Energie Schweiz

«Effizienz ist nicht nur Umweltschutz»

Der Schweizer Abenteurer und Psychiater Bertrand Piccard ist einer der flammendsten Befürworter von E-Mobilität. Wir stellten ihm ein paar Fragen. 

Bertrand Piccard, Sie sind Markenbotschafter für die E-Modelle von Hyundai. Also eine Minderheit. Denn auch nach zehn Monaten des Jahres 2018 beträgt der Marktanteil der «Alternativen Antriebe» in der Schweiz nur 6,8 Prozent – warum?
Das Problem ist nicht die Technologie, sondern unsere Einstellung. Die Leute fahren die Autos, an die sie sich gewohnt sind. Das liegt in der Natur des Menschen. Daneben gab es aber immer schon Pioniere, die neue Wege beschreiten.

Zum Beispiel?
Hyundai gehört dazu, weshalb die Marke auch den Innovationspreis 2019 des VCS, Verkehrs-Club der Schweiz, gewonnen hat. Der Nexo mit seiner Wasserstoffbrennzelle etwa ist kein Konzeptauto. Man kann ihn kaufen und er funktioniert. Ich selbst fahre einen Hyundai Ioniq – hundert Prozent elektrisch, hundert Prozent begeistert.

Was gefällt Ihnen am elektrischen Fahren besonders?
Die Stille. Der Antrieb. Man braucht kein Benzin, man verursacht lokal keine Verschmutzung. Und wenn man bremst, gewinnt man Energie. Effizienter geht’s nicht. Elektrisch zu fahren ist so logisch wie ökologisch.

Und warum tun wir uns mit Neuerungen so schwer?
In der Erziehung, ja sogar an Universitäten, wird uns gelehrt, dass wir nur das glauben sollen, was wissenschaftlich bewiesen ist. Zweifel und Fragen sind unerwünscht. Das Unbekannte macht uns Angst. Doch was wir brauchen sind Forscher und Abenteurer, keine Roboter.

Sagt der Abenteurer Bertrand Piccard...
... ja, aber das hat nichts mit meiner Person zu tun. Wir müssen uns herausfordern und unsere Kreativität stimulieren. Nur so kommen wir weiter. Gehen Sie mal ins Silicon Valley; dort fährt jeder elektrisch. Das ist kein Zufall.

Sie propagieren mit Nachdruck, dass Effizienz profitabel sein muss.
Das ist sie auch. Effiziente Technologien sparen Geld, sie kreieren Jobs und ermöglichen ein gesundes Wachstum. Die Herausforderung besteht darin, veraltete Systeme mit effizienten zu ersetzen. Einige Firmen haben das verstanden, sie heissen das Neue willkommen. Aber viele Unternehmen denken noch immer, Effizienz habe allein mit Umweltschutz zu tun. Doch es geht auch um Wirtschaftlichkeit. 


Sie wirken euphorisch. Sind Sie nie frustriert, dass sich der Wandel dahinzieht?
Doch. Aber Frust habe ich eher dann, wenn ich mir Lügen anhören muss. Wie letztes Jahr bei der Abstimmung zum neuen Energiegesetz, als die Gegner das Bild beschworen, dass den Leuten mitten im Fussballspiel der Strom ausgehen wird oder wir nur noch kaltes Wasser haben. Das ist Unsinn, der mich wütend macht. Und natürlich besorgt es mich, wie schnell die Auswirkungen des Klimawandels bereits heute spürbar sind.

Haben Sie Verständnis für Leute, die einfach nur ein tolles Auto wollen, mit dem es Spass macht zu fahren?
Ich könnte das verstehen, wenn es noch en vogue wäre. Doch das ist es nicht. Vor ein paar Jahren konnte man bewundernde Blicke ernten, wenn man zum Beispiel mit einem teuren Sportwagen grossen Lärm machte. Heute denkt jeder: «Der hat’s offenbar nötig.» Die Wahrnehmung hat sich komplett verändert.

Aber ganz ehrlich: Schön sind die E-Autos nicht.
Auch das hat sich verändert. Elektrische Autos und Hybride waren früher potthässlich, das sehe ich genau so. Aber heute werden wirklich schöne E-Autos produziert. Schauen Sie den Nexo an – der sieht doch toll aus!

Und Tesla?
Das erste sexy E-Auto. Tesla ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass echte Innovation von aussen kommen muss. Vor 15 Jahren wollte kein Hersteller in E-Mobilität investieren. Elon Musk hatte keine Ahnung von Autos, aber er hatte Geld und eine Vision. Als Aussenseiter hat er Tesla auf den Markt gebracht. Er hat auch Space X entwickelt, ohne die Nasa. Es ist oft so: Die Aussenseiter müssen den Experten einen Tritt in den Hintern geben, dann wacht die Industrie auf und folgt. Die Autoindustrie ist aufgewacht. Aber nur, weil sie von Tesla provoziert wurde.