Energie Schweiz

Britischer Luxus unter Strom

Allem Brexit zum Trotz: Die englischen Hersteller von Luxusautos und Supersportwagen sind elektrifiziert. Selbst Rolls-Royce will dereinst lautlos fahren.

Was haben Hersteller wie Aston Martin, Bentley, McLaren oder Rolls-Royce mit co2tieferlegen und dem Anspruch, Autos mit weniger als 95 Gramm CO2-Ausstoss zu fördern, zu tun? Auf den ersten Blick nichts, auf den zweiten Blick sehr viel. Denn ein Grossteil der technischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte wurde im Rennsport, in der Luxus- und Oberklasse oder in exklusiven Sportwagen eingeführt. Natürlich ging es dabei in erster Linie um mehr – mehr PS, mehr Performance, mehr Luxus, mehr Sicherheit. Effizienz? Das war bis anhin kein grosses Thema. Doch die Zeiten haben sich geändert. Nicht nur wegen der CO2-Vorgaben, sondern auch wegen dem neuen Kaufverhalten der Kunden. So sehen sich zumindest drei der vier legendären, britischen Brands dazu verpflichtet, dem Trend zum Hybrid- oder Elektroantrieb zu folgen. Allerdings mit völlig unterschiedlichen Ansätzen.

Rolls-Royce: Phantom als Stromer
Die meisten Autohersteller, die in die Elektrifizierung einsteigen, haben mit Hybriden begonnen, dann Plug-in-Hybride gebaut und wollen nun vollelektrische Fahrzeuge auf den Markt bringen. Kein Thema für Rolls-Royce: «Wir werden vollelektrisch fahren, wir machen keine Zwischenschritte. Emissionsfrei ist emissionsfrei», liess sich Torsten Müller-Ötvös, der Chef von BMWs britischer Luxusmarke in «Autocar» zitieren. Müller-Ötvös räumte indes ein, dass Rolls-Royce-Kunden noch nicht nach Elektroautos fragen, aber es bestehe die Gefahr, dass einige Länder Verbrennungsmotoren in Städten verbieten werden. Schon 2011 zeigte Rolls-Royce mit dem Konzeptfahrzeug 102 EX wie die Luxuslimousine der Zukunft mit einem Elektromotor aussehen könnte. Pläne für eine Serienfertigung gibt es bisher nicht, nur die Aussage des CEOs.

Bentley: Bentayga als Hybrid
Am weitesten fortgeschritten sind die E-Pläne bei der VW-Tochter Bentley. Mit dem Plug-in-Hybrid-SUV Bentayga gibts noch in diesem Jahr den ersten elektrifizierten Bentley, und bis 2023 sollen alle Modelle mit einem zusätzlichen E-Motor ausgestattet werden. Genaue Details zum Motor des Hybrid-Bentayga nennt Bentley noch nicht. Lediglich die Reichweite mit dem E-Motor gibt der britische Hersteller an und die fällt mit rund 50 Kilometern eher dürftig aus. Für den täglichen Pendelweg dürfte es, wie bei anderen Plug-in-Hybriden, dennoch reichen. Durch den Hybridantrieb soll der CO2-Ausstoss auf 75g/km gesenkt werden, was umgerechnet zirca 3,2 Liter auf 100 Kilometer ausmachen würde.

Aston Martin: Elektro-RapidE
Bereits im kommenden Jahr rollt Aston Martin, sein erstes Elektromobil auf die Strasse. Elektromobil ist allerdings ein Understatement, zumal der RapidE laut inoffziellen Quellen «um die 1000 PS» an den Start bringen soll. Wie es für einen Aston gehört, soll der Neuling eine Höchstgeschwindigkeit von 248 km/h erreichen. «Und das über längere Zeit», wie John Caress, der Vehicle Line Director für den RapidE gegenüber dem britischen Automagazin «Autocar» bestätigte. Über 300 Kilometer soll das viertürige Coupé dank einem flüssigkeitsgekühlten Lithium-Ionen-Akku schaffen. Natürlich wird das Null-Emissionen-Auto die CO2-Bilanz von Aston Martin verbessern, aber die Welt wird der RapidE nicht retten – denn es werden nur gerade 155 Exemplare gebaut.

McLaren: Kein E-Auto in Aussicht
Auch die Sportautoschmiede McLaren Automotive kann sich dem Trend zur Elektrifizierung nicht widersetzen. Zwar rollt der neuste McLaren Senna mit einem 800 PS starken Vierliter-V8 an den Start und soll Rekorde auf allen Rennstrecken brechen, doch der nächste Neuling – der noch namenlose McLaren Hypercar BP23 –, setzt auf modernste Technik. «Eine Hybrid-Antriebseinheit wird den Hypercar zu einem der kraftvollsten McLaren machen, der jemals geschaffen wurde», sagt McLaren-Chef Mike Flewitt. Der Nachfolger des F1 wird nur 106 Mal gebaut und dürfte um die 2,5 Millionen Franken kosten. McLaren will seine Modellplatte bis 2025 komplett elektrifizieren. Dabei soll jede Baureihe mit teilelektrischen Plug-in-Hybrid-Systemen ausgestattet werden. Allerdings muss man auf einen E-Sportler noch länger warten. «Wir haben ein reines Elektroauto als Prototypen», bestätigte McLaren-Chefentwickler Dan Parry-Williams im Gespräch mit «Autocar». «Bis zur Serienreife liegt aber noch ein langer Weg vor uns.»