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Tradition unter Strom

Beim Goodwood Festival of Speed sorgten für einmal nicht nur lärmende Supersportler für Furore, sondern auch ein selbstfahrendes Auto – der Robocar.

Credit: Roborace/YouTube

Auch dieses Jahr versammelten sich fast 100’000 Motorsportfans auf dem riesigen Anwesen des Goodwood House im südenglischen Westhampnett zum Festival of Speed. Dabei wurden die klassischen, modernen oder einfach bizarren Rennwagen wie der Bugatti Type 35, ein Fiat S76, der Ferrari 166, Apollo IE oder der topaktuelle und faszinierende McLaren Senna über die legendäre Bergstrecke gescheucht.

Doch der eigentliche Star bei der 25. Austragung des Festivals war der (oder das) Robocar: Der 500 PS starke Elektrorenner ist knapp fünf Meter lang, zwei Meter breit und extrem flach. Denn ein Cockpit braucht das Fahrzeug nicht. Wieso? Weil das vom Ex-BMW- und Science-Fiction-Designer Daniel Simon gestaltete Robocar ohne Fahrer fährt. Ein Computersystem mit Künstlicher Intelligenz, das über fünf Lidar-, zwei Radar-, 18 Ultraschallsensoren und Kameras seine Umgebung wahrnimmt, lenkt es.

Voll autonom absolvierte das futuristische Vehikel die Strecke und umrundete die tückischen Kurven. Und zwar fehlerlos. Das grösste Hindernis für die Robocar-Entwickler stellten die Bäume dar, welche die Strecke flankieren. Sie störten das GPS, so dass sich der Wagen alleine auf seine Sensoren verlassen musste, um die aktuelle Position zu bestimmen. «Das war eine richtige Herausforderung», sagte Roborace-Einsatzleiter Jen Horsey zu «Motorsport-Total.com». «Denn das Umfeld ist hier in Goodwood mit den vielen Kurven, Heuballen und Zuschauern viel komplexer als auf einer normalen Rennstrecke.»

Bei der Fahrt ging es den Entwicklern nicht um einen Geschwindigkeitsrekord, sondern um eine möglichst sichere und genaue Abfahrt. Daher war der E-Wagen auch mit nur 120 statt möglichen 320 km/ unterwegs – was die Fahrt jedoch nicht weniger beeindruckend machte. «Noch nie zuvor hat ein autonomes Fahrzeug die Strecke, die zwischen Heuballen und Mauern den Hügel hinaufführt, in Angriff genommen und geschafft», vermeldeten die Organisatoren stolz.

Das Robocar soll der Standardwagen des Roborace werden, einer Rennserie für autonome Elektrofahrzeuge. Die einzelnen Teams sollen mit technisch vollkommen identischen Fahrzeugen antreten. Die Steuersoftware, Algorythmen und künstlichen Intelligenzen, die die Robocars dirigieren, werden die Kontrahenten jedoch selbst entwickeln und implementieren müssen. Nicht der Wagen, sondern die Cleverness und Fahrkünste der Software sollen über den Sieg entscheiden.

Vor dem Robocar startete auch ein Ford Mustang von 1965 autonom am Hillclimb, dessen Systeme von Siemens entwickelt wurden. Allerdings war dort zur Absicherung ein Fahrer an Bord, der mehrfach eingreifen musste, damit das Auto nicht in einen Heuballen fuhr. Somit hat das Roborace-Team als erstes den vollständigen Kurs autonom absolviert.