Energie Schweiz

Erdgas-Offensive bei VW

Der Volkswagen Konzern und seine Marken setzen – parallel zur fortschreitenden Elektrifizierung der Flotte – weiterhin auch auf CNG (Compressed Natural Gas).

Denn so lange sich die Automobilindustrie um die Senkung des CO2-Ausstosses bemüht, so lange spricht sie auch über die Umrüstung ihrer Benziner auf den Betrieb mit Erdgas. Doch obwohl die Technik tadellos funktioniert, nachweislich gut für die Umwelt ist und obendrein noch das Portemonnaie der Kunden entlastet, sind die Anstrengungen bislang noch nicht wirklich belohnt worden. In der Schweiz ist in den ersten sechs Monaten ein Minus von 13.9 Prozent zu verzeichnen gegenüber dem Vorjahr.

Der VW Konzern bietet aktuell die mit Abstand grösste Auswahl an CNG-Fahrzeugen aller Hersteller an. Dass CNG auch in Zukunft eine wichtige Rolle für den Konzern spielen wird, hat Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, Mitte Mai 2019 auf der Jahreshauptversammlung angekündigt: «Beim Gasantrieb sind wir Weltmarktführer und besser aufgestellt als der Wettbewerb. Auch diese Technologie werden wir weiter ausbauen und verbessern.»

Aktuell bietet der Volkswagen Konzern insgesamt 17 Modelle in verschiedenen Fahrzeugsegmenten an. In Kürze kommen mit dem Škoda Scala und dem Skoda Kamiq zwei weitere Modelle hinzu. Das Angebot reicht vom Kleinwagensegment über die Kompaktklasse bei Volkswagen, Audi, Seat und Škoda bis zu Audi Premiumfahrzeugen im Business-Segment und zu leichten Nutzfahrzeugen. Dank des stetig wachsenden CNG-Modellangebots haben sich die Verkaufszahlen im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt.

Bei den neuen CNG-Modellen wie zum Beispiel dem Polo TGI (66 kW/90 PS) und Golf TGI (96 kW/130 PS) wurde der Benzintank deutlich verkleinert, eine zusätzliche CNG-Flasche in die Fahrzeuge eingebaut und damit ein quasi monovalenter CNG-Antrieb entwickelt. Damit kommt Volkswagen dem Wunsch vieler Kunden nach einer grösseren Reichweite im Erdgasbetrieb entgegen. Ein Konzept, das der reichweitenstarke Caddy von Volkswagen Nutzfahrzeuge schon länger vorlebt.

Der VW Golf TGI und Golf Variant TGI (96 kW/130 PS) erhielten zusätzlich einen für den CNG-Einsatz optimierten Motor mit besonders niedrigem Verbrauch, höherer Leistung und verbessertem Durchzugsverhalten schon bei niedrigen Drehzahlen. Wie sparsam, sauber und gleichzeitig attraktiv CNG-Modelle sein können, hat der Polo TGI im jüngsten ADAC Ecotest bewiesen: Er war eines von sieben Modellen mit der Höchstwertung von fünf Sternen und das einzige Fahrzeug mit Verbrennungsmotor in dieser Gruppe. Das Ergebnis von 95 Punkten war das beste im Jahr 2019 bisher erzielte Resultat.

Die Argumente für Erdgas sind eigentlich schon seit Jahren bekannt und haben an ihrer Eindeutigkeit in nichts eingebüsst. CNG hat gegenüber einem vergleichbaren Benziner einen CO2-Vorteil von rund 25 Prozent und lässt sich anders als Benzin oder Diesel vergleichsweise leicht aus Biomüll oder regenerativen Rohstoffen herstellen. Weil sieben grosse Heuballen genug Biogas für den Betrieb eines VW Golf TGI ergeben, liegt der CO2-freie Anteil am Gesamtverbrauch der Pkw-Flotte bereits bei 20 Prozent.

Dass der Erdgas-Antrieb trotzdem nie so richtig gezündet hat, liegt zwar auch am unbegründeten Vorbehalt in Sachen Sicherheit. Denn obwohl daheim viele mit Gas heizen, kochen oder grillen, haben sie im Auto davor offenbar Respekt. Und dass bislang zumeist nur kleine, eher schwache Motoren mit bescheidenen Fahrleistungen angeboten wurden, hat den Erfolg sicher auch nicht beflügelt. Ebenso die Tatsache, dass die Infrastruktur nach wie vor nicht auf dem Niveau von Benzin und Diesel ist. Die 150 Gastankstellen in der Schweiz garantieren nichtsdestotrotz bereits heute eine gute Abdeckung.

Und Angst, dass die CNG-Technologie bald von den so lautstark avisierten Elektroautos verdrängt wird, muss offenbar keiner haben. Entsprechende Zweifel hat VW-Chef Herbert Diess gerade erst wieder zerstreut: «Selbst wenn es uns gelingen sollte, mittelfristig 50 Prozent Elektrofahrzeuge zu verkaufen, sind immer noch viele Verbrenner übrig, denen die CNG-Technik zu weniger CO2 verhelfen kann.»

Weitere Informationen zur CNG-Mobilität finden Sie unter: https://www.cng-mobility.ch/