Energie Schweiz

Elektro-Crossover Niro von Kia

Als E-Auto wird der Kia Niro im kommenden Jahr zum praktischen Familienauto.

Audi e-tron, Jaguar iPace, Mercedes EQC oder Tesla Model X – wer einen elektrischen Crossover mit reichlich Reichweite fahren wollte, musste bislang tief in die Tasche greifen. Doch nun bringt Kia den e-Niro in Stellung.

Er verzichtet auf Luxus aber kostet dafür nur halb so viel wie die Premium-Stromer und auch deutlich weniger als das Model 3 von Tesla, dessen Einstiegspreis derzeit bei 59'400 Franken liegt (ein günstigeres Basismodell folgt später).

Allerdings fährt das Basismodell der Koreaner auch mit abgespeckter Technik vor. Dem E-Motor müssen dann 136 PS reichen und der Akku hat lediglich 39,2 kWh. Zwar verspricht Kia schon dafür 289 Kilometer Reichweite und beziffert das Spitzentempo auf 155 km/h. Doch wirklich attraktiv wird der e-Niro, wenn noch ein paar Tausender für das Antriebs-Upgrade ausgibt. Dann geht die E-Maschine mit bis zu 204 PS und 395 Nm zu Werke und saugt den Strom aus einem Akku von gewaltigen 64 kWh. Das ist genug Kapazität für 455 Kilometer und damit für eine sorgenfreie Alltagsmobilität. Ob der kluge Koreaner in beiden Versionen in die Schweiz kommen wird, steht eben so wenig fest, wie der genaue Verkaufspreis.

Dass der e-Niro dabei mit einem ausgesprochen kräftigen Antritt aufwartet und in 7,8 Sekunden auf Tempo 100 kommt, daran hat man sich bei Elektroautos mittlerweile gewöhnt. Aber was überrascht bei diesem Kia, das ist der Aufwand für die unterschiedlichen Fahrprofile und mehr noch für die Rekuperation. So gibt es nicht weniger als vier Charaktereinstellungen von Sport bis Eco-Plus, die sich vor allem in Sachen Fahrspass deutlich unterscheiden und mit zunehmendem Sparanspruch sogar die Leistung drosseln und Nebenverbraucher wie die Klimaanlage abklemmen. Und wer die Energie beim Bremsen zurückgewinnen will, kann mit den Wippen am Lenkrad nicht nur vier Stufen der Verzögerung wählen, sondern den Wagen mit dem linken Hebel auch gleich bis zum Stillstand abbremsen. Wenn man sich daran erst einmal gewöhnt hat, dann braucht man die Fussbremse nur noch im Notfall.

Mit dem neuen Antrieb haben die Koreaner auch Ambiente und Ausstattung auf Vordermann gebracht. So gibt es im Cockpit nun digitale Instrumente und ein erweitertes Heer von Assistenten hilft bei der Spurführung oder der Wahrung des Abstands, regelt das Tempo und passt auf, dass der Fahrer in der Stille des Stromers nicht einschlummert. Obwohl die Batterien gewaltig sind und der riesige Freiraum unter der Haube ungenutzt bleibt, ist das Platzangebot im e-Niro nicht schlechter als bei den konventionellen Modellen. Im Gegenteil: Vorn wirkt er etwas luftiger, weil der Schaltknauf zum Drehrad geschrumpft ist, es eine elektrische Parkbremse gibt und die Mittelkonsole etwas tiefer sitzt. Und der Kofferraum ist mit seinen 451 bis 1405 Litern sogar etwas grösser als gewöhnlich und absolut Familientauglich.

Das ist der Vorteil, wenn man die Akku-Technik wie Kia in ein SUV einbaut. Fragt sich nur, warum das in dieser Klasse sonst keiner macht. Aber der Niro ist nicht nur der einzige elektrische Crossover in der Kompaktklasse, sondern obendrein auch das einzige Auto, das nahezu alle alternativen Antriebe abdeckt. Schliesslich gibt es ihn auch als Hybrid und mit Plug-In-Technik – fehlt eigentlich nur noch die Brennstoffzelle, die Kia innert zwei Jahren ebenfalls in den Handel bringen will.

Der Preis vernünftig, die Fahrleistungen in Ordnung und die Reichweite mehr als alltagstauglich – ein Crossover mit Platz für Kind und Kegel, also ein ideales Familienauto. Nur eine gängige Anforderung ans Elektroauto kann er nicht erfüllen. Denn auch wenn der Kühlergrill nun geschlossen ist und es rund um die Gürtellinie ein paar blaue Zierstreifen gibt, sticht man mit diesem Stromer ganz sicher nicht aus der Masse heraus. Das ist der Nachteil, wenn man sich für das gängigste Karosseriekonzept in der gebräuchlichsten Fahrzeugklasse entscheidet.