Energie Schweiz

BMW i Hydrogen NEXT

Bei BMW kommt die Brennstoffzelle zurück

Die Münchner präsentierten auf der IAA das Brennstoffzellen-Entwicklungsfahrzeug BMW i Hydrogen NEXT, von dem 2022 eine Kleinserie an den Start rollen soll.

Massige Statur, breiter Kühler, grosse Räder – ein SUV halt. Dass der BMW i Hydrogen Next, mit dem die Münchner die Brennstoffzelle reanimieren, keinen Auspuff hat und nur ein wenig Wasserdampf ausstösst, sieht man somit erst auf den zweiten Blick.

Denn die BMW Group geht davon aus, dass künftig verschiedene alternative Antriebsformen nebeneinander existieren werden. «Es gibt keine alleinige Lösung, die sämtliche Mobilitätsanforderungen der Kunden weltweit abdeckt», heisst es in München. «Wasserstoff-Fahrzeuge sind eine wichtige Alternative und Ergänzung zu batterieelektrischen Antrieben.»  

Darum plant die BMW Group innert den nächsten drei Jahren die neuste Generation von wasserstoff-brennstoffzellen-elektrischen Antrieben in einer Kleinserie vorzustellen, die auf dem aktuellen BMW X5 basiert. «2022 führen wir eine Flotte von Brennstoffzellenfahrzeugen ein», sagte BMW-Chef Oliver Zipse auf der IAA. Gemeint ist eine Testflotte von voraussichtlich hundert Fahrzeugen, und definitiv entschieden ist eine Serienproduktion noch nicht. «Wir erwarten in der zweiten Hälfte des nächsten Jahrzehnts einen Anstieg der Nachfrage nach dieser Technologie», so Zipse weiter: «Wir werden mit einem entsprechenden Angebot für unsere Kunden bereit sein, sofern sie es verlangen.» Der an der IAA gezeigte BMW i Hydrogen NEXT gibt einen ersten Ausblick auf diese Kleinserie.

«Der i Hydrogen NEXT zeigt, dass sich diese Technologie gut in ein dynamisches Fahrzeug wie den BMW X5 intergieren lässt. Im Design ist das Fahrzeug leicht modifiziert und sehr bewusst als BMW i Fahrzeug erkennbar gemacht. BMW i steht für Innovation und ist Inkubator für alle neuen Technologien in der BMW Group», erklären die Münchner. Die leichten Modifikationen zeigen sich in der Front insbesondere durch das markante Muster in BMW-i-blau auf der Motorhaube. Dieses wird auch in den Lufteinlässen weitergeführt. Die akzentuierten Leichtmetallräder verweisen zusätzlich auf die BMW i DNA, und am Heck zeigt sich der Unterschied zu den normalen X5 am deutlichsten – es gibt keine Auspuffendrohre.

Wasserstoff-Brennstoffzellen-Fahrzeuge (FCEVs) ermöglichen uneingeschränkte emissionsfreie Mobilität mit gleichem Nutzungsverhalten wie konventionelle Fahrzeuge. Das heisst: Betankungszeit unter vier Minuten, grosse Reichweite, unveränderter Komfort, Eignung für den Anhängerbetrieb und geringe Abhängigkeit von klimatischen Bedingungen – sprich, grosse Reichweiten im Sommer wie im Winter.

Theoretisch: Praktisch sieht es mangels der fehlenden Wasserstoff-Tankstellen anders aus. «Wichtige Grundvoraussetzung für den Erfolgs dieser Antriebsform ist eine adäquate Wasserstoff-Infrastruktur, die sich derzeit in den meisten Ländern noch in einer frühen Aufbauphase befindet», schreibt BMW. Während Asien schon viel weiter ist, soll bis 2030 eine entsprechende Infrastruktur europaweit aufgebaut werden, denn vor allem die Nutzfahrzeughersteller haben wenig Alternativen, um die strengen CO2-Limts in Europa zu erreichen.

BMW kooperiert seit 2013 mit der Toyota Motor Corporation bei der gemeinsamen Entwicklung eines Antriebssystems mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie. Seit Sommer 2015 testet die BMW Group Forschung eine kleine Flotte von BMW 5er GT Wasserstoff-Brennstoffzellen Prototypen mit einem gemeinsam entwickelten Antriebssystem inklusive eines Toyota Brennstoffzellen-Stack. 2016 unterzeichneten beide Unternehmen einen Produkt-Entwicklungs-Kooperations-Vertrag und arbeiten seither gemeinsam an Brennstoffzellen-Antriebssystemen der kommenden Generationen sowie an skalierbaren, modularen Komponenten für Wasserstoff-Brennstoffzellen-Fahrzeuge.

Mit dem Bestreben, durch Wasserstoff die Energiewende voranzutreiben, haben BMW und Toyota 2017 gemeinsam mit elf führenden Energie-, Transport- und Industrieunternehmen als globale Initiative das «Hydrogen Council» ins Leben gerufen. Seit Juni 2019 zählt der Hydrogen Council 60 Mitgliedsunternehmen.