Energie Schweiz

Elektrifizierter Oldie

Immer mehr kleine Hersteller beweisen, dass die Elektro-Mobilität definitiv angekommen ist. Beispiel 1: Der Morris J-Type aus England.
Der Morris J-Type war nach dem Krieg in Grossbritannien das, was der VW Bus für viele Festland-Europäer war: der ultimative Lastesel. Handwerker fuhren damit ihr Material zur Baustelle, Lieferdienste brachten ihre Waren zum Kunden, oder er wurde später zum Glacé-Mobil umgebaut. Das Design des Kleintransporters war ähnlich ikonisch wie das des Bulli: Die schmale, aber relativ hohe Karosserie und die kurzen Überhänge machten das Auto unverwechselbar.

Geladen wurde der praktische Engländer über seitliche Schiebetüren, der Motor war zwischen Fahrer- und Beifahrersitz platziert. Von 1949 bis 1960 baute der Hersteller etwa 60'000 Exemplare; als Morris Mitte der Fünfziger mit Austin zur British Motor Corporation (BMC) vereinigt wurde, gab es den Wagen auch als Austin 101 Mark.

Das britische Start-up Morris Commercial macht sich nun daran, den Kleintransporter erneut aufzulegen – aber mit einem Elektroantrieb. Als Morris JE soll der E-Transporter von Ende 2021 an produziert werden. Das Retro-Modell mit Kohlfaser-Laminat-Karosserie zeigt die hinteren Saloon-Türen des JE, seitliche Schiebetüren, ein stark gewölbtes Dach sowie kräftig ausgestellte Radkästen. An der Front sind ein angedeuteter Kühlergrill, hinter dem sich die Ladebuchse verbirgt, sowie freistehende Scheinwerfer geplant. Das Design des Interieurs ist stark reduziert und kommt mit Zweispeichenlenkrad, farbigen Panels und zweifarbigen Sitzen daher.

Den Morris JE können Kunden nicht nur in den unterschiedlichsten Farben aussen und innen konfigurieren, sondern auch mit den verschiedensten Aufbau-Varianten – zum Beispiel als Pick-up, Camper oder Kleinbus.

Obwohl der Retro-Kleinlaster eine Lithium-Ionen-Batterie mit einer Reichweite von über 300 Kilometern spazieren fährt (Höchstgeschwindigkeit liegt bei 150 km/h), beträgt die Ladekapazität eine Tonne, das Ladevolumen etwas mehr als fünf Kubikmeter und zwei Euro-Paletten sollen im Laderaum Platz finden.

Coole Idee, die dabei mithelfen kann, die E-Mobilität noch attraktiver zu machen. Laut dem deutschen Fachmagazin «Auto, Motor und Sport» gibt es allerdings ein Problem: «2017 hat sich Dr. Qu Li die Rechte an Morris Commercial gesichert und fungiert auch als CEO», schreibt AMS. «Die Chinesin ist auch Gründerin der Beratungsfirma China Ventures Ltd. und spielte beim Untergang von Rover eine Rolle.»