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Zukunftsvisionen an der CES Las Vegas

Die Consumer Electronics Show wird für die Autoindustrie immer interessanter. Vergangene Woche waren zwar weniger Hersteller in Las Vegas, doch spannende Ausblicke in die Zukunft gab‘s trotzdem.

Seit über 50 Jahren versammelt sich auf der Consumer Electronics Show (CES) alles, was in Sachen Unterhaltungselektronik Rang und Namen hat. Mittlerweile findet die Show in Las Vegas statt – Smart-Home-Lösungen, die neusten Handys oder die Rund-um-Vernetzung stehen im Fokus. Und seit ein paar Jahren haben auch die Autohersteller die CES für sich entdeckt. Kein Wunder: Autos gelten heute als fahrende Smartphones und viele neue Features haben mehr mit Digitalisierung als klassischem Fahrzeugbau zu tun.

«Las Vegas ist der Place to be», eröffnete beispielsweise BMW-Vorstandsmitglied Klaus Fröhlich seine Rede am Vorabend der Eröffnung der Messe. «An der CES geben wir einen Ausblick auf die Zukunft der Mobilität.» Autoforscher Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sieht die Sache weniger euphorisch: «Unter den 4500 Ausstellern an der Tech-Messe sind gerademal zehn Autohersteller.» Dabei ging die Branche davon aus, dass Las Vegas den grossen Car Shows den Rang ablaufen werde. «Vor einigen Jahren war der CES-Hype deutlich grösser», hält Dudenhöffer fest.

Während im vergangenen Jahr mehrere Studien von so genannten Robo-Shuttles, also fahrerlosen Personenwagen, präsentiert wurden, dreht sich in diesem Jahr alles um die Interaktion zwischen Passagier und Fahrzeug, Mensch und Maschine. In Audis Concept-Car «AI:ME» etwa kann der Fahrgast per Blicksteuerung mit dem Auto kommunizieren, während das Auto auf die Gewohnheiten und Vorlieben des Fahrers eingeht. Blick- und Gestensteuerung geben auch bei der BMW-Innenraumstudie «i Interaction Ease» den Ton an: So wird das riesige Panorama-Head-up-Display bedient, das sich über die komplette Breite der Frontpartie erstreckt und als Augmented-Reality-Bedienoberfläche dient. Auch die Studie «Vision AVTR» von Mercedes-Benz geht auf dieses Thema ein und stellt ausserdem eine Batterietechnologie mit auf Graphen basierter organischer Zellchemie vor. Sie benötigt keine seltenen Erden und Metalle und soll vollkommen kompostierbar sein.

Generell hat sich die Aufregung um selbstfahrende Shuttles wieder etwas gelegt. Während für das autonome Fahren auf Level 5 noch vor Kurzem ein Zeithorizont von 2025 bis 2030 als realistisch galt, winken heute viele ab. «Wir glauben nicht an den Hype um Level 5 und Robo-Taxis in diesem Zeitraum», sagt etwa BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich. Es werde noch deutlich länger dauern, um vollautonomes Fahren in die Realität umzusetzen. Auch Ferdinand Dudenhöffer sieht keine zeitnahe Umsetzung von Robo-Shuttles: «Das selbstfahrende Auto auf Level 5 wird es bei den klassischen Autobauern in den nächsten Jahren nicht geben.»

Verändern wird sich die Mobilität aber unweigerlich, und das setzt eine schnelle Datenübermittlung voraus. Clouding heisst dabei das Zauberwort, der Schlüssel dazu ist 5G, die fünfte Generation des mobilen Internets. «5G ist dafür entscheidend», erklärt Young Sohn, Präsident von Samsung Electronics. Mit dem neuen Mobilfunkstandard können eine Million Geräte pro Quadratkilometer über das Netz kommunizieren. «Das sind zehn Mal mehr als mit dem Vorgängernetzt 4G LTE». Auch darum wachsen Auto- und Tech-Branche mehr und mehr zusammen. Das zeigt exemplarisch die Studie eines Elektroautos von Tech-Gigant Sony. «Dieser Prototyp verkörpert unseren Beitrag zur Zukunft der Mobilität», erklärte Konzernchef Kenichiro Yoshida an der Präsentation des «Vision-S». Bauen will Sony den Stromer nicht, aber damit zeigen, welche Möglichkeiten für die Autohersteller in den technischen Entwicklungen von Sony stecken.

Und sonst? Jeep zeigte eine Plug-in-Variante des Wranglers, Byton stellt wieder einmal sein irgendwie ständig quasi-fertiges Elektro-SUV aus und auch der hochbeinige Stromer Fisker Ocean soll bald beim Händler stehen. Ansonsten aber blicken die Hersteller in Las Vegas eher weit in die Zukunft, und da haben Serienmodell halt kaum Platz.

Apropos Platz: Hyundai will sich zukünftig nicht mehr nur auf die Strasse beschränken, sondern stellte auf der CES ein Hubschrauber-artiges Lufttaxi vor. Den elektrisch betriebenen S-A1 haben sich die Koreaner allerdings nicht alleine ausgedacht, sondern zusammen mit dem Fahrdienstleister Uber. Der bietet derzeit schon in New York einen Helikopter-Shuttle zwischen dem Flughafen JFK und Manhattan an, und will in einigen Jahren bis zu vier Passagiere mit dem Hyundai-Flieger rund 500 Meter über der Erde transportieren – zunächst noch mit einem Piloten am Steuer, später sogar autonom.