Energie Schweiz

Entschleunigung mit Wasserstoff

Mit dem neuen Nexo will Hyundai die Brennstoffzelle zum Erfolg führen – Eindrücke einer ersten Testfahrt in den USA.

Die elektrische Revolution ist in vollem Gange. Angestachelt von Elon Musk treibt die ganze Autowelt den Strom-Antrieb voran. Ein paar Hersteller setzen nicht allein auf Lithium-Ionen-Zellen und halten deshalb eine Idee am Leben, die seit bald einem halben Jahrhundert virulent ist: Die Brennstoffzelle.

Nachdem Toyota und Honda mit Mirai und Clarity bereits zwei designierte Brennstoffzellen-Autos auf der Strasse haben, zündet im Spätsommer auch Hyundai die nächste Stufe in seinem Produktplan. Sie lassen dem in Kleinserie umgerüsteten iX35 den um die Brennstoffzelle herum gebauten Nexo folgen. Der Schweizer Importeur rechnet mit dem gleichen Preis wie für den iX35 – also um die 67’000 Franken. «Aber bei einer viel besseren Ausrüstung und modernster Technik», so Nicholas Blattner, PR-Direktor von Hyundai Suisse.

Für dieses Geld gibt es einen SUV oder Crossover, der mit seinen 4,67 Metern etwa das Format des Santa Fe hat. Mit seiner eigenwilligen von LED-Streben durchzogenen Front, dem aerodynamisch optimierten Kaskaden-Grill und den versenkbaren Türgriffen sieht der Nexo aber gehörig nach Zukunft aus. Auch innen geht es moderner zu als in jedem anderen Hyundai. Viele Schalter zusammen mit dem komplett digitalen Cockpit und der Projektion der elektronischen Rückspiegel ins Sichtfeld des Fahrers, fühlt man sich am Steuer des Nexo ein bisschen wie Captain Kirk an Bord des Raumschiffs Enterprise.

Das gilt auch fürs Fahren. Denn von der «kalten Verbrennung» des Wasserstoffs, bekommt man nichts mit. Wie jedes Elektroauto surrt der Hyundai flüsterleise und flott von dannen. Angetrieben von einem E-Motor mit 163 PS und 395 Nm geht der gut zwei Tonnen schwere Wagen in 9,2 Sekunden vom 0 auf 100 und schwimmt auf der Schweizer Autobahn souverän im Verkehr mit. Nicht umsonst drehen ihm die Koreaner erst bei 179 km/h den Saft ab. Wenn die drei Karbontanks unter dem Kofferraum und dem Rücksitz nach etwa 600 Kilometern dann tatsächlich leer sind, kann den Nexo in fünf Minuten wieder volltanken - vorausgesetzt man hätte eine Tankstelle in der Nähe. In der Schweiz gibt es aktuell zwei Wasserstoff-Tankstellen. Aber weitere sollen bald folgen ((Verlinkung zu Bericht co2tieferlegen)). Die grösste Herausforderung für den verbreiteten Einsatz von Brennstoffzellenfahrzeugen stellen die heute sehr hohen Kosten dar, sowohl für Fahrzeuge, als auch für die Infrastruktur. Zudem ist die Herstellung von Wasserstoff mit Hilfe von Strom aus Wasser sehr energieintensiv.

Aber die Koreaner wollen nicht nur mit dem sauberen Antrieb punkten, sondern mit dem Nexo neben dem emissionsfreien Antrieb auch ein weiteres Zukunftsfeld besetzen: Das autonome Fahren. Schon das Serienauto kann deshalb unbemannt ein- und ausparken. Zudem hält es auf der Autobahn die Spur und den Abstand.  Als Fahrer legt man die Hände lässig auf’s Lenkrad und lehnt sich entspannt zurück.