Energie Schweiz

«Tendenz zu Elektroautos und Hybrid-Fahrzeugen»

Die Tamedia-Marktforschung veröffentlichte vor kurzem die aktuelle Auto-Studie 2018 – mit teils überraschenden Resultaten.

Lea Waibel ist Senior-Projektleiterin bei der Tamedia-Marktforschung

Mit Lea Waibel sprach Dieter Liechti.

Lea Waibel, Tamedia hat zum 9. Mal eine grosse Auto-Studie durchgeführt. Was ist der prägnanteste Unterschied im Vergleich zur letzten Studie von 2016?
Die Ergebnisse sind in vielen Aspekten relativ stabil geblieben. Doch Neuwagenfahrer zeigen eine klare Tendenz hin zu Elektroautos oder Hybrid-Fahrzeugen. Im Gegensatz dazu ging das Interesse an einem Dieselantrieb deutlich zurück.

Ob man will oder nicht: Der Dieselskandal war das grosse Thema der vergangenen zwei Jahre. Hat der Skandal das Vertrauen in die Autoindustrie geschädigt?
74 Prozent der Deutsch- und 67 Prozent der Westschweizer Autofahrer sind der Meinung, dass der Dieselskandal das Image der Autobranche nachhaltig geschädigt hat. Und der Vertrauensverlust beim Diesel zeigt sich in der rückläufigen Kaufabsicht.

Ist nur der Dieselantrieb betroffen, oder auch die anderen Antriebe?
Es scheint die Autobranche als Ganzes zu betreffen. So haben 86 Prozent der Deutsch- und 83 Prozent der Westschweizer Autofahrer angegeben, dass sie der Aussage eher oder voll und ganz zustimmen, dass die Abgaswerte wohl auch bei anderen Antriebsarten systematisch manipuliert werden.

Viele betroffene Hersteller sind der Meinung, dass die Medien bei der Berichterstattung über den Dieselskandal übertrieben haben. Was meinen die Konsumenten?
43 Prozent der Deutsch- und 55 Prozent der Westschweiz geben an, dass sie die Berichterstattung für übertrieben halten.

Trotz den Negativ-Schlagzeilen steigen die Verkäufe beispielsweise beim Elektroauto nur schleppend. Warum?
Sowohl Deutsch- als auch Westschweizer Autofahrer begründen das in erster Linie damit, dass die Preise noch zu hoch sind, die Reichweite pro Batterieladung zu gering und es gleichzeitig noch zu wenig Ladestellen gibt.

Trotzdem verkaufen sich in der Schweiz die Fahrzeuge von Elon Musk – Tesla Model S und Tesla Model X – besonders gut. Hat sich das bei der Studie bestätigt?
Ja, denn in beiden Sprachregionen zeigt sich, dass vor allem Tesla zugetraut wird gute Elektroautos zu bauen (DCH: 58%, FCH: 45%). Mit etwas Abstand folgen in der Deutschschweiz BMW (37%), VW (36%) und Toyota (35%), während in der Westschweiz Toyota (35%) vor BMW (33%) und Audi (30%) liegt.

Auch Carsharing ist ein grosses Thema. Stehen die Schweizer auf die Idee, kein eigenes Auto zu besitzen, sondern ein Auto zu teilen?
Noch nicht so richtig. Nur gerade 11 Prozent der Deutsch- und 7 Prozent der Westschweizer Autofahrer haben schon einmal die Möglichkeit des Carsharings genutzt. Immerhin 26 Prozent, respektive 31 Prozent können es sich aber für die Zukunft vorstellen. Besonders spannend: Rund ein Viertel der Autofahrer in beiden Sprachregionen kann sich vorstellen, das eigene Auto gegen eine Gebühr einem Carsharing-Pool zur Verfügung zu stellen.

Was spricht für die Befragten gegen Carsharing?
Die fehlende Verfügbarkeit des Autos und die Tatsache, dass das eigene Fahrzeug als Teil der eigenen Privatsphäre empfunden wird.

Gibt es auch Gründe dafür?
Ja, in erster Linie die Absicht, die Umwelt zu schonen und anderen Leuten zu helfen.

Und wie oft benutzen die Schweizer Autofahrer ihr Auto eigentlich?
49 Prozent der Deutsch- und 56 Prozent der Westschweizer Autofahrer nutzen ihr Auto laut der Studie täglich oder fast täglich.

Wozu in erster Linie?
Der hohe Anteil bei der täglichen Nutzung basiert auf dem Umstand, dass viele das Auto für den Weg zur Arbeit benutzen. Drei Viertel aller Autofahrer geben an, das Auto (auch) für Einkäufe und Besorgungen zu nutzen. Also wohl meist eher kurze Strecken, für die beispielsweise die Reichweite einer Batterieladung ausreichen würde. Zudem nutzt nur die Hälfte das Auto täglich. Tendenziell würde also genügend Zeit bleiben die Batterie wieder aufzuladen.

Welche Schlüsse kann man in Sachen «Umweltfreundlichkeit» noch aus der Studie ziehen?
Verschiedene, wie zum Beispiel:

  • 83 Prozent der Deutschschweizer Neuwagenfahrer geben an, dass Benzinverbrauch und Wirtschaftlichkeit ein wichtiges Kriterium bei der Markenwahl war. In der Westschweiz sind es 84 Prozent. 

  • 12 Prozent der Deutsch- und 14 Prozent der Westschweizer Neuwagenfahrer geben an, dass der Wunsch nach einem umweltfreundlicheren Auto einer der Hauptauslöser für den Kauf des aktuellen Fahrzeugs war.

  • 36 Prozent der Deutschschweizer und 24 Prozent der Westschweizer Neuwagenfahrer können sich vorstellen beim nächsten Auto von Benzin oder Diesel wegzukommen und stattdessen ein Fahrzeug mit Hybrid-, Elektro- oder einem anderen alternativen Antrieb (Erdgas/Ethanol) zu kaufen.

  • 56 Prozent der Deutschschweizer und sogar 67 Prozent der Westschweizer können sich vorstellen, dass Verbrennungsmotoren in Zukunft verboten werden und nur noch Elektro- oder andere alternative Antriebe erlaubt sind.


    Methodischer Steckbrief

    • Universum: 18- bis 74-jährige Deutsch-und Westschweizer Autofahrer, die mindestens einmal wöchentlich im Internet sind; hochgerechnet 4’474’000 Personen

    • Stichprobe: 1818 Interviews, 1365 davon in der Deutschschweiz, 498 in der Westschweiz

    • Methodik Befragungszeitraum: Online-Befragung in repräsentativen Online-Panels mittels voll strukturierter Fragebogen. 23. November bis 7. Dezember 2017
       

    • Gewichtung: Gewichtet nach Geschlecht, Alter, Erwerbstätigkeit, Bildung, RUS Internet und Sprachregion gemäss MA Strategy 2017
       

    • Durchführendes Institut: LINK, Institut für Markt- und Sozialforschung, Zürich

    • Vertrauensbereich: Der Vertrauensbereich liegt bei 1’818 Interviews bei max. +/- 2,3%.