Energie Schweiz

Vor- und Nachteile der Elektromobilität

Ordnung in den Diskurs bringen

Geht es um die Zukunft der Antriebe, ist die Elektromobilität das dominierende Thema in den Medien. Sämtliche Hersteller haben für die kommenden Jahre neue Modelle mit Elektroantrieb angekündigt. In den ersten vier Monaten des aktuellen Jahres lag der Anteil der rein batterie-elektrischen Fahrzeuge (battery electric vehicles BEV) in der Schweiz bei vier Prozent. Dieser Anteil scheint noch gering – aber im Vergleich zum Vorjahr legten die Verkäufe um 160% zu. Haupttreiber hierfür waren die Auslieferungen des Model 3 des Pioniers Tesla.
So gross die Euphorie und Begeisterung für die Elektromobilität auf der einen Seite sind, so gross ist auch die Skepsis gegenüber den Elektrofahrzeugen. Sind die BEV wirklich energieeffizienter und – über den ganzen Lebenszyklus betrachtet - umweltfreundlicher als Verbrennungsmotoren? Helfen sie wirklich dabei, die energie- und klimapolitischen Ziele des Bundes zu erreichen? Diese höchst emotionale Thematik lässt die Wenigsten kalt und führt oft zu heftigen Diskussionen.

In diesem Artikel versuchen wir nun, die meistverbreiteten Diskussionspunkte rund um die Elektromobilität zu beleuchten und darzulegen.

Aussage 1: E-Autos sind Klimasünder
Je nach Studie zur Umweltverträglichkeit der Antriebe findet man unterschiedliche Resultate. Gründe für die differierenden Aussagen und Ergebnisse können zahlreich sein: zum Beispiel unterschiedliche Basisannahmen (Lebensdauer der Antriebsbatterien, Fahrleistungen, usw.), Aktualität der Daten oder verzerrende Vergleiche (wenn ein Kleinwagen mit einem Luxusauto verglichen wird). Ein entscheidendes Element in Bezug auf die Umweltbelastung der Elektromobilität ist die Produktion der Batterie. Diese ist mit höheren Umweltbelastungen verbunden als die Herstellung von Autos mit Verbrennungsmotoren. Die höheren Treibhausgasemissionen aus der Produktion können gemäss Studie des Paul Scherrer Instituts dank den geringeren Emissionen im Fahrbetrieb nach etwa 50'000 Kilometern kompensiert werden. Voraussetzung ist die Verwendung von sauberem Strom. Das ist heute in der Schweiz der Fall: Die Treibhausgasemissionen eines Batterieautos – „betankt“ mit dem aktuellen Strommix – sind nur rund halb so hoch wie die eines vergleichbaren Benziners. Die Entwicklung im Bereich der Batterien schreitet weiter voran und so wird die Belastung durch deren Produktion zukünftig abnehmen.
Bei den Studien ist es jeweils wichtig, dass für alle Antriebsarten die Umweltbelastungen über die ganze Produktionskette berücksichtigt werden. Im ganzen Prozess wird Energie verbraucht: von der Förderung der Rohstoffe, der Herstellung des Antriebs, der Bereitstellung des Kraftstoffs und dem resultierenden Antrieb bis hin zur Entsorgung. Der verwendete Strommix spielt auch eine wichtige Rolle, um den Betrieb des Elektrofahrzeugs so nachhaltig wie möglich zu gestalten. In der Schweiz beträgt der Anteil erneuerbaren Stroms 62 Prozent - beste Voraussetzungen die Vorteile der Elektromobilität auszunützen.

Aussage 2: Die Elektromobilität ist die einzige Antriebsform mit Zukunftspotential
Die Elektromobilität wird in den kommenden Jahren stark an Bedeutung gewinnen. Dank dem hohen Wirkungsgrad ist dieser Antrieb prädestiniert, um die Effizienzpotentiale bei Fahrzeugen auszuschöpfen. Die Produktankündigungen der grossen Hersteller zeigen, dass die Elektrifizierung des Produktportfolios stark voranschreiten wird und interessante Modelle in allen Fahrzeugkategorien im Markt eingeführt werden.
Bei der Frage, wie hoch die Zunahmen der Verkaufszahlen der Elektrofahrzeuge sein werden, gehen die Annahmen auseinander. Sicher ist, dass die Elektromobilität in absehbarer Zeit nicht die einzige Antriebstechnologie sein wird, sondern ein  Mix an unterschiedlichen Antrieben den Neuwagenmarkt prägen wird. Daher ist es zentral, dass bei allen Antrieben Effizienz- und CO2-Reduktionspotentiale ausgeschöpft werden. Die Gasmobilität bietet bereits spannende Modelle mit einem 20-Prozent tieferen CO2-Ausstoss als vergleichbare Verbrenner.
Bei Verbrennungsmotoren bietet die Hybridisierung der Antriebe grosse Potentiale. Und auch der Wasserstoffantrieb dürfte im Bereich des Schwerverkehrs zukünftig eine Rolle spielen und so helfen, die Emissionen zu senken.

Aussage 3: Elektrofahrzeuge sind zu teuer
Der hohe Anschaffungspreis ist ein häufiges Argument, das gegen eine Verbreitung der Elektromobilität spricht. Vergleicht man nur den Anschaffungspreis, so sind aktuelle Elektrofahrzeuge teurer als vergleichbare Modelle mit Verbrennungsmotor. Betrachtet man aber die Gesamtbetriebskosten, so sind Elektrofahrzeuge vergleichbar günstig. Sie profitieren von tieferen Strom-/Treibstoffkosten sowie Einsparungen beim Service.
Die Preisentwicklung der letzten Jahre hat auch gezeigt, dass Elektroautos günstiger wurden. So gibt es derzeit für unter 40'000 Franken Modelle wie den Hyundai Ioniq, den Nissan Leaf, den Renault Zoe, den Kia Soul oder den BMW i3. Fortschritte bei der Batterie sowie Skaleneffekte aufgrund der steigenden Verkaufszahlen, wird dazu führen, dass die Preise der BEV weiter sinken werden.

Aussage 4: Die Infrastruktur ist ein grosses Problem und der Strom reicht nicht aus.
Die Schweiz verfügt im internationalen Vergleich bereits über ein sehr gut ausgebautes öffentlich zugängliches Ladenetz für Elektrofahrzeuge. Und dieses wird weiter ausgebaut - so z.B. entlang der Nationalstrassen, wo ein flächendeckendes und dichtes Netz an leistungsfähigen Schnellladestationen entstehen soll. Herausforderungen in Bezug auf das Laden bestehen noch. So z.B. für Mieter oder am Arbeitsplatz. Um diese Herausforderungen zu meistern ist es wichtig, dass die verschiedensten Akteure zusammenarbeiten. Damit sich die Akteure besser vernetzen können wurde im Dezember 2018 die Roadmap 2022 lanciert. Über 50 Organisationen und Firmen verschiedener Branchen haben gemeinsam konkrete Massnahmen mit dem Ziel entwickelt, bis 2022 den Anteil an Elektrofahrzeugen bei den Neuzulassungen von Personenwagen auf 15 Prozent zu erhöhen.Der Ausbau der neuen erneuerbaren Energien ist ein zentrales Element um den zukünftigen Mehrbedarf an Strom durch die Elektromobilität zu decken. Dabei ist es auch wichtig, dass die Einsparpotentiale in allen Sektoren erzielt werden.