Energie Schweiz

«Auto China» stand unter Strom

Mehr als eine halbe Million Elektroautos wurden im vergangenen Jahr in China verkauft. Kein Wunder also, dass es auf der «Auto China» in Peking kaum einen Stand ohne neuen Stromer gab.

Trotz der beeindruckenden Verkaufszahlen: Im verstopften Strassenalltag im Reich der Mitte sind die Stromer nicht allgegenwärtig. Noch nicht! Weil Zulassungen für Benzin- oder Diesel-Autos mittlerweile in vielen Metropolen Chinas nur noch über Verlosungen vergeben werden, ist der Siegeszug der Elektromobilität kaum mehr aufzuhalten. Denn wer sich ein E-Auto kauft, kann gleich losfahren.

Das spürte man auch auf der «Auto China» in Peking: Auf fast allen Ständen der Europäer wurden elektrische oder zumindest elektrifizierte Modelle gezeigt, wenn auch nicht immer in erster Reihe. Beispiele gefällig? Bei Audi versteckte sich der A6L e-tron hinter dem A8, bei VW teilte sich der I.D. Vizzion die Bühne mit CC und Lavida, bei BMW stand der iX3 zwischen seinen Verbrenner-Geschwistern. Auch bei Jaguar Land Rover versteckte man den I-Pace in einer Ecke, während E-Pace und der zweitürige Range Rover im Zentrum standen. Lediglich bei Volvo (in chinesischem Besitz) degradierte die Plug-in-Hybridversion des XC40 die Verbrenner XC60 und XC 90 zu Statisten, und auch Porsche stellte den Panamera Turbo S E-Hybrid Sports Tourismo und den Mission e-Cross ganz vorne auf die Bühne. «Der Zug für E-Mobilität ist aus dem Bahnhof losgefahren», bestätigte Porsche-Vertriebsvorstand Detlev von Platen.

Doch das mit Abstand dickste E-Ding aus Europa war die «Vision Mercedes Maybach Ultimate Luxury», für die die Stuttgarter zum ersten Mal einen SUV und eine Luxuslimousine kreuzten. Das Ganze garnierten sie mit einem Innenleben aus Lack und Leder, das jedes Fünfsterne-Hotel bescheiden wirken lässt. Und wie es sich für China gehört, fährt der Luxus-SUV seinen Konkurrenten Bentley Bentayga und Rolls-Royce Cullinan mit der Kraft von vier Elektromotoren mit einer Systemleistung von 750 PS davon. Oder würde ihnen davonfahren, wenn der Wagen eine reelle Chance auf die Serienfertigung hätte.

Konkreter gaben sich da VW: Die Wolfsburger unter neuer Führung wollen für China eine eigene Elektromarke namens «Sol» auflegen und mit einem Budget von 15 Milliarden Euro vierzig neue Autos mit alternativen Antrieben auf den Markt bringen.

Die Maybach-Studie, der elektrische iX3, und Klasse für die Masse bei VW – noch gelingt es den Europäern, den Chinesen mit solchen Autos die Show zu stehlen. Doch es wird immer schwieriger. Denn nicht nur westlich orientierte China-Marken wie Byton, Lynk&Co, Nio oder eine Neugründung mit dem bescheidenen Namen Weltmeister, sondern auch die rein aufs Inland fokussierten Grössen haben weiter aufgeholt und zeigten durchweg interessante Autos.

Ja, es gibt noch ein paar schräge Kopien und Plagiate. Aber die grosse Masse wirkt immer reifer und erwachsener und muss zumindest der zweiten Reihe der Importmarken so langsam Angst machen. Die Zeiten, in denen in jeder Halle unbekannte Hersteller ebenso unbekannte Fahrzeuge zeigten, gehören der Vergangenheit an.

Es scheint, dass die Zukunft den Stromern gehört. Zwar lässt die verordnete Elektrifizierungswelle und der grosse Wurf in Sachen Verkehrskonzept auch in China noch ein bisschen auf sich warten, doch alleine die Tatsache, dass in den Metropolen fast alle Roller nur noch elektrisch «summen», zeigt, dass man die Richtung eingeschlagen hat.