Energie Schweiz

Zürich als Metropole der Elektromobilität

Am Sonntag, 10. Juni startete in Zürich das zehnte Rennen der diesjährigen Formel E Meisterschaft. Weit über 100'000 Fans strömten an diesem heissen Sommertag zum ersten Rundstreckenrennen in der Schweiz seit 1954.

Seit dem Unfall beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans im Jahre 1955, bei welchem 86 Menschen starben, wurde schweizweit ein Verbot von Rundstreckenrennen ausgesprochen. Am letzten Sonntag fand seither erstmals wieder ein Rundkurs statt. Wer sich einen guten Platz ergattern wollte, musste sich früh vor Ort einfinden. So strömten die ersten Zuschauer bereits am Vormittag zu den Banden am Strassenrand und verfolgten das Training und Qualifying der Rennfahrer durch die Zürcher Innenstadt. Ab 15 Uhr vermeldete die Polizei via Twitter die Nachricht, dass die Zuschauersektoren aufgrund des enormen Andrangs voll belegt und deshalb gesperrt seien. Wer also erst gegen Nachmittag vor Ort war, musste mit langen Wartezeiten rechnen.

Rennstrecke Julius Bär Zürich E-Prix 2018

Punkt 18.04 Uhr starteten die Elektro-Boliden, die 39 Runden um das Zürcher Seebecken und die Innenstadt absolvierten. Das gewohnte, laute Motoren-Gedröhne, weichte futuristisch, heulenden Akku-Geräuschen.  
Wo in der Fomel 1 die Autos durch den Spritverlust leichter werden und Räder gewechselt werden, geht bei der Formel-e die Akkuleistung zu Ende. Daher müssen die Fahrer rund in der Hälfte des Rennens das Fahrzeug wechseln. Um die Leistung möglichst lange halten und dies für taktische Überholmanöver nutzen zu können, wird vor den Kurven die Bremsleistung optimiert. In der zweiten Hälfte des Rennens gibt es zudem einen Fan-Boost, der den 3 Fahrern zur Verfügung steht, welche am meisten Stimmen bekommen haben. So kann im letzten Drittel nochmals Gas, sprich «Boost» gegeben werden.
Der Brasilianer Lucas di Grassi – amtierender Formel-E-Weltmeister – konnte das Rennen schlussendlich für sich entscheiden, der Schweizer Sébastien Buemi wurde Fünfter. Mehr zum Rennen erfahren Sie hier.

Der Grundgedanke einer vollelektrischen Strassenweltmeisterschaft für Einsitzer entstand 2012. Der FIA-Präsident (Fédération Internationale de l’Automobile) Jean Todt brachte das Konzept zum Leben, um das Potential der nachhaltigen Mobilität in den Vordergrund zu rücken. Alejandro Agag, CEO und Gründer der Formel E schuf dann eine internationale Entertainment-Marke mit dem Fokus auf Motorsport. Seit dem ersten Rennen in Peking 2014 zieht die Formel E immer mehr renommierte Hersteller, Teams und Fahrer an. So kann die Formel E in der vierten Saison bereits ein sehr gutes Fahrer-Lineup aufweisen und führt die Rennen auf normalen Strassen in den Innenstädten von Weltmetropolen wie Rom, Paris, Berlin, Sao Paolo oder Hong Kong durch.

Kann das Rennen als Ausgangspunkt für ein neues Zeitalter der Automobilität oder als Durchbruch des Elektroantriebs in der Schweiz gesehen werden? Gemäss einer alten Redensart ist der Motorsport die Plattform für Ingenieure, um Technologien in Serie unter Extrembelastungen zu testen.

Ob die Formel E «im Zeitalter der alternativen Antriebssysteme» als Entwicklungs-sprungbrett der Elektromobilität angesehen werden kann, kann nur schwer beantwortet werden. Mit E-Motorsport Emotionen zu wecken und die Menschen näher an die Elektromobilität zu bringen, könnte allerdings durchaus funktionieren.