Energie Schweiz

Kult unter Strom

Mini und Smart sind zwei Marken, die schon immer polarisiert haben. Jetzt sollen sie elektrisieren. Das funktioniert – zumindest teilweise.

Reduce to the max: Mit der freiwilligen Selbstbeschränkung auf das wirklich Wesentliche ist der kleine Smart vor mehr als 20 Jahren gross rausgekommen und hat die Autowelt auf den Kopf gestellt. Kein anderes Auto war so radikal reduziert. Nachdem Mercedes-Benz die alleinige Hoheit über den Stadtflitzer abgegeben hat und den Nachfolger für das Jahr 2022 gemeinsam mit Geely in China auf den Weg bringt, kehren sie auf der Zielgeraden noch einmal zur alten Konsequenz zurück: Denn wenn in diesen Tagen die überabeitete Generation des Fortwo, Forfour und Cabrios an den Start geht, dann nur noch mit Elektroantrieb.

Und natürlich passt der E-Antrieb zum Smart besser als zu vielen anderen Autos. Das wusste 1994 schon Nicolas Hayek, als er gemeinsam mit dem Stuttgarter Autobauer die Micro Compact Car AG in Biel gründete. Denn angesichts des winzigen Wendekreises fühlt man sich im Fortwo ohnehin wie im Autoscooter – und der fährt schliesslich auch elektrisch.

Da der Smart ohnehin fast ausschliesslich in der Stadt gefahren wird, stört sich auch niemand an den Fahrleistungen von maximal Tempo 130 und einem Spurt von 12 Sekunden auf Tempo 100. Immerhin: Die bestenfalls 160 Nm Drehmoment haben mit den knapp 1100 Kilogramm leichtes Spiel und sorgen für einen spontanen Antritt. Selbst mit der eher tiefen Reichweite lässt es sich leben. Denn wer sich tatsächlich nur in der Stadt bewegt, der kommt mit dem Normwert von 159 Kilometern locker über die halbe Arbeitswoche. Das Laden selbst hat Potential, weil es zu lange dauert. Da ist die Konkurrenz flotter unterwegs.

Weil für Software-Änderungen im Auto Geld und Möglichkeiten fehlten, tobten sich die Entwickler bei den Apps zum Fahrzeug aus. So kann man das Laden nicht nur von der Apple-Watch aus steuern, sondern kann sogar sein privates Carsharing starten. Weil man den Wagen auch mit einem Code auf dem Smartphone öffnen und starten kann, lässt er sich problemlos im Freundes- und Familienkreis teilen.

Und wie macht sich der Mini als Stromer? Bei ersten Probefahrten hat der Mini Cooper SE überzeugt- Die Performance ist ansprechend: 135 kW, 0 – 100 in 7,3 Sekunden, Topspeed 150 km/h.. Der Mini fährt mit einer Akkuladung maximal 270 Kilometer weit, ermittelt nach dem neuen WLTP-Prüfverfahren. Nach einer ersten Probefahrt erscheinen rund 200 Kilometer realistisch. Für die meisten Fahrten wird das ausreichen: An der Schnellladesäule mit 50 kW Gleichstrom werden 80 Prozent der Reichweite in 35 Minuten nachgeladen, an der Wallbox mit 7,4 kW Wechselstrom dauert eine volle Ladung etwas mehr als vier Stunden. Für den urbanen Einsatz ist der Mini Cooper SE also gut gerüstet – ein Langstrecken-Champion ist er sicher nicht.

Dafür hat er andere Qualitäten: Das viel gelobte sportliche Fahrgefühl des Briten kommt in der Stromvariante so richtig zur Geltung. Der E-Mini wuselt flink und flüsterleise durch die Innenstadt, beschleunigt dank des aus dem Stand verfügbaren Drehmoments von 270 Nm druckvoll und liegt wegen der mittig im Fahrzeugboden untergebrachten Batterien sehr gut ausbalanciert auf der Strasse. Das Ladevolumen von 211 bis maximal 731 Liter bleibt identisch im Vergleich zur Version mit Verbrennungsmotor. Das digitale Instrumentenkombi in Form eines freistehenden Farbbildschirms hinter dem Lenkrad sowie gelbe Farbakzente aussen verleihen dem Cooper SE einen leicht futuristischen Touch, ohne dabei zu übertreiben – das steht dem kleinen Flitzer gut.