Energie Schweiz

«Bei Hybriden müssen wir vorsichtig sein»

In Zusammenarbeit mit: AGVS Partnercontent

Technische Autoberufe haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Durch die Digitalisierung ist aus dem Automechaniker der Mechatroniker geworden, der auch den Laptop als Werkzeug nutzt. Weitere neue Herausforderungen bringen die Elektromotoren und Hybride in die Garage.

Roland Schneider arbeitet in der Bahnhofgarage Lüthi in Oberdiessbach und erlebt diese Entwicklungen in seinem Berufsalltag mit. Er hat eine Hochvolt-Ausbildung bei Peugeot absolviert, ist Automobildiagnostiker, Lehrlingsausbilder und Prüfungsexperte bei Lehrabschlussprüfungen.

Roland, was hat Dein Beruf heute noch mit dem einstigen «Mech» und «Schrauber» zu tun? 
Mehr als die Leute vielleicht glauben, denn es werden ja auch weiterhin mechanische Reparaturen durchgeführt. Nur in kleinerem Umfang als früher. Heutzutage werden defekte Teile meistens ausgetauscht, da der Ersatz für den Kunden billiger kommt als die Reparatur. Sehr viele Funktionen in den heutigen Fahrzeugen basieren auf elektronischen Bauteilen, die man nicht reparieren kann.

Ganz ehrlich: Wann hattest Du zum letzten Mal schmutzige Hände beim Arbeiten?
Gestern, als ich an einem Auto die Bremsbeläge und Bremsscheiben ersetzt habe. In unserem kleinen Betrieb mit wenigen Mitarbeitern repariere ich täglich auch selbst Autos.

Roland Schneider

Früher waren Automechaniker meist Autofans, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben. Wie war das bei Dir?
Bei mir war es ähnlich, mich interessierte immer alles was mit einem Motor Lärm gemacht hat. Aber in erster Linie entschied ich mich damals für eine Lehre als Automechaniker, weil ich unbedingt wissen wollte, wie so ein Auto und ein Motor überhaupt funktionieren.

Dann kamen die Hybridfahrzeuge und Stromer. Was ist einfacher zu begreifen – die Funktionsweise eines Verbrennungs- oder eines Elektromotors?
Als Laie ist beides nicht ganz so einfach. Aber für mich persönlich ist der Grundsatz eines Elektromotors einfacher und vielleicht auch ein bisschen weniger kompliziert als der eines Verbrennungsmotors.

Warum hast Du Dich eigentlich entschieden, eine Hochvolt-Ausbildung zu absolvieren?
Das Angebot kam von Peugeot. Denn an den neuen Hybridmodellen dürfen nur Leute arbeiten, die speziell dafür geschult worden sind.

Wie steht es um das Interesse der Lehrlinge an den neuen Technologien?
Das Interesse ist sicher da, aber derzeit ist das noch nicht das ganz grosse Thema. Wenn die Marktanteile der alternativen Antriebe steigen, wird sich das in den kommenden Jahren bestimmt verändern. Derzeit beschäftigen sich die Lehrlinge im praktischen Bereich noch immer in erster Linie mit konventionellen Antrieben. Aber natürlich werden Hybride und Elektrofahrzeuge im Unterricht an den Berufsschulen thematisiert.

Und wie unterscheidet sich die Arbeit bei einem Verbrenner von der bei einem Plug-in-Hybrid?
In Bezug auf die Servicearbeiten besteht in unserem Fall noch kein grosser Unterschied. Schliesslich braucht es auch bei einem Plug-in-Hybrid oder einem normalen Hybrid immer noch einen Verbrennungsmotor. Und der muss nach wie vor gewartet werden, wie der Rest eines Fahrzeuges – also Filter, Fahrwerk und Bremsen. Da gibt es keinen Unterschied zu Autos mit einem konventionellen Antrieb.

Bei einem Hybridauto wird teils mit hoher elektrischer Spannung gearbeitet. Was verändert das?
Vor allem die Sicherheitsvorkehrungen: Die Hybridfahrzeuge werden in ihrem Werkstattbereich abgesperrt, damit niemand auf die Idee kommt, etwas zu berühren. Das sieht dann aus wie bei «C.S.I. Miami» am Tatort. Und das passt: Denn eine falsche Berührung könnte tödlich sein. Zudem werden die Spezialisten, die an diesen Fahrzeugen arbeiten, mit einer persönlichen Schutzausrüstung (z.B. zum Spannungsfreischalten) ausgestattet.  

Und welche Arbeit gefällt Dir besser?
Wie gesagt, ich bin wirklich ein Auto-Fan. Für mich gibt es keinen grossen Unterschied, ob ich an einem Hybrid arbeite oder einem Verbrenner. Alles was Räder und einen Motor hat, fasziniert mich.

Deine offizielle Berufsbezeichnung ist Automobildiagnostiker...
...ja, weil es meine Hauptaufgabe ist, entsprechende «Fehler» des Fahrzeuges oder der verbauten Systeme exakt und natürlich auch möglichst schnell zu finden.

Musst Du die Autos eigentlich noch fahren, um Probleme oder Schäden zu erkennen, oder macht das alles der Computer?
Ohne Computer geht in modernen Autos zwar nichts mehr. Trotzdem ist auch der Computer nur ein «Hilfsmittel». Er kann mir möglicherweise einen entsprechenden Hinweis geben, aber was ganz genau defekt ist, sagt der Computer in den meisten Fällen nicht. Dann muss man den Fehler selber suchen – und dazu gehören unter anderem auch Probefahrten.

Beim Elektro-Pionier Tesla werden allfällige Probleme grösstenteils übers Internet gelöst. Eine gute Idee?
Wenn wir nie mehr ein Problem mit der Internetverbindung haben, dann ja. Aber heute ist es meiner Meinung nach noch zu riskant. Denn wenn die Internetverbindung spukt, kann das Fahrzeug möglicherweise nicht repariert werden.

Früher konnten technisch veranlagte Autobesitzer noch selber an einem Auto schrauben. Hybridbesitzer sollten das heute wohl besser bleiben lassen, oder?
Wie gesagt: Am normalen Verbrennungsmotor muss trotzdem noch der Ölstand kontrolliert werden, oder sonstige Flüssigkeitsstände. Dies ist auch weiterhin kein Problem, ohne dass man dabei in die Nähe gefährlicher Teile oder Spannungen kommt. Aber vom Elektromotor und den Batterien sollte man die Finger lassen, das ist zu gefährlich.

Interessiert an einem Autoberuf?
Im Eignungstest des Garagistenverbandes AGVS oder bei einem Schnupperpraktikum in einer AGVS-Garage können Interessierte herausfinden, welcher technische Autoberuf der richtige für sie ist. Weitere Informationen gibt der AGVS.