Energie Schweiz

Strom to go

Ein Schlüssel zum Erfolg der E-Mobilität liegt im Ausbau der Ladeinfrastruktur. Mittelfristig wird diese noch Lücken aufweisen, doch es gibt viele smarte Lösungen, um diese zu füllen.

Bis zu zehn Autos sollen an der mobilen Ladestation von Ads-Tec gleichzeitig andocken können

Um der E-Mobilität definitiv zum Durchbruch zu verhelfen, muss die Ladeinfrastruktur noch stärker ausgebaut werden. Der Aufbau einer solchen wird allerdings viel Zeit und Geld verschlingen. Und wohl nicht überall wird es sich lohnen, Stromtankstellen dauerhaft zu installieren und bereitzustellen. Smarte Lösungen sind also gefragt.

Ein Ideal der E-Mobilität wäre eine Technik, die eine Ladeinfrastruktur verzichtbar macht. Zumindest in Ansätzen kann das bei E-Mobilen mit integrierten Solarzellen funktionieren. Davon befinden sich allerdings noch keine in Serienproduktion. Aspiranten sind Sono Motors mit dem kompakten Van Sion, Lightyear mit der windschlüpfigen Limousine One sowie Fisker mit dem E-SUV Ocean. Allen drei gemein sind in die Aussenhaut integrierte Photovoltaik-Module, die in allen Fällen für einige Fahrkilometer pro Tag Strom generieren. Im Fall des Ocean und des Sion würde der Solarstrom reichen, um einmal die Woche mit zum Einkaufen zu fahren. Alle drei Newcomer haben angekündigt, ihre Fahrzeuge bereits kommendes Jahr anbieten zu wollen.

Bereits Realität sind die Megapacks von Tesla. Diese gehen auf den Bau des derzeit grössten Akkus der Welt zurück – dem Hornsdale Power Reserve, einem vom Tesla-Gründer Elon Musk in Südaustralien installierter XXL-Stromspeicher. Dort werden Lithium-Ionen-Batterien zu einem riesigen Puffer gebündelt. Die bereits gigantische Speicherkapazität von derzeit rund 130 MWh soll weiter ausgebaut werden. Die Batteriestation dient als Puffer für regenerativ erzeugten Strom und als Garant für ein stabileres Stromnetz in der Region. Die Anlage bündelt Einheiten im Container-Format, sogenannte Megapacks, die Tesla mittlerweile auch als mobile Supercharger einsetzt. So wurden einige dieser Ladecontainer im Herbst 2019 in den USA um Thanksgiving herum an Tesla-Schnellladestationen abgestellt, um so auf den kurzzeitig erhöhten Bedarf der Feiertagsreisenden zu reagieren. Während die fest installierten Super Charger 150 kW Ladestrom bereitstellen können, sollen es bei den mobilen Megapacks immer noch 125 kW pro Auto sein.

Auch in Deutschland wurde bereits ein ähnlicher Schnelllader auf mehrere Achsen gestellt. Der für den 40-Tonnen-Fahrbetrieb ausgelegte Trailer mit dem Namen «StoraXe» wurde mit Batterien mit rund zwei Megawattstunden Speicherkapazität ausgestattet. Bis zu zehn E-Autos sollen sich an diesem mit bis zu 320 Kilowatt Strom füttern lassen. Gedacht ist die Technik, um Ladesäulen für den Bedarfsfall, etwa bei Grossevents, zur Verfügung zu stellen. So kam der mobile Schnelllader erstmals Ende 2019 an einer Rennstrecke bei Barcelona zum Einsatz. Sollte der Stromvorrat aufgebraucht sein, kann der Trailer an einem Stromnetz angeschlossen und weiterhin als Schnelllader genutzt werden.

Die Firma Nexus-e GmbH, eine Tochter von Proton Power Systems, will in wenigen Jahren brennstoffzellenbasierte Schnellladestationen vermarkten. Diese sollen mit oder ohne Netzanschluss CO2-neutral arbeiten können. Nach Ansicht von Nexus-e könnte der in einigen Jahren stark steigende Bedarf nach Strom die Netze überlasten. Die Brennstoffzellenlader würden dann für Entlastung sorgen.

VW setzt bereits mobile Schnellladestationen in Wolfsburg ein, die zu einer Stadt der E-Mobilität werden soll. Die mobilen Stationen lassen sich nicht nur flexibel aufstellen, sondern ebenfalls als netzentkoppelte Puffer nutzen. In diesen werden übrigens Batterien ausgemusteter E-Fahrzeuge eingesetzt, die damit vor dem Recycling noch für längere Zeit nutzbar bleiben. Die mobilen Speicher stammen von der VW-Abteilung Components, die derzeit ausserdem an mobilen Laderobotern arbeitet, die autonom Stromspeicher mit 50 kW Ladeleistung und einer Speicherkapazität von 25 kWh zu E-Autos in Parkhäusern und Tiefgaragen bringen sollen. Statt also Parkplätze mit Ladesäulen zu versehen und diese dann für E-Fahrzeuge zu reservieren, wären künftig alle Stellplätze in einem Parkhaus auch als Ladepunkt nutzbar.

VW arbeitet an Laderobotern, die in Parkhäusern die Autos auf jedem Stellplatz mit Strom versorgen
Eine ähnliche Idee verfolgt das Berliner Start-up Chargery, das per Fahrrad den in Akkus gespeicherten Ladestrom zu Autos bringt. In Berlin wird dieser Service mit Fahrzeugen von Carsharing-Anbietern bereits praktiziert. In Zukunft will das junge Unternehmen mit Autoherstellern kooperieren, die etwa in ihren Apps die Option einer mobilen «Chargery-Ladung» integrieren. So könnten E-Auto-Nutzer einfach per Fingerzeig diesen Service buchen, sollte gerade keine freie Ladesäule in Fahrzeugnähe verfügbar sein.