Energie Schweiz

Back to the future

An der Monterey Car Week in Kalifornien geht es eigentlich um Oldtimer. Doch im Rampenlicht stehen auch drei Boten aus der Zukunft. Supersportlich aber rein elektrisch und ohne lokalen CO2-Ausstoss.

Rund 200'000 Auto-Fans bevölkern in diesen Tagen Monterey und feiern das Automobil. Während die klassischen Automessen weltweit mit Absagen kämpfen, ist die Industrie hier sehr präsent. Begeisterung und Faszination stehen im Fokus: «Wo, wenn nicht hier kann man die Liebe zum Auto ungehindert ausleben und sich mal wieder etwas Leidenschaft leisten», sagt Mercedes-Designchef Gorden Wagener, der seinen dritten Showcar nach Pebble Beach gerollt hat. Nach zwei spektakulären Maybach-Modellen ist diesmal die neue, saubere und elektrifizierte Submarke EQ an der Reihe. Bevor sie im September in Stockholm einen SUV mit Elektroantrieb enthüllt, setzt Wagener in Kalifornien einen neuen Silberpfeil unter Spannung.

Er ist 5,30 Meter lang und kaum mehr als einen Meter hoch. Unter einer nach vorne zu öffnenden Kanzel befindet sich ein luftiger Center-Seat, in dem Mensch und Maschine eins werden. Dazu gibt es aussen eine extrem coole und cleane Karbonkarosse, fast ohne Sicken und Kanten, mit einem senkrechten Leitwerk und zwei ausfahrbaren Heckspoilern, sowie spektakulären Rädern mit 168 Aluminiumspeichen, die jeweils zur Hälfte frei neben dem schlanken Karosseriekörper stehen. Im Innern ist er auf das Wesentliche reduziert und bietet dem Fahrer den üblichen Mercedes-Luxus mit feinem Holz und weichem Leder.

Damit der EQ Silver Arrow nicht nur schnell aussieht, sondern auch rekordverdächtige Fahrleistungen erzielt, wird unter der Hülle nicht gekleckert, sondern geklotzt. Ein Elektroantrieb mit 750 PS und einem 80 kWh grossen Akku sollen eine Reichweite von 400 Kilometern ermöglichen. Nicht umsonst sprintet der Silberpfeil in weniger als zwei Sekunden von 0 auf 100 km/h und ist gut für Spitzengeschwindigkeiten weit jenseits der 300 km/h.

Auch Infiniti schielt mit seinem elektrischen Prototyp 10 auf die Rennbahn und spielt genau wie Mercedes bei dem offenen 1+0-Sitzer mit ein paar Retro-Elementen, mit dem feinen Unterschied, dass die junge japanische Marke gar keine Historie hat, auf die sie sich damit beziehen könnte. Aber dafür hat der Renner immerhin eine Zukunft. Oder zumindest sein Antrieb. Denn der Prototyp 10 erneuert das Versprechen, dass ab 2021 die ganze Palette der edlen Nissan-Tochter ausschliesslich aus Elektro- und e-Power-Fahrzeugen bestehen wird. Dabei steht e-Power für die Kombination eines Elektromotors und eines Benzinmotors, der den Strom in eine vergleichsweise kleine (und leichte) Batterie einspeist.

Dritter im Bunde ist der Audi PB18. Auch er elektrisch und vor allem für die Rennstrecke gebaut. Doch danach ist es vorbei mit den Parallelen. Denn während Mercedes und Infiniti – der eine mehr, der andere weniger – in den Rückspiegel schauen, sieht Audi-Designchef Marc Lichte nur nach vorn und hat deshalb quasi ein Play-Station-Auto in die Realität geholt. Das spektakulärste an dem Wagen ist darum auch nicht der Antrieb mit über 800 PS und 830 Nm, aber auch nicht der weit eingezogene Bug oder das keilförmige Heck, sondern der Fahrersitz, der auf Knopfdruck in die Mitte rückt und dem Piloten durch transparente Instrumente eine einzigartige Perspektive auf die Fahrbahn ermöglicht. Aber so faszinierend der EQ Silver Arrow, der Prototyp 10 oder der PB18 auch sein mögen, sie werden Konzeptfahrzeuge bleiben.