Energie Schweiz

Energieeffizienz der Neuheiten ist heute ebenso wichtig, wie die Anzahl PS

Vom 8. bis 18. März ist Genf zum 88. Mal der Nabel der internationalen Automobilindustrie. Salon-Direktor André Hefti erklärt, weshalb die Geneva International Motor Show (GIMS) trotz neuen, «elektrisierten» Shows wie der CES Las Vegas noch immer das repräsentativste Schaufenster der weltweiten Autoindustrie ist.

André Hefti, in 10 Tagen beginnt der Genfer Autosalon. Aber ohne Google, Apple und Co. Auch Tesla ist nicht dabei. Ein Problem?
Nein, überhaupt nicht. Ich war in Las Vegas an der CES. Eine insgesamt faszinierende Show, aber keine Automesse. Die meisten Autohersteller zeigten nur Protoypen und Visionen. Viel wichtiger ist der aktuelle Austausch zwischen der Autoindustrie und dem Silicon Valley. Die Ingenieure im High-Tech-Mekka bauen autonome und vernetzte Autos. Doch das ersetzt noch keinen Autosalon.

Die technik-affinen jungen Menschen stehen heutzutage mehr auf Google & Co. als auf Blech und PS. Und der deutsche Auto-Papst Ferdinand Dudenhöffer behauptet, dass die zunehmende Digitalisierung künftig den Automessen das Leben schwermacht.
Die jährlich in etwa gleichbleibende Zahl von 700’000 Besuchern des Salon Genf beweist doch das Gegenteil. Noch immer reisen Leute – junge und ältere – aus allen Ecken der Schweiz an, um die neusten Modelle zu sehen. Zudem verschliessen wir uns in keiner Art und Weise vor den neuen Playern. Aber Tesla hat abgesagt, da sie zur Zeit wichtigere Probleme zu lösen haben und für die anderen macht eine Teilnahme derzeit keinen Sinn.

Wieso nicht? Google hat auch lange darüber nachgedacht, ein Auto zu bauen.
«Das stimmt. Aber Google hat weder das Wissen, um selber ein Auto zu bauen, noch ist es ein Ziel des Unternehmens. Aber es gibt inzwischen viele Autobauer, die mit Google, Microsoft oder Apple zusammenarbeiten. Das ist die Zukunft. Und die ist somit auch in Genf präsent.»

Viele der Neuheiten werden schon vor der Eröffnung online enthüllt. Wieso soll man trotzdem nach Genf fahren?
Weil das Auto noch immer Emotionen weckt, die kein HD- oder 5K-Bildschirm vermitteln kann. Aromatisch riechendes Leder, die Musik aus der Soundanlage, die Passform eines Sportsitzes oder die Haptik eines Lenkrads muss man mit all seinen Sinnen erfassen. Diese Emotionen können wir vermitteln, aber kein Computer, auch nicht Virtual Reality.

Es ist erstaunlich, dass sich ausgerechnet Genf bei den Besucherzahlen so gut hält. Denn im Gegensatz zu Deutschland oder Frankreich verfügen wir ja über keine Automobilindustrie.
Das stimmt natürlich nur teilweise, denn die Beliebtheit des Autos in der Schweiz hat auch wirtschaftliche Hintergründe: 220’000 Arbeitsplätze hängen direkt und indirekt mit der Autoindustrie zusammen. Wir sind zwar keine Hersteller-Nation, aber die Garagisten, Autoimporteure, Transporteure, Tankstellen und Versicherungen generieren jährlich einen Umsatz von 90 Milliarden Franken. Kein Wunder, ist die Schweiz auch ohne eigene Marke eine Auto-Nation: Mehr als 4,5 Millionen Personenwagen sind registriert.

Genf steht traditionsgemäss für Sportwagen und schräge Studien. Wie wichtig sind aber neue, ressourcenschonende Technologien oder zeitgemässe Partnerschaften wie jene mit co2tieferlegen?
Sehr wichtig. Sie zeigen, dass sich die Industrie ihrer Verantwortung trotz den Skandalen der vergangenen Jahre bewusst ist. Wir wiederum beweisen mit der erfolgreichen Partnerschaft mit co2tieferlegen, dass wir die Umweltziele unterstützen. Und das funktioniert: Vor drei Jahren musste man Autos mit einem CO2-Ausstoss von maximal 95 Gramm pro Kilometer am Salon richtiggehend suchen. Heute findet man solche Fahrzeuge fast an jedem Stand. Die Energieeffizienz der Neuheiten ist heute mindestens ebenso wichtig wie die Anzahl PS oder die Werte beim Stammtisch-Spurt von Null auf Tempo 100. Ganz klar: Die Zeiten ändern sich.

Müssten Sie als Salon-Direktor nicht mit gutem Beispiel vorangehen und eine CO2-Obergrenze für Aussteller setzen, also auf riesige Offroader, Supersportwagen und Rennautos verzichten?
Das wäre etwas vom Dümmsten, was wir tun könnten. Denn diese Fahrzeuge sind Publikumsmagnete. Und genau hier am Auto-Salon können wir dem Publikum mit Attraktionen wie der App Salon Car Colllector die sparsamen Autos und neue Technologien näherbringen. Zudem sollte man nie vergessen, dass die meisten technischen Innovationen aus Kostengründen zuerst in der Oberklasse getestet werden. Oder im Rennsport. Also gilt auch hier: Mit cleverem Teamwork kommt man am weitesten.

Und welche Tipps haben Sie für die Anreise parat?
Dem Gros der Bevölkerung empfehlen wir, mit dem ÖV und SBB-Kombitickets nach Genf zu reisen. Der Bahnhof ist ebenfalls in 300 Meter Distanz zu erreichen. So umgehen die Besucher die Staus auf der Autobahn. Zudem nutzen immer mehr Salonbesucher die Gelegenheit und kaufen ab 16 Uhr ein Eintrittsbillett zum halben Preis. So freut sich nicht nur das Portemonnaie, sondern unter der Woche hat man erst noch kein Gedränge, geniesst freie Sicht auf die Publikumslieblinge und hat Zeit für ein Erinnerungs-Selfie mit seinem Traumauto.