Energie Schweiz

Dank alternativer Antriebe an die Spitze

Vom einstigen «Billigauto» zum Trendsetter: Hyundai belegt bei der aktuellen Innovations-Studie des Center of Automotive Management (CAM) den ersten Platz.

Fast acht Jahre ist es her, dass der damalige VW-Boss Martin Winterkorn an der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Lenkrad des neuen Hyundai i30 gefilmt wurde. «Da scheppert nix», lobte der damalige Wolfsburger Spitzenmanager und schüttelte den Kopf, weil deutsche Ingenieure damals noch keine so geräuschlose Lenkradverstellung hinbekommen hatten.

Seitdem hat sich die Automobil-Industrie grundlegend verändert: Hyundai – was übersetzt «Modernes Zeitalter» heisst – fährt elektrisiert in die Zukunft, und die Zeiten, da man den südkoreanischen Automobilhersteller als «Kopierer» oder dessen Fahrzeuge als «Billigautos» bezeichnet hat, sind längst vorbei. Zwar gehören die Hyundai-Modelle im Vergleich mit der europäischen Konkurrenz in den meisten Fällen noch immer zu den preiswerteren Angeboten, aber auf Hightech und Design muss man deswegen nicht verzichten. Ganz im Gegenteil, wie die jährlich veröffentlichte Innovations-Studie des Center of Automotive Management (CAM) beweist: Denn Hyundai ist laut dieser derzeit die innovationsstärkste Automarke unter den Volumenherstellern und verdrängt damit Dauerprimus VW von der Spitze. Vor den Wolfsburger reiht sich in diesem Jahr auch noch Ford ein.

Hauptverantwortlich für den Spitzenplatz von Hyundai ist der mit fast 18 Prozent besonders hohe Anteil von Innovationen, die den alternativen Antrieben – insbesondere Elektro, BEV (Battery Electric Vehicle) – zugerechnet werden können. Hierzu zählt beispielsweise der Hyundai Kona EV als reichweitenstärkstes Elektroauto im Segment der kleinen SUV. Ein wichtiger Innovationsträger ist aber auch der Nexo: Neben seinem Brennstoffzellenantrieb verfügt er beispielsweise über einen Blind Spot View Monitor (Totwinkel-Kameras), den Highway Driving Assist (teilautonomes Fahren) und die Remote Parking-Funktion, mit der in diesem Segment erstmals ein Fahrzeug vollautomatisch Ein- und Ausparken kann.

Bei Ford bewerteten die Experten aus Bergisch-Gladbach unter anderem den Stau-Assistenten und den Geisterfahrt-Warner im Focus positiv. Der Drittplatzierte VW wartete unter anderem mit dem neuen Bedienkonzept im Touareg und einem Fernlichtassistenten auf. Zunehmend stark präsentieren sich die Chinesen: In der Top 10 finden sich mittlerweile fünf Unternehmen, angeführt von Roewe auf Rang 5. Noch vor drei Jahren war in der Bestenliste einzig Volvo-Mutter Geely vertreten, die sich diesmal auf Platz 8 wiederfindet. Stark sind die chinesischen Firmen vor allem bei Innovationen in der Elektromobilität, bei Vernetzung oder autonomem Fahren, bei konventionellen Verbrennungsmotoren können sie dagegen kaum punkten.

Für die neue Ausgabe des jährlich veröffentlichten «Automotive Innovations Report» untersuchte das CAM mehr als aktuelle 1300 fahrzeugtechnische Neuheiten von 42 globalen Autokonzernen sowie 96 Marken. Bewertet wurden unter anderem Originalität, Reifegrad und Art der Innovation.