Energie Schweiz

Wie die Dinosaurier: Grosse Motoren sterben aus

Wie und warum genau die Dinosaurier ausgestorben sind, darüber streitet sich die Wissenschaft. Warum grosse Verbrennungsmotoren wohl bald verschwinden, steht hingegen fest.

Ferrari GTC4 Lusso

Elektrisch oder zumindest teilelektrisch, so sollen wir in die Zukunft fahren. Vorerst noch mit Lithium-Ionen-Zellen und Elektromotoren, die kaum mehr als 100 kW leisten. Doch das ist nur eine Zwischenstufe auf dem Weg zu High-Performance-Maschinen und zum Feststoff-Akku, der mit dramatisch höherer Energiedichte den Durchbruch bringen soll. Während ein Stromer im Jahr 2018 mit 90 Kilowattstunden schon recht ordentlich unterwegs ist, hat BMW die fünfte Batteriegeneration bereits bis auf 135 Kilowattstunden hochgerechnet. Und die Entwicklung geht rasend schnell weiter.

V12-Motor des Ferrari GTC4 Lusso

Spätestens in 10 Jahren stellt sich die Frage nach der Existenzberechtigung von zwar faszinierenden, aber leider auch durstigen Grossmotoren mit 8, 10, 12 oder gar 16 Zylindern, wie im aktuellen Bugatti Chiron. Denn der V12 ist schon heute primär ein leises und laufruhiges Prestigeobjekt, dem die meisten aufgeladenen V8 in Bezug auf Leistung und Effizienz überlegen sind. Der BMW-Konzern hält den 12-Zylinder im Prinzip nur noch für seine Marke Rolls-Royce am Leben, Mercedes pflegt das Uralt-Triebwerk für die Maybach-Fahrzeuge und ein paar AMG-Derivate, VW hat den V12 längst zu Bentley ausgelagert. Exoten wie Lamborghini wollen zwar auch in Zukunft unter der Motorhaube das Dutzend vollmachen, setzen dabei aber auf die Unterstützung durch eine oder zwei E-Maschinen. Und die französische Luxusmarke Bugatti, dessen V16-Zylindermotor im Chiron mit 8 Litern Hubraum und vier Turboladern 1500 PS leistet und den Supersportler auf Tempo 420 beschleunigt, ist eh nicht mehr von dieser Welt.  

Doch die Zukunft der Hubraum Riesen steht und fällt mit dem Grad der Elektrifizierung und mit den Emissions-Ambitionen des Gesetzgebers. BMW hat den V12 nur bis 2024 festgeschrieben, Mercedes-AMG könnte 2023 aussteigen, selbst Aston Martin will seine Sportwagen beim nächsten Modellwechsel durch Hybride mit sechs und acht Zylindern ersetzen. Also auch James Bond wird wohl bei seinem übernächsten Abenteuer einen effizienteren Dienstwagen bekommen.

Toyota C-HR mit 1.8-Liter Vollhybrid-Antrieb 
Nur noch wenige Marken sind gross genug und verfügen über genügend Finanzmittel, um sich massgeschneiderte Elektro-Architekturen leisten zu können, die auf keinen Verbrenner Rücksicht nehmen müssen. Das Neben- und Miteinander der Antriebskonzepte wird verstärkt eine wichtige Rolle spielen. Auf langfristige Sicht wird die Bedeutung der Diesel- und Benzinmotoren abnehmen. «Bei den Personenwagen überbrücken wir mit den 48-Volt-Hybriden mit Benzinmotor den Weg zum Elektroauto», prophezeit der deutsche Verkehrsforscher und «Auto-Papst» Ferdinand Dudenhöffer: «Noch ein paar Plug-in-Hybride und Diesel für ein paar Jahre. Aber in 25 oder 30 Jahren wird es nur noch batterie-elektrische Autos geben.»

Kein Wunder also, dass die viel zitierte Konvergenz-Matrix ins Zentrum der Entwicklung rückt. Konvergenz steht für eine skalierbare Allzweck-Plattform, die sich vorrangig an den Bedürfnissen des elektrischen Antriebs orientiert. Und am Ende dieser Entwicklung steht wohl das Aus der grossvolumigen Motoren – vom exklusiven V16 bis zum gewöhnlichen Reihen-Sechszylinder. Warum? Weil der Verbrenner künftig zwingend quer eingebaut werden muss, um Platz für Akkus und weitere E-Komponenten zu schaffen. Theoretisch lässt sich laut Experten auch ein V6 oder VR6 quer unterbringen, doch optimal ist die Raumökonomie nur in Verbindung mit Drei- und Vierzylindern. Dieses modulare Multi-Antriebskonzept wird in Zukunft im Idealfall mindestens drei Viertel des Produktionsvolumens eines Premium-Herstellers abdecken. Der Mild-Hybrid mit 48-Volt-Bordnetz ist in Serie, die Hybride sind zumindest mittelfristig ein ordentlicher Kompromiss.

Das freut die «Petrol Heads». Doch während der Sound eines Stromers oder Hybriden nie an den Sound eines V8 oder V12 herankommen wird, sieht es in Sachen Leistung nicht schlecht aus: Die stärksten Vierzylinder kommen bereits auf 400 PS, und der E-Motor steht mit 100 kW erst am Anfang der Evolution – die Hybride werden also immer sportlicher. «Der Hybrid ist fester Bestandteil des Portfolios, an dem wir gerade arbeiten», sagte der kürzlich verstorbene Ferrari-Chef Sergio Marchionne zum E-Antrieb. «Fahren Sie unseren V8-Plug-in-Hybrid und sagen Sie mir danach, ob Sie den V12 vermisst haben.»