Energie Schweiz

Polestar 2

Es tut sich was, auf der «Electric Avenue» – vor allem bei den Kleinen. Doch die Mittelklasse ist noch immer mehrheitlich mit Diesel- oder Benzinmotor oder bestenfalls mit einem Plug-in-Hybridantrieb unterwegs. Noch. Denn ab Ende Jahr kann man auch vollelektrisch unterwegs sein – mit dem Polestar 2.

Mit Allradantrieb, einer 78-kWh-Batterie, die den Wagen in 4,7 Sekunden von null auf hundert bringt und nach WLTP-Standard eine Reichweite von 470 Kilometern hat, ist er sehr vielversprechend. Im reinen Stadtbetrieb sollen durch die Energierückgewinnung beim Bremsen sogar bis zu 560 Kilometer möglich sein. Und Polestar gibt an, dass der Wagen mit bis zu 150 kW geladen werden kann, in etwa vierzig Minuten soll der Akku zu 80 Prozent gefüllt sein.

Bei der Testrunde in Schweden macht der Polestar 2 eine hervorragende Figur: Kanaldeckel, Senken, Risse in der Fahrbahn – obwohl der Stromer naturgemäss kein Motorgeräusch von sich gibt, hört man im Innern des Fahrzeugs nichts. Kein Knarzen, Rattern, Quietschen. Egal ob schottische Ruckelpisten oder Waschbeton – der Stromer schluckt jede Unebenheit mit Bravour. Kein Querversetzen, kein Ausbrechen.

Kein Wunder, schliesslich war Polestar einst die Motorsportabteilung der Schweden. Erst 2017 wurde daraus eine eigene Marke, unter der die ersten Elektroautos des Konzerns entstehen sollten. So basiert der Polestar 2 auch auf der Elektroarchitektur von Geely, gebaut wird der Wagen bis auf weiteres nur in China. Dennoch soll der Polestar auf der einen Seite seine sportlichen Gene behalten, aber auf der anderen Seite möglichst alltagstauglich sein.

Tatsächlich deckt die Limousine die Bedürfnisse vieler Autofahrer ab. Vier Personen können auch auf Langstrecken bequem reisen, nur bei fünf Erwachsenen wird es auf Dauer eng. Was der Polestar definitiv nicht ist: Ein Stauraumwunder. Die beiden Kofferräume vorne und hinten fassen zusammen 440 Liter, das schräg abfallende Heck verhindert, dass man höhere Gegenstände unterbringen kann. Dafür hat der Neuling eine Anhängerkupplung an Bord, mit der man bis zu 1500 Kilo ziehen kann.  

Ein entscheidender Unterschied zu den Mitbewerbern steckt beim Polestar unter dem Blech. Als erstes Fahrzeug wird der Stromer mit dem Betriebssystem Android Automotive ausgeliefert. Im Polestar 2 schlägt also ein Software-Herz von Google. Über einen personalisierten Google-Account ist das Auto komplett eingebunden in alles, was der Nutzer sonst an Diensten des Techkonzerns nutzt. Man kann Apps aus dem Playstore herunterladen, Google Maps kennt den Ladestand der Batterie und berücksichtigt bei der Routenplanung direkt mögliche Ladestopps. Wenn die Ladesäule diese Funktion unterstützt, wird auch angezeigt, ob die Stromtankstelle frei ist.

Tönt kompliziert, ist es aber nicht, denn im Polestar ist die Bedienung beispielsweise cleverer gelöst als im Tesla Model 3, weil sie einfach nicht so radikal ist. Wo es sinnvoll ist, gibt es bei den Schweden noch ein paar Knöpfe und auch das digitale Cockpit hinter dem Lenkrad ist praktischer als die komplett auf den mittigen Touchscreen ausgerichtete Steuerung im Tesla.

Interessierte Kunden können einen Polestar 2 ab sofort mit einer vollständig rückzahlbaren Anzahlung von 1000 Franken reservieren. Der Polestar 2 wird im ersten Produktionsjahr mit zwei Elektromotoren und Allradantrieb und einer Leistung von 300 kW (408 PS) und 660 Nm geliefert.