Energie Schweiz

Künstliche Geräusche für Elektroautos bald Pflicht

Elektrofahrzeuge sind praktisch lautlos. Was lärmempfindlichen Menschen gefällt, kann im Strassenverkehr für Menschen mit Sehbehinderung gefährlich sein.

Im Mai 2008 wurde ein achtjähriger Junge in den USA von einem Hybridfahrzeug angefahren, welches er nicht rechtzeitig bemerkt hatte. Der Junge kam mit leichten Verletzungen davon. Durch die Berichterstattung auf dem Fernsehsender CNN führte dieser Unfall, der durch die Geräuscharmut von Elektrofahrzeugen begründet wurde, zu einer weltweiten Diskussion über die Gefahren lautloser Elektrofahrzeuge.

Gleichzeitig ist der Lärm ein häufig diskutiertes Problem in modernen, mobilen Gesellschaften. Elektrofahrzeuge könnten zu dessen Verminderung einen Beitrag leisten. Bei Nutzfahrzeugen mit Elektromotor, wie sie in Gemeinden immer häufiger anzutreffen sind, fällt der Lärmunterschied ganz besonders ins Gewicht.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) hat sich 2017 mit der Geräuscharmut von Elektrofahrzeugen im Spannungsfeld von Lärmbelastung und Verkehrssicherheit befasst und eine Kurzanalyse dazu publiziert.

Die bfu kommt in ihrer Analyse zum Schluss, dass kein eindeutiger Beweis für ein erhöhtes Unfallrisiko für Elektrofahrzeuge aufgrund geringerer Geräuschentwicklung vorliegt. Es fehle der Nachweis der Kausalität zwischen Unfallgeschehen und Geräusch.

Die Politik hat jedoch trotz fehlendem Nachweis bereits reagiert: Da geräuscharme Elektrofahrzeuge besonders für Blinde und Sehbehinderte schwer wahrzunehmen sind, wurden in Japan, den USA und in Europa schon entsprechende Regelungen eingeführt.

In Europa wird künftig ein akustisches Fahrzeugwarnsystem verlangt. Das betrifft alle Elektro- und Hybridfahrzeuge, die ab dem 1. Juli 2019 die Typengenehmigung beantragen. Bis spätestens 1. Juli 2021 müssen die Hersteller in allen neuen Hybridelektro- und reinen Elektrofahrzeugen ein akustische Fahrzeug-Warnsysteme einbauen. Der künstliche Lärm ist allerdings nur bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h sowie beim Rückwärtsfahren vorgeschrieben.

Die Schweiz wird diesbezüglich die EU-Regelungen übernehmen. Die bfu stuft in ihrer Kurzanalyse die künftige Ausrüstung der Elektrofahrzeuge mit akustischen Fahrzeugwarnsystemen als «sehr sinnvoll» ein. Dies vor allem im Hinblick auf die Gefahren für Menschen mit Sehbehinderungen.

Die Begrenzung von maximal 75 Dezibel bei zwei Metern Abstand, die für die künstlichen Geräuschemissionen festgelegt wurde, sollte für Sehbehinderte in den meisten Situationen kein Problem sein, so die bfu-Analyse. Allerdings könnten die minimalen Werte in verkehrsintensiven Situationen zu tief sein. Erfreulich sei dafür, dass bereits heute etliche Fahrzeughersteller ein künstliches Geräusch in ihre Fahrzeuge einbauen.

Da die künftige Regelung nur für neue Elektrofahrzeuge gilt, ermutigt die bfu heutige Käufer von Hybrid- und Elektrofahrzeugen, Geräuschgeneratoren nachzurüsten.