Energie Schweiz

Stau auf der Electric Avenue

Stau? Das ist wohl ein wenig übertrieben. Aber nach jahrelangem PR-Geplänkel und vollmundigen Ankündigungen machen die Automobilhersteller ernst und rollen 2020 jede Menge neue Elektroautos an den Start. Eine unvollständige Aufzählung.

Als wichtiges Element zur Erreichung der CO2-Ziele setzt die Autoindustrie in diesem Jahr auf Elektrofahrzeuge und baut das Angebot konsequent aus. Egal ob Kleinbus oder Stadtmini – 2020 werden fast alle Segmente unter Strom gesetzt. So umschreibt beispielsweise Volkswagen den ID.3 bereits als «Golf der Generation E», bevor die ersten Autos der Baureihe im Sommer ausgeliefert werden. Diese «First Edition» verfügt über einen 150 kW (204 PS) starken Elektromotor und hat eine Reichweite von rund 420 Kilometern. Die Einstiegsvariante des ID.3 soll später mit 330 Kilometern Reichweite an den Start gehen. Bei Audi geht es zunächst im SUV-Segment weiter. Neben dem e-tron Sportback, den man bereits bestellen kann, soll 2020 auch der Q4 e-tron Premiere feiern.

Im PSA-Konzern (Peugeot, Citroën, Opel, DS) kann man bei den Kleinwagen zwischen dem elektrifizierten Opel Corsa und dem Peugeot e-208 wählen. Beide bieten eine gehobene Grundausstattung und mehr als 300 Kilometer Reichweite. Beide Modelle kann man bereits bestellen, ausliefern will der französische Konzern die ersten Fahrzeuge im Laufe des Frühjahrs.

Wer dem SUV-Segment treu bleiben möchte, aber nicht bei Premiumherstellern bestellen kann, für den bietet Peugeot den Kompakt-SUV 2008 auch als E-Variante an. Auf der gleichen PSA-Plattform steht der DS3 Crossback E-Tense. Ebenfalls im selben Segment rangiert der elektrische MX-30 von Mazda, den es von Herbst an geben soll. Jedoch bietet der Kompakt-SUV nur etwa 200 Kilometer Reichweite.

Bei Mercedes gibt es zwei neue E-Modelle – einmal mit sehr viel Platz (EQV) und einmal im Kompaktsegment (EQA). Die elektrische V-Klasse ist bis zu 5,37 Meter lang und schafft mit einer Akkuladung bis zu 405 Kilometer. Wer es etwas kleiner möchte, für den bringen die Stuttgarter in diesem Jahr auch eine Stromvariante der A-Klasse auf den Markt. Der EQA ist dabei eher ein elektrischer GLA, also ein kompakter SUV. Genauere Infos zu dem Modell gibt es noch nicht.

Mit dem Polestar 2 könnte Volvo dem Model 3 von Tesla im Mittelklasse-Segment Kunden abjagen. Ab Frühsommer soll das erste rein elektrische Modell der Volvo-Tochter ausgeliefert werden. Später soll dann auch noch eine günstigere Variante folgen. In der vorerst erhältlichen "Launch Edition" versprechen die Schweden etwa 500 Kilometer Reichweite.

BMW bringt als nächsten Stromer den ix3 zu den Händlern – eine elektrische Variante des SUV X3. Genaue Leistungsdaten und Preise gibt es für den Stromer noch nicht, der äusserlich kaum von seinem Verbrenner-Pendant zu unterscheiden ist. Ebenfalls aus dem BMW-Konzern kommt der Mini Cooper SE, von dem im Frühjahr die ersten Autos an die Kunden gehen sollen. Mit 184 PS und einem 33-kWh-Akku bietet der Mini aber weniger Reichweite (270 Kilometer) als die E-Kleinwagen von Peugeot, Opel oder Renault.

«Ab Ende 2020» heisst es bei Ford zur voraussichtlichen Verfügbarkeit des ersten vollelektrischen Modells Mach-E. Auf der Motorhaube des E-SUV prangt das Mustang-Logo, dementsprechend wirbt der Hersteller vor allem mit der Sportlichkeit des Stromers. Man bekommt eine 75-kWh-Batterie mit einer Reichweite von bis zu 450 Kilometern. Dazu soll es auch eine Variante mit grösserem Akku geben, mit der man bis zu 600 Kilometer weit kommt.

Anders als die E-Modelle vieler Hersteller hat Honda seinem ersten Stromer ein markantes, eigenes Design verpasst. Runde Scheinwerfer und eine glatte Karosserie prägen den Honda e, Kameras ersetzen die Aussenspiegel. Auch innen ist der Viertürer auf Retro getrimmt. Die Reichweite liegt bei 220 Kilometer.

Wie schnell sich die E-Mobilität durchsetzen wird, hängt auch von den Stromern im Einstiegssegment ab. Unter den VW-Marken können Kunden in diesem Jahr zwischen drei Modellen wählen, die sich unter dem Blech gleichen, jedoch in Design und Ausstattung leicht unterschiedlich sind: der VW e-Up, der Seat Mii electric und der Skoda Citigo e iV. Alle kommen auf bis zu 260 Kilometer Reichweite. Konkurrenz kommt von Renault: Eine E-Variante des Twingo war zunächst für 2022 geplant, doch zuletzt hiess es, dass der E-Twingo schon in diesem Jahr kommen soll und seine Weltpremiere im März an der Geneva International Motor Show feiert. Dort werden ohnehin weitere neue Stromer enthüllt – unter anderen der von A bis Z neue Fiat Cinquecento mit Elektromotor.

4,2 Prozent Stromer

2019 wurden in der Schweiz 311'352 Neuwagen eingelöst, davon 12'991 rein elektrisch – das entspricht einem Marktanteil von über 4,2 Prozent (gegenüber 1,7 Prozent im Vorjahr). Der Wert dürfte im 2020 nochmals stark ansteigen.