Energie Schweiz

Interview mit Tesla-Europachef Rudat zum Durchbruch der E-Mobilität

«Wir freuen uns über jeden Konkurrenten»

Das Model 3 von Tesla lag Ende April auf Platz 4 der Schweizer Verkaufshitparade. Europachef Jochen Rudat über lange Auslieferungszeiten und den Durchbruch der E-Mobilität.

Jochen Rudat, mit 1866 immatrikulierten Model 3 liegt Tesla nach den ersten vier Monaten 2019 auf Platz 4 der Schweizer Auto-Verkaufs-Hitparade. Wie fühlt sich das an?
Ich bin natürlich sehr stolz auf das tolle Ergebnis. Als ich im Sommer 2009 als erster Mitarbeiter Tesla Schweiz gegründet habe – ohne Store, Service Center oder Kollegen –, war es, wie Elon Musk sagt, «als würde man Glas kauen». Knapp zehn Jahre später stellten wir im März das meistverkaufte Auto in der Schweiz und Ende April stehen wir kumuliert auf Platz 4 – das macht mich stolz auf unser Team und unsere Marke.

Ist das der endgültige Beweis für die E-Revolution bei der individuellen Mobilität?
Der Marktanteil von 4,2 Prozent im ersten Quartal 2019 beweist, dass die Schweizer ein starkes Interesse an Elektroautos haben. Diese Zahlen zeigen auch, dass es eigentlich keine Gegenargumente mehr gibt, nicht elektrisch zu fahren. Schon gar nicht in der Schweiz, die mit ihrer Topografie, dem fortschrittlichen Denken, dem Umweltbewusstsein der Menschen sowie der mittlerweile hervorragenden Ladeinfrastruktur perfekte Voraussetzungen für ein Elektrofahrzeug bietet.

So schön der Erfolg für Tesla und die E-Mobilität ist, er basiert primär auf dem Umstand, dass Tesla in Europa und der Schweiz erst Ende Februar begonnen hat, die Vorbestellungen abzuarbeiten.
Natürlich arbeiten wir aktuell Vorbestellungen ab, erhalten im gleichen Moment aber auch zahlreiche neue Bestellungen. Den Gesamterfolg des Model 3 anhand von zwei Monaten zu bewerten, macht ohnehin wenig Sinn. Ein Blick auf die ersten vier Monate 2019 zeigt aber, dass Tesla in der Schweiz 2135 Autos ausgeliefert hat. Das ist ein Plus von über 384 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Und mit welchen Zahlen rechnen sie bis Ende Jahr?
Das Potenzial für das Model 3 im Schweizer Markt ist sehr gross, und wir haben bereits nach dem ersten Quartal mehr Fahrzeuge auf Schweizer Strassen gebracht als im gesamten Vorjahr. Also blicken wir dem Rest des Jahres zuversichtlich entgegen.

Früher sorgten die Wartefristen für lange Gesichter bei Tesla-Interessenten. Wie lange dauert es, wenn ich heute ein Model 3 auf dem Internet konfiguriere?
Der jeweils Auslieferungszeitraum für alle unsere Modelle ist direkt im Online-Konfigurator einsehbar. Wenn Sie heute Online bestellen, können sie das Auto im Juni fahren.

Trotz allen Erfolgen: Das Versprechen des 35’000-Dollar-Model 3 hat Tesla noch nicht eingelöst.
In Europa noch nicht, in den USA war die Standard-Variante allerdings schon einige Zeit verfügbar. Allerdings hat sich dort gezeigt, dass die Kunden mit überwiegender Mehrheit auf die Variante Standard Reichweite Plus für knapp unter 40’000 Dollar gesetzt haben, die eine signifikant grössere Reichweite bietet. Die 35’000-Dollar-Variante ist daher in den USA nur noch «off-menu» bestellbar. In Europa wird nun aktuell ebenfalls die Variante Standard Reichweite Plus angeboten – als unsere hiesige Einstiegsvariante. Sie ist ab 48’200 Franken verfügbar. Da die US-Preise stets vor Steuern angegeben werden, sind wir hier ganz nah dran am ursprünglich vermuteten Einstiegspreis für Europa.

Tesla Model 3

Mit dem Model Y will Tesla ab Herbst 2020 in das Boom-Segment der kompakten Crossover und SUVs vorstossen. Hat Tesla die nötigen Produktionskapazitäten für diesen Angriff?
Wir können davon ausgehen, dass bei der Kalkulation der Markteinführungen für das Model Y sämtliche Parameter berücksichtigt wurden. Ich persönlich sähe das Auto natürlich lieber schon heute als morgen bei uns im Portfolio. Das Potenzial für das Model Y wird unserer Ansicht nach das des Model 3 noch einmal deutlich übertreffen.

Also gibt’s keine Verspätungen wie beim Model 3?
Das Model Y wird auf Basis des Model 3 aufgebaut und bedient sich daher auch eines Grossteils der gleichen Teile. Wir werden massiv von den Erfahrungen rund um Model 3 profitieren. Von daher sehe ich der Produktion und auch Auslieferung des Model Y positiv entgegen.

Und was waren die Probleme beim Model 3?
Wir hatten Probleme mit der Transformation vom Nischenanbieter zum Automobilproduzenten für den Massenmarkt. Vor allem der Ausbau und die Inbetriebnahme der produktionsbezogenen Infrastruktur haben Tesla an die Grenzen gebracht.

Apropos Verspätungen: Was halten sie von den vielen Ankündigungen einer Elektro-Offensive der europäischen Autobauer?
Wir freuen uns über jedes rein-elektrische Modell auf dem Markt. Teslas Mission ist, den Wandel der Welt zu nachhaltiger Mobilität zu beschleunigen. Dies beinhaltet, auch andere zum Mitmachen und Umdenken zu bewegen. Was sich aktuell im Automobilmarkt in Sachen Elektromobilität und alternative Antriebe tut, ist für uns ein tolles Signal. Wir sind nicht alleine auf einer Mission, sondern haben mittlerweile zahlreiche Mitstreiter.

Kürzlich hat Tesla in Dietikon eine Supercharger-Station mit Lounge eröffnet. Wie wichtig ist das?
Sehr wichtig. So bieten wir den Tesla-Fahrern die Möglichkeit, die – immer kürzer werdenden –, Ladezeiten noch besser zu nutzen. Und für Familien könnte die Station dank Kinderecke, Playstation, Tischtennistisch, und vielem mehr in Zukunft sogar zum Ausflugsziel werden.

Können auch Fahrzeuge anderer Hersteller am neuen Tesla Supercharger geladen werden?  
Nein, nur Tesla.

Jochen Rudat ist Director Central Europe (DACH-Region) bei Tesla.
Vor knapp zehn Jahren gründete er Tesla in der Schweiz und verkaufte dort die ersten Roadster.