Energie Schweiz

Silent Running

Mit dem EQ C probt Mercedes-Benz derzeit den elektrischen Ernstfall. Wir fuhren mit.

«Uns ist bewusst, dass der richtige Anstieg bei den Elektroautos erst 2019 kommen wird, wenn viele neue Modelle verfügbar sind», sagt Andreas Burgener, Direktor auto-schweiz, im Interview mit co2tieferlegen.ch. Mit den neuen Modellen meint er auch den EQ C mit dem langsam aber sicher auch Mercedes-Benz unter Strom steht. Schon vor knapp zwei Jahren als Studie ins Rampenlicht gerückt, soll er mit dem Format des GLC und dem Elektroantrieb gegen Tesla Model X, Audi E-Tron und Jaguar i-Pace ins Rennen ziehen. Weil das aber immer noch ein gutes Jahr dauert, haben die Stuttgarter jetzt schon einmal zur Mitfahrt gebeten.

Und gleich vorneweg: Mercedes-Fahrer müssen sich beim Umstieg auf den Stromer keine Sorgen machen – auch elektrisch ist und bleibt der EQ C ein echter «Benz». Von aussen, weil der Wagen zumindest unter der groben Tarnung verdächtig nach einem GLC aussieht. Und von innen, weil der elektrische SUV auch da ganz nah im Hier und Heute bleibt. Ja, unter den Tarnmatten schimmert ein bisschen Rosé-Gold durch, das Designchef Gordon Wagener zur Symbolfarbe der Elektromodelle erkoren hat. Die Materialien wirken etwas technischer, die Lüfter sind moderner und der freistehende Bildschirm hinter dem Lenkrad ist ein bisschen grösser und schlanker.

Vor allem aber das Fahren ist typisch Mercedes – extrem komfortabel und gediegen. Flüsterleise und wolkenweich fühlt sich der EQ C dabei sogar eher nach S-Klasse an als nach einem SUV. Denn der über 10 Zentner schwere Akku drückt den Schwerpunkt schön tief nach unten und weil der Motor per se geräuschlos ist, haben die Ingenieure besonders gründlich auf Vibrationen und Störgeräusche geachtet. So hört man weder das typische Sirren beim Beschleunigen, noch das Gepiepe draussen aus dem Lautsprecher, das der Gesetzgeber vielerorts vorschreibt.

Sobald Baureihenchef Michael Kelz aufs Pedal tritt, ist es mit der Gemütlichkeit allerdings vorbei: Dann zieht des SUV davon wie ein Sportwagen. Kein Wunder: Das Auto hat schliesslich zwei E-Motoren, die zusammen 300 kW leisten und ihre 700 Nm schon mit dem ersten Wimpernschlag auf den Asphalt bringen. Mit rund fünf Sekunden von 0 auf Tempo 100 wird der Stromer selbst im Autoquartett zum Trumpf. Das Rekuperieren (Aufladen) macht der EQ C in unterschiedlichen, individuell einstellbaren Stufen so gut, dass man die Bremse kaum mehr braucht. Aber bei einem Akku von mehr als 70 kWh, intelligentem Reichweitenmanagement und vernetzter Navigation muss man nicht so genau auf den Verbrauch schauen, sondern darf auch mal zum Vergnügen über die Strassen sausen.

Allerdings muss man auf das Fahrvergnügen noch ein wenig warten. Denn selbst wenn Kelz noch so sehr unter Strom steht und von seinen Testfahrten schwärmt, dauert es noch immer ein knappes Jahr, bis der EQ C auf die Strasse kommt. Auch den Preis kann man bislang nur schätzen. Ob Mercedes vorneweg fährt oder doch nur mitschwimmt auf der elektrischen Welle, lässt sich deshalb noch nicht sagen. Sicher aber ist: Jeder weitere Stromer verhilft der E-Mobilität zu mehr Schwung.