Energie Schweiz

Viele Vorteile aber noch wenig Präsenz

Was hat die Berner Mundart-Combo Patent Ochsner mit dem Erdgasantrieb gemeinsam? Auf den ersten Blick gar nichts, auf den zweiten eine Songzeile.

«Und ha gseh, wie sech d’ Wäut wacker dräit...nume nid um mi», singt Büne Huber im Patnet-Ochsner-Klassiker «Scharlachrot». Könnten Erdgasautos fühlen, würden sie sich wohl sofort in dieser Songzeile wiederfinden. Denn der Erdgasantrieb fristet ein Mauerblümchendasein. Im vergangenen Jahr haben sich gerade mal 760 Schweizerinnen und Schweizer dafür entschiedenen, ein Erdgasauto (CNG – Compressed Natural Gas) zu kaufen. Das entsprach Ende Jahr einem kumulierten Marktanteil von 0,2 Prozent.

Erstaunlich. Denn die bewährte CNG-Technik jede Menge zur Verbesserung der CO2-Bilanz beitragen. Erdgas gehört wie Benzin und Diesel zu den fossilen Brennstoffen. Erdgas, also Methan lässt sich aber auch synthetisch – regenerativ aus Biomasse – herstellen. So sinkt die CO2-Belastung massiv.

Kein Wunder also, dass die im November aktualisierte Umweltliste des VCS gleich vier Gasfahrzeuge mit dem Maximum von fünf Sternen auszeichnete – nämlich den Audi A4, den Audi A5, den Opel Astra und den VW Polo. «Erdgasfahrzeuge emittieren im Vergleich zu Benzin- oder Dieselautos weniger CO2», bestätigen die VCS-Experten. «Dem Erdgas wird in der Schweiz rund 20 Prozent Biogas beigesetzt, welches CO2-neutral ist.»

Fakten zum Erdgasantrieb

  • Erdgasautos werden in zwei Bauweisen hergestellt: monovalent oder bivalent – also mit reinem CNG-Antrieb oder mit zusätzlichem Benzinbetrieb. Wobei heute fast alle Neufahrzeuge bivalent angeboten werden. Theoretisch kann jedes Fahrzeug auch nachträglich umgerüstet werden.

  • Die Einfüllöffnung für Benzin befindet sich neben dem Anschluss für das Betanken mit Gas.

  • Geht das Gas aus, stellt der Wagen automatisch auf konventionellen Antrieb um.

  • Erdgasautos können heute je nach Leistung und Fahrzeug im CNG-Betrieb Reichweiten von 400 bis 600 Kilometer erzielen. Es gibt bivalente Modelle, mit denen man insgesamt bereits über 1200 Kilometer Reichweite verfügt.

  • Keine Angst vor dem Gas, denn im Prinzip wird für den Motor des Erdgasfahrzeugs das gleiche ungiftige Gas verwendet, das wir vom Kochen kennen. Allerdings wird das Erdgas auf aus Platzgründen auf etwa 200 bar verdichtet – darum heisst es Compressed Natural Gas.

  • In der Schweiz gibt es bereits über 140 Erdgastankstellen.


Und so funktioniert der CNG-Antrieb

Der Erdgas-Antrieb funktioniert eigentlich wie ein Benzinmotor, nur muss das verdichtete Gas in die Zylinder transportiert werden. Dort mischt es sich mit Luft und verbrennt im Zylinder wie auch das Benzin-Luft-Gemisch in herkömmlichen Fahrzeugen – nur eben als Gas-Luft-Gemisch. Die neuesten Generationen von Motoren kann auch über Turbolader oder Kompressoren verfügen.

Gute Gründe also, den CNG-Antrieb trotz dem Elektro-Hype nicht aus den Augen zu verlieren. «Wir fragen uns schon lange, wann dieser umweltfreundliche Antrieb endlich auch zulegen wird», bestätigt Andreas Burgener, Direktor von auto-schweiz.

Der Erdgasantrieb steht parat um Abzuheben. Oder mit den Worten von Büne Huber («Bälpmoos»): «Spick mi furt vo hie...mir isch glych wenn und wie.»