Energie Schweiz

Mazda geht einen eigenen Weg

Der MX-30 macht für Mazda den Anfang in Sachen Elektromobilität. Der attraktive Crossover fährt mit hinten angeschlagenen Fondtüren und einer kleinen Batterie vor. Später auch mit Range Extender.

Eine kleine Batterie, ein Innenraum aus nachwachsenden oder wiederverwerteten Materialien und eine hohe Recycling-Quote: Mazda legt beim ersten elektrisch angetriebenen Modell MX-30 den Fokus auf eine möglichst geringe Umweltbelastung. Dass der Hersteller aus Hiroshima dabei den gesamten CO2-Fussabdruck von der Herstellung der Rohstoffe bis zum Recycling am Ende des Lebenszyklus des Fahrzeugs im Auge hat, ist grundsätzlich der richtige Ansatz. Doch kann der neue MX-30 mit einer WLTP-Reichweite von maximal 200 Kilometern im stetig wachsenden Konkurrenzumfeld, wo manche Mitbewerber mehr als die doppelte Reichweite bieten, bestehen?

Chefentwickler Christian Schultze hat keine Zweifel: «Die meisten Menschen fahren maximal 60 bis 80 Kilometer am Tag, das deckt der MX-30 locker ab.» Der europäische Durchschnitt liege gar bei nur 48 Kilometern pro Tag. «Ausserdem erzeugen E-Autos mit grosser Batterie bereits bei der Herstellung eine hohe Umweltbelastung», so Schultze. «Was beim Recycling respektive der Entsorgung des Fahrzeugs nochmals beachtet werden muss.» Mazda habe letztlich nach einem guten Kompromiss aus Reichweite und Umweltbelastung gesucht, so der Ingenieur: «Was bringt es, wenn wir zwar lokal emissionsfrei fahren, die Umwelt aber dennoch stärker belasten?»

Wieso Mazda nun auch in den Markt der Elektroautos einsteigt, ist klar: «Natürlich geht es um die strengen CO2-Vorschriften», bestätigt Schultze. Batterieelektrische Fahrzeuge (Battery Electric Vehicles, BEV) sind dabei nur ein Teil der Strategie, den CO2-Fussabdruck nachhaltig zu reduzieren. Benzinmotoren mit Mildhybridsystemen, sparsame Dieselaggregate und Plug-in-Hybridantriebe gehören weiterhin zum Angebot. «Da ist für jeden was dabei», ist der Ingenieur überzeugt. Wichtig sei ausserdem die Erforschung von synthetischen, fossilfreien Treibstoffen – auch daran arbeitet Mazda mit Hochdruck.

Zurück zum MX-30, dem ersten BEV von Mazda, das kommenden Monat auf die Strasse rollt. Dass die Japaner beim E-Einstieg nicht nur bei der Batteriegrösse eigene Wege gehen, ist schon von aussen ersichtlich. Der elegante Crossover mit zum Heck hin abfallender Dachlinie verfügt über zwei auffallend schmale Fondtüren. Sie sind hinten angeschlagen, wie man es bereits vom Sportcoupé RX-8 her kennt, öffnen also gegenläufig in einem Winkel von 80 Grad und ermöglichen so einen besonders bequemen Zugang zur hinteren Sitzreihe, da die B-Säule entfällt. «Gerade um Kinder auf dem Kindersitz festzuschnallen oder um ein Gepäckstück auf die Rückbank zu legen, ist das sehr praktisch», sagt Christian Schultze. Da man die hinteren Türen erst öffnen kann, wenn die vorderen offen sind, können Kinder nicht unkontrolliert aussteigen.

Auf der ersten Ausfahrt in der Zürichsee-Region hinterliess der MX-30 einen guten Eindruck. Das Fahrverhalten ist komfortbetont, die Beschleunigung aus dem Stand und bei Zwischenspurts ist absolut ausreichend, auch wenn der Japaner mit seinem Elektromotor mit einer Leistung von 107 kW (145 PS) kein Sprinter ist. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 140 km/h eingebremst – das ist für den Schweizer Markt kein Thema, könnte aber beispielsweise in Deutschland zur Knacknuss werden. Die Reichweitenanzeige liess auf der Probefahrt vermuten, dass der im WLTP-Zyklus ermittelte Wert von 200 Kilometern durchaus erreichbar ist. Allerdings müssen dabei Faktoren wie Fahrstil, Aussentemperatur und Topografie passen.

Nur 200 Kilometer Reichweite, das wird einige potenzielle Kunden abschrecken. Doch bald hat Mazda dafür eine Lösung parat: Der MX-30 wird nämlich künftig auch mit Reichweitenverlängerer angeboten – ein kleiner Benzinmotor, der Strom für die Batterie generiert. Viele Details dazu gibt der Hersteller noch nicht bekannt – es wird aber mit Sicherheit ein Kreiskolbenmotor sein. «Wann der Range Extender erhältlich sein wird, können wir noch nicht sagen», sagt Mazda-Entwickler Christian Schultze. Dass der neue MX-30 hierzulande im September bei den Händlern steht und ab 36’990 Franken angeboten wird, steht fest. Zu diesem Preis ist Mazdas erstes Elektroauto sicher ein spannendes Angebot.