Energie Schweiz

Elektrischer Mustang

Eine Ikone unter Strom

Während die Amerikaner dem Ford Mustang noch immer Verbrenner spendieren, bauen die Herren von Charge Automotive aus England 60er-Jahre Mustangs zu Stromern um.

Sie riechen nach Öl und Benzin, und wenn man sie startet – mit dem Schlüssel und nicht mit einem Starterknopf –, röcheln und blubbern sie laut böse und pusten zudem kiloweise CO2 in die Atmosphäre. Ganz klar: die wunderschönen historischen Mustangs aus den 60er-Jahren sind alles andere als politisch korrekt, sondern aus Umweltsicht echte Problemfälle.

Noch! Denn Charge Automotive, ein junges Unternehmen aus England, will die legendäre US-Muscle-Car-Ikone zum sauberen und antrittsstarken E-Mobil umbauen. Ein Exemplar ist bereits entstanden, 498 weitere sollen folgen, die dann zahlungskräftigen Kunden zum Kauf angeboten werden.

Das ursprüngliche und auch heute noch mehr als sehenswerte Design des Oldtimers bleibt bei diesem Umbau nahezu unangetastet. Allerdings werden unter anderem zeitgemässe Front- und Heckleuchten sowie ein spezieller Kühlergrill mit dem Markenlogo von Charge montiert. Und das sieht richtig «böse» aus.

Viel entscheidender ist jedoch der Fortschritt unter der Haube, denn statt eines mächtigen V8 kommen mehrere Elektromotoren mit einer Leistung von 300 kW/408 PS und brachialen 1200 Newtonmeter Drehmoment zum Einsatz. So soll die stromernde Ikone in rund drei Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 sprinten. Das qualifiziert den Umbau der Engländer zum bislang antrittsstärksten Mustang mit Strassenzulassung. Die Kombination aus mehreren Motoren erlaubt verschiedene Antriebsmodi. So kann der Fahrer auf Knopfdruck zwischen Front-, Heck- oder Allradantrieb wählen. So oder so bleibt die Reichweite allerdings klein: Das 64-kWh-Batteriepaket sollte aber immerhin rund 200 Kilometer pro Ladung ermöglichen.

Beim Umbau zum lokal sauberen E-Mobil legen die Briten auch beim Interieur Hand an: Unter anderem montiert Charge Automotive ein digitales Kombiinstrument und einen grossen Touchscreen in der Mittelkonsole. Eine Schaltkulisse ist nicht mehr nötig, denn der Fahrer kann per Fingerdruck auf dem Touchscreen zwischen Vorwärts- oder Rückwärts-Fahrmodus wählen.

Das Echo auf das Erstlingswerk war riesig und so nimmt Charge Automotive bereits Anzahlungen für die Reservation eines E-Mustangs entgegen. Erste Kundenfahrzeuge sollen im Herbst 2019 ausgeliefert werden, also bleibt ja noch Zeit, um die mindestens 225'000 Euro beiseite zu legen.