Energie Schweiz

Interview mit Marco Parroni im Hinblick auf die Auto Zürich

Vom 8. bis zum 11. November 2018 findet in Oerlikon die diesjährige Auto Zürich statt. Marco Parroni, Projektleiter der Formel E und Marketingleiter der Bank Julius Bär, wird die diesjährige Ausgabe der grössten Deutschschweizer-Automobil-Messe als neues Mitglied des Verwaltungsrats mitgestalten. Der Automobil-Experte soll frischen Wind nach Zürich bringen.

Herr Parroni, Sie sind seit 25 Jahren in der Automobilbranche tätig. Wie hat sich diese seither verändert? Welchen neuen Herausforderungen muss sie sich stellen?

Ich bin seit 5 Jahren nicht mehr direkt in der Automobilbranche, sondern im Finanzsektor bei der Bank Julius Bär tätig. Durch die Partnerschaft der ersten Stunde der Bank Julius Bär mit der Formel-E habe ich jedoch weiterhin einen sehr engen Kontakt zu den Automobilherstellern. Einst war ich in vielen Bereichen der Automobilbranche tätig. So führte ich für rund 10 Jahre ein eigenes, selbständiges Unternehmen, einen Händlerbetrieb. Danach arbeitete ich fünf Jahre bei Fiat Chrysler als Sales Direktor, bevor ich dann drei Jahre bei Ferrari für zwei Länder zuständig war. Die grösste Herausforderung, die momentan auf uns zukommt, ist der Wandel der Automobilbranche in Richtung Elektromobilität. Diese wird alle Facetten des Automobilbusiness betreffen: vom Vertrieb über die Wahrnehmung bis hin zum Kauf vom einzelnen Kunden. So könnte der Kunde in Zukunft beispielsweise das Auto nicht mehr besitzen, sondern dann mieten, wenn er es wirklich braucht. Das Carsharing-Konzept und die allgemeine Sharing-Community werden künftig sicher an Bedeutung gewinnen.


Sie sind seit diesem Jahr im Verwaltungsrat bei der Auto Zürich. Die Messelandschaft hat sich in letzter Zeit radikal verändert – überall ist die Rede von stark sinkenden Besucherzahlen. Wie gehen Sie mit dieser Situation um, sodass die Auto Zürich nicht an Attraktivität verliert?

Vorn hinweg kann man sagen, dass es Messen weiterhin brauchen wird. Es ist der Ort, wo der Kunde sich das Produkt ansehen und fühlen kann. Die Messe soll jedoch neben dem klassischen Schema der Produkt-Präsentation auch neue Elemente einbauen, wo die Besucherinnen und Besucher in Form eines Events die Ausstellungsobjekte interaktiv miterleben können. Damit erreicht man auch eine breitere und jüngere Masse, die ein ganz anderes Verhältnis zur Mobilität hat, in der auch der ÖV und das Fahrrad stärker zum Tragen kommt. Und an dieser Stelle kommen meine Erfahrungen mit der Formel E ins Spiel, die wir auf der ganzen Welt aufgebaut haben. Schritt für Schritt können wir die neuen Mobilitätstrends, wie der Wandel im Motorsport, in die Auto Zürich einbauen. Mit dieser Technik holen wir viele Leute ab. Auch solche, die technologieaffin sind. Es wird auch immer wichtiger sein Unternehmen an Land zu ziehen – wie zum Beispiel die ABB –, die nicht nur direkt mit der Automobilbranche zu tun haben, sich aber über die stetig entwickelten Technologien in den Messebetrieb integrieren lassen.

Gibt es an der diesjährigen Ausgabe Neuerungen, worauf Sie sich speziell freuen?

Die Formel E wird dieses Jahr in die Auto Zürich integriert. So werden auch einige Fahrer der Formel E, wie zum Beispiel der Schweizer Sébastien Buemi vor Ort sein, um den Wandel im Motorsport von der emotionalen Ebene aufzuzeigen. Ich freue mich, dass die Veränderungen der Mobilität in diesem Jahr über den E-Sport und somit über einen emotionalen Zugang aufgezeigt werden.

Wie muss sich die Auto Zürich in Zukunft weiterentwickeln, und wo müssen neue Schwerpunkte gesetzt werden?

Die Auto Zürich hat sich klar als zweitgrösste Automobilmesse der Schweiz etablieren können und dieser Dank geht ganz klar an Karl Bieri, der die Marke «Auto Zürich» stark aufgebaut hat. Wir müssen uns selbstverständlich weiterentwickeln damit wir so stark bleiben, wie wir bisher waren. Ich glaube, dass man in den nächsten Jahren vom Wort «Auto» wegkommen und man zunehmend vom Begriff «Mobilität» sprechen wird. So werden auch elektrisch betriebene Trottinettes und Bikes im Sharing-Konzept stark wachsen. Da stehen wir noch vor grossen Herausforderungen.

Vorhin haben wir die sich ändernden Zeiten in der Automobilbrache angesprochen. Alternative Antriebe sind im Vormarsch. Wie bildet diese die Auto Zürich ab?

Die CO2-Thematik hat – unter anderem auch mit dem Dieselskandal – die gesamte Automobilindustrie gewissermassen dazu gezwungen, in den Elektrofahrzeug-Markt einzutreten. Was man momentan an der immer grösser werdenden Anzahl Modelle der Hersteller erkennen kann. Es gilt die Fahrzeuge in der Messe gut zu integrieren, da Kunden die ein Elektroauto kaufen, nicht zwingend ausschliesslich den umweltfreundlichen Antrieb im Fokus haben. Für viele spielt auch die Innenausstattung, der allgemeine Komfort und eine schnittige Aussenhülle eine wichtige Rolle.

Sehen Sie auch Potential in den Synthetischen Treibstoffen?

Es scheint mir so, als brodle der Technologie-Topf. Der Klimawandel, unter den Gesichtspunkten der CO2-Thematik und des Dieselskandals, machen die Entwicklungen dieser Technologien unumgänglich. Dadurch ist eine starke Dynamik entstanden, welche Technologien für eine umweltfreundlichere Mobilität vorantreiben. Da sich jedoch momentan alles so schnell wandelt ist es schwer zu sagen, wo wir in fünf Jahren stehen werden.

Welchen Einfluss können die Formel E-Rennen in Bezug auf die Diskussionen rund um das Thema Mobilität haben?

Man spricht jetzt vor allem wegen dem E-Prix in Zürich darüber und weil es sich um eine grüne Stadt handelt. Dass der E-Prix 2019 nicht in Zürich, sondern in Bern stattfinden wird, stellt für uns keine Herausforderung dar, sondern einen Gewinn. Die Schweiz ist ein kleines Land und so ist es umso besser, wenn wir unter dem Namen Swiss-E-Prix in verschiedenen Städten der Schweiz auftreten können. Dies ist in der Formel E eine Ausnahme und lässt fortan die ganze Schweiz vom Event profitieren. Nun komme ich nochmals auf die Rolle von Zürich zu sprechen. Die Stadt hat uns vollumfänglich unterstützt und zusammen mit unserem erfahrenen Promotor für einen sehr gut organisierten Event gesorgt. Mit diesem Grossevent haben wir einen Meilenstein gesetzt, von dem Niemand gedacht hätte, dass wir dies mit der «Grünen Stadt Zürich» erreichen könnten. Ich hoffe es handelt sich um eine Wende aber diese müssen wir uns schweizweit als Ziel setzen.