Energie Schweiz

Mercedes EQV

Der zweite Stromer in den Reihen von Mercedes

Nissan hat den NV200. Renault den Kangoo und natürlich gibt es auch sonst noch eine Handvoll elektrischer Kastenwagen, die auch mit Fenstern und Sitzbänken angeboten werden. Doch um die klassische Grossraumlimousine haben die Elektriker unter den Automobilentwicklern bislang einen Bogen gemacht.
Aber das ändert sich jetzt bald. Denn während VW mit Hochspannung auf den ID Buzz hinarbeitet und bis dahin gemeinsam mit ABT schon mal den T6 umrüsten lässt, bereitet auch Mercedes einen elektrischen Raumfahrer vor: Zum Ende des Jahres kommt deshalb die V-Klasse als EQ-Modell und fährt als zweiter Mercedes mit Strom statt Sprit. Einen ersten Vorgeschmack darauf haben die Schwaben in Genf mit der Studie EQ V gegeben. Und weil sich daran bis zum Serienstart nur noch ein bisschen was am Lack und Leder ändern wird, waren wir schon jetzt auf einer exklusiven Ausfahrt.

Dabei erlebt man die V-Klasse als leisen Riesen, der wie gemacht scheint für den Elektroantrieb. Flüsterleise und mit sanfter aber nachhaltiger Kraft schiebt der 150 kW-Motor den Koloss voran und macht das Anfahren dabei so sanft wie im ICE. Während der Fahrer deshalb in seiner Gefühlswelt vom Trucker zum Lokführer mutiert, schnurrt die V-Klasse in kaum zehn Sekunden auf Tempo 100 und danach wenn’s unbedingt sein muss bis auf 160 km/h.

Im Grunde aber ist die V-Klasse als EQ V mindestens genauso universell einsetzbar wie mit einem Diesel, vielleicht sogar noch besser. Denn in der Stadt beschleunigt der E-Motor besser und fährt sanfter, auf der Landstrasse drückt das dicke Akkupack den Schwerpunkt und verbessert so das Fahrgefühl in den Kurven und auf der Autobahn geht es deutlich ruhiger zu an Bord.

Zwar ist das Fahrgefühl in der elektrischen V-Klasse ganz anders. Aber am Raumgefühl ändert sich nichts und auch nicht an der Variabilität. Weil die Batteriepacks im Wagenboden stecken, bleibt der gesamte Platz für Passagiere und Gepäck erhalten, und man kann nach wie vor beliebig Stühle rücken. Einzelsitze, Dreierbänke mit oder gegen die Fahrtrichtung oder einfach nur ein großer Kasten für ein paar Dutzend Koffer. Alles kann, nichts muss.


Mercedes EQV interior
Der EQ V hat einen Antrieb, der zur V-Klasse passt. Er ist allgemein ein sehr modernes Fahrzeug. Denn während sich Diesel-Fahrer auch nach dem Facelift noch mit dem alten Infotainment herumplagen müssen, gibts für den EQ V schon MBUX und damit den grossen Touchscreen sowie die Sprachsteuerung. Das ist nicht nur ein Tribut an die neue Zeit, sondern soll vor allem das Lademanagement erleichtern. Wer nicht gerade an einem 100kW-Lader parkt und nach einer Stunde wieder voll ist, kann deshalb die Akkus auch über eine App steuern und das Auto zum Beispiel im Stand konditionieren.



Mit dem EQ C und dem EQ V hat Mercedes zwar schon mal zwei Wegpunkte auf der Electric Avenue markiert. Aber dabei wird es nicht bleiben, sondern es geht Schlag auf Schlag. Im nächsten Jahr kommt deshalb der EQ A und im Jahr darauf mit dem EQ B auf Basis des gerade erst enthüllten GLB noch ein Weiterer, der vielleicht zum besten Kompromiss unter den Stromern taugt. Denn als erster Siebensitzer in der Kompaktklasse vereint er das trendige Styling eines SUV mit dem Platz einer Grossraumlimousine.