zeit», für die Elektromobilität möglicherweise der Befreiungsschlag aus der Nische. Gleichzeitig feiert auch die Serienversion des Honda e an der IAA in Frankfurt Premiere.

Der Marktanteil der reinen Elektroautos lag in der Schweiz in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres bei 3,6 Prozent. Dies ist eine markante Steigerung im Vergleich zum Vorjahr (+148%) und ein höherer Anteil als in den meisten europäischen Ländern. Aber die reinen Elektroautos bewegen sich immer noch in einer Nische. Noch: Denn Volkswagen hat am Montag in Frankfurt einen Stromer enthüllt, der das Zeugs dazu hat, die Elektromobilität aus der Nische zu führen und eine Zeitenwende einzuläuten – der ID.3.

Denn so, wie einst beim Übergang vom VW Käfer zum Golf und dem Wechsel vom luftgekühlten Heckmotor zum wassergekühlten Frontmotor, will VW jetzt den Wechsel vom Verbrenner zum Stromer schaffen und in eine neue Ära aufbrechen. Und das für eine breite Masse. Nicht umsonst investiert allein die Kernmarke VW in der nächsten Dekade neun Milliarden Euro in die E-Mobilität, plant mindestens 20 elektrische Modelle und will davon innert zehn Jahren über zehn Millionen Exemplare verkaufen.

Den Anfang macht mit dem ID.3 ein Auto, das dem Golf noch ziemlich nahekommt. Als erstes Modell aus dem Modularen E-Antriebsbaukasten (MEB) konstruiert und ab nächstem Sommer auf der Strasse, schreibt er nicht nur die Form des Golfs in einer modernisierten Form fort, sondern auch das Format sortiert den ID.3 mit seinen 4,26 Metern Länge in die Kompaktklasse. Trotz den Ähnlichkeiten gibt sich der ID.3 dank einer neu entwickelten Design-DNA sofort als Zero Emission Vehicle zu erkennen. «Mit dem ID.3 fahren wir in die Zukunft», sagt Klaus Bischoff, Chefdesigner der Marke Volkswagen. «Die natürliche Formensprache und das absolut intuitive Fahrerlebnis zeigen eine neue, elektrische Denkweise.»

Dazu gehört natürlich auch das neue Raumgefühl. Den innen präsentiert der Neuling und Hoffnungsträger mit seinen 2,77 Metern Radstand und dem platzsparenden Antriebskonzept mit der Batterie im Wagenboden ein Platzangebot auf Passat-Niveau. Eng wird es im ID.3 nie. Diesen Eindruck unterstützt natürlich auch das radikal reduzierte und modernisierte Bedienkonzept mit einem winzigen Bildschirm-Cockpit auf der Lenksäule und einem grossen Touchscreen daneben – so wirkt der ID.3 in der ersten Reihe noch luftiger und geräumiger als er ohnehin schon ist. Dank der völlig neu konzipierten Anzeigen- und Bedienelemente wird sich jeder Fahrer schnell und intuitiv im ID.3 zurechtfinden. Neben dem Zentral-Display liefert ein neu entwickeltes, zentral positioniertes Touch-Display dem Fahrer alle wichtigen Informationen. Das neue ID. Light unterstützt zudem mit einem LED-Band bei der Navigation, und kann den Fahrer bei Gefahr beispielsweise auffordern zu bremsen. Nur die Fensterheber und das Warnblinklicht werden noch mit haptischen Schaltern betätigt.

Aus dem in jeder Hinsicht skalierbaren Baukasten haben die Wolfsburger zunächst einen Frontmotor mit 150 kW/204 PS und 310 Nm für bis zu 160 km/h und drei Batteriegrössen ausgewählt: Das Basismodell für rund 32'000 Franken fährt mit einem 45 kWh grossen Akku, der im WLTP-Zyklus für 330 Kilometer reicht. Darüber rangiert ein Akku mit 58 kWh und 420 Kilometern Reichweite und das Topmodell fährt mit 77 kWh bis zu 550 Kilometer weit. Die beiden kleineren Akkus können mit einer maximalen Ladeleistung von 11 kW (Wechselstrom) und 100 kW (Gleichstrom) geladen werden, so dass der ID.3 im besten Fall binnen 30 Minuten den Strom für 290 Kilometer zapft. Für den grossen Akku hat VW die Leistung beim Gleichstrom-Laden auf 125 kW angehoben.

Volkswagen bietet den ID.3 1st (limitierte Sonderedition) zwar in drei festen Konfigurationen an, in der Schweiz ist aber nur der ID.3 1st Max (54'000 Franken) und damit die höchste der drei verfügbaren Varianten mit sämtlichen Ausstattungs-Highlights erhältlich. «Dadurch wird sichergestellt, dass die ersten Schweizer Interessenten über alle neuen technologischen Highlights in ihrem ID.3 1st verfügen», schreibt VW-Importeur Amag. Die Ausstattung des ID.3 1st Max umfasst serienmässig ein Navigations- und Radiosystem mit digitalem Radioempfang DAB+ sowie ein Soundsystem «Beats». Weitere technische Highlights sind das Augmented Reality (AR-) Head-up-Display, die Mobiltelefonschnittstelle mit induktivem Laden sowie das schlüssellose Zugangssystem Kessy Advanced. Zusätzlich verfügt die Erstauflage über eine automatische Distanzregelung ACC, einen Spurhalteassistenten mit Emergency Assist, einen Spurwechselassistenten sowie eine Rückfahrkamera.

Zwar meldet VW stolz bereits über 30‘000 Vorbestellungen für den ID.3 und die Produktionsslots für die Schweizer Kunden sind längst vergeben, doch zumindest ein paar Jahre noch dürfte der Golf bei den Verkäufen die Nase noch deutlich vorne haben. Allerdings hat er den ersten Kampf gegen den designierten Thronfolger bereits verloren: Während VW die grosse Weltbühne auf der IAA dem Stromer alleine überlässt, bleibt für den bisherigen Bestseller nur eine Premiere in der Provinz – in rund sechs Wochen in Wolfsburg.

Ebenfalls im kommenden Sommer rollt der Honda e auf die Strassen in Europa. Anlässlich der IAA hat Honda nun den Preis für den City-Flitzer kommuniziert: Der Honda e Advance wird topausgerüstet 43'100 Franken kosten. Der Honda e ist mit einem Elektromotor ausgestattet, der bis zu rund 150 PS (110 kW) liefert und ein Drehmoment von über 300 Nm erreicht. 35,5 kWh-Akku zählt zu den kompaktesten seiner Klasse und überzeugt mit einer aussergewöhnlichen Kombination aus geringem Gewicht, Schnellladefunktion (80 Prozent in 30 Minuten) und einer Reichweite von über 200 Kilometern – genügend also für den täglichen Einsatz im urbanen Umfeld.