Energie Schweiz

Europa-Comeback unter chinesischer Flagge

MG? Richtig, das waren die kleinen, coolen Sportwagen aus England. Vor allem der MGB GT erlangte Kultstatus. Und nun kommt die Marke zurück. Ohne Kult, mit Strom.

Denn die Zeiten der kleinen Sportler sind längst vorbei, die «goldenen Jahre» der Marke gingen 1980 zu Ende. Der einstige britische Hersteller MG war lange vor allem für seine Roadster bekannt und befand sich in den 90er-Jahren kurzzeitig im Besitz von BMW. Seit 2007 gehört MG zum grössten chinesischen Autobauer SAIC und verkauft unter seinem altbekannten Logo vor allem optisch umgestaltete Modelle der Konzernmutter. Mit den klassischen Autos der Marke haben diese bis auf den Namen nichts zu tun. So ist der ZS auch keine Neuauflage der Anfang des Jahrtausends gebauten und wenig erfolgreichen Mittelklasselimousine, sondern ein komplett neues Modell – ein vollelektrischer SUV.

Und der Anspruch an den Neuling ist laut SAIC Motor Europe sehr hoch: «Die neue Fahrzeuggeneration wurde für Fans elektrischer Antriebe entwickelt, die das Fahrgefühl von Verbrennungsmotoren nicht missen wollen.» Obwohl ein SUV bei MG noch nie ein Thema war, soll genau diese Boom-Gattung an die lange Geschichte mit europäischer Ingenieurskunst anknüpfen. «Aber mit modernster Elektroantriebstechnologie.»

In Zahlen: Der rund 4,3 Meter langen Crossover wird von einem 105 kW/143 PS starken E-Motor angetrieben, der von einer 44,5 kWh grossen Batterie mit Strom versorgt wird. So ausgerüstet soll der MG ZS EV laut dem Hersteller rund 260 Kilometer rein elektrisch zurücklegen. Wie derzeit üblich, soll die Batterie per Schnellladung in 43 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen sein.

Beim Vertrieb will MG einen ähnlichen Weg einschlagen wie Tesla. Das heisst: Den ZS EV will MG online verkaufen. Eigene Standorte sind nicht geplant, dafür will der Hersteller die Zusammenarbeit mit nationalen und regionalen Autohändlern suchen, um Kunden in ihrer Landessprache erreichen zu können. Den Online-Vertrieb sieht Pieter Gabriël, Vizepräsident von SAIC MotorEurope, nicht als Nachteil: «Das Internet war bereits vor 10 Jahren der am häufigsten genutzte Informationskanal und wird zukünftig auch der bevorzugte Vertriebskanal für Mobilitätslösungen sein. Wir wissen, dass dieser Ansatz kritisch betrachtet werden kann – bei den Verbrauchern zeichnet sich jedoch der Wunsch nach einem digitalen Markenerlebnis ab. Und genau das bieten wir Europa mit der Einführung des neuen MG.»

Obwohl die traditionellen Fans der Kultmarke sehr skeptisch auf den Neuling reagieren, scheint der einstige Heimmarkt trotz Brexit-Wehen durchaus offen für das Comeback zu sein: Laut der Muttergesellschaft SAIC gingen in den ersten zwei Wochen seit Verkaufsstart über 1000 Bestellungen für den lautlosen Kompakt-SUV ein.