Energie Schweiz

Powerplay am Heimspiel

Bei der «Mondial de l’Auto» in Paris geben die Franzosen ein kraftvolles Statement ab, die Konkurrenz setzt auf Elektrifizierung.

Citroën C5 Aircross

Nachdem die Franzosen auf den vergangenen Messen oft nur als Mitläufer aufgetreten oder dem Trend gar hinterher gehechelt sind, inszenieren sie sich in diesem Jahr beim Heimspiel in Paris als Vorreiter. So feiern sie zum Beispiel die Geburt des smarten SUV und kontern das Wettrüsten der Konkurrenz mit einem betont freundlichen Citroen C5 Aircross oder einem nicht minder charmanten DS3 Crossback. Beide hübsch und praktisch, aber kein bisschen protzig.

Peugeot 508SW Hybrid

Aber auch die Elektrifizierung nehmen die Franzosen ernst: Citroën und Peugeot zeigen im C5 Aircross, 508 und 3008 ihre ersten Plug-in-Hybriden und mit dem DS3 Crossback e-tense steht das erste selbst entwickelte Elektroauto des PSA-Konzerns in den Startlöchern. Zwar wird es den kleinen SUV auch als Benziner oder Diesel geben, doch kommt er eben auch mit Akku-Antrieb und einer elektrischen Reichweite von maximal 300 Kilometern.

Für Renault kein Grund zur Aufregung. Schliesslich haben sie schon den Twizy, den Fluence und allen voran den Zoe im Rennen, der es auf immerhin 400 Kilometer bringt. Und die Schwestermarke Nissan hat mit dem Leaf das meistverkaufte Elektroauto der Welt im Portfolio. Doch nun planen die Franzosen eine Art Dacia unter den Elektroautos: Auf Basis des indischen Bestsellers Kwid planen sie einen elektrischen Kleinwagen mit SUV-Optik, der mit 250 Kilometern Reichweite schon im nächsten Jahr für weniger als 20’000 Euro an den Start gehen soll – allerdings in China.

Die Elektromobilität ist aber nur eines der Zukunftsfelder, auf dem die Grande Nation spielt. Das andere ist das autonome Fahren, das vor allem von Renault adressiert wird. Denn Designchef Laurens van den Acker hat für Paris ein Luxus-Shuttle ohne Lenkrad auf die Räder gestellt. Gestaltet wie ein riesiges Fabergé-Ei ist der EZ-Ultimo mit drei Lounge-Sitzen, Holzvertäfelung, Marmor-Konsolen und Kristallglas-Applikationen nicht nur das vielleicht luxuriöseste Auto am Salon, sondern bei einer Länge von 5,70 und einer Breite von 2,20 Metern auch der beste Beweis für das neue Selbstbewusstsein der Franzosen. Den Schönheitspreis gewonnen haben aber die Kollegen bei Peugeot mit ihrer Studie E-Legend, die sich wunderbar am legendären 504 Coupé orientiert.

Zwar wirkt der Auftritt der Franzosen in diesem Jahr tatsächlich ungewöhnlich stark, doch liegt das nicht alleine an deren Erfindungsreichtum und Kreativität, sondern auch an der langen Absenzliste. Denn wenn fast ein Dutzend Marken abgesagt haben – nicht nur kleine wie Alfa Romeo, Bentley oder Lamborghini, sondern grosse wie VW, Ford, Nissan, Fiat, Volvo oder Mazda –, dann fallen die Neuheiten umso mehr auf. So wie die zwei neuen «Tesla-Jäger» Mercedes EQC und Audi E-Tron aus Deutschland.

Mercedes EQC

Doch trotz dem Elektro-SUV von Mercedes warnt Daimler-Chef Dieter Zetsche, dass 98,3 Prozent der Kunden in der EU sich im zweiten Quartal dieses Jahres für den Kauf eines Modells mit einem Verbrennungsmotor entschieden haben. Mit dem EQC sei nun ein brandneuer elektrischer Mercedes, eine echte Alternative zu einem Modell mit Verbrennungsmotor, auf dem Markt. Die Kunden hätten so eine faire Wahl bei der Entscheidung, welche Option am besten zu ihrem täglichen Mobilitätsbedarf passt. Rein elektrisch ist auch die Zukunft der Tochtermarke Smart. Und weil es mit der nächsten Neuheit noch ein bisschen dauert, hatten die Designer Zeit für den Forease als radikales Cabrio ohne Dach und Scheiben.

Und der Rest der Welt? Aus England sind zwar Jaguar und Land Rover angereist, aber ohne Neuheiten. Aus Amerika kam eine kleine Tesla-Delegation, die zwar ein echtes Exponat des Model 3 am Messestand ausstellt, insgesamt jedoch etwas schüchtern auftritt. Und von den Asiaten fehlt ebenfalls ein grosser Teil. Immerhin: Toyota feiert das Comeback des Corolla ausschliesslich mit Hybridantrieb und Kia zeigt mit dem e-Niro einen weiteren Stromer für die breite Masse.