Energie Schweiz

Hyundai springt in die Bresche

​​​​Mit dem Kona Electric bringen die Koreaner einen rein elektrisch angetriebenen Klein-SUV auf den Markt. Das Angebot klingt verlockend, gilt doch gerade das SUV-Segment als stark wachsend.

Einmal mehr zeigen sich die Koreaner an vorderster Front, wenn es um das Thema alternative Antriebe geht. 2013 lancierte der Hersteller mit dem ix35 Fuel Cell einen SUV mit Wasserstoffantrieb. Mit dem Ioniq stellten die Koreaner 2016 das erste Modell auf die Räder, das gleich drei unterschiedliche elektrifizierte Antriebsvarianten bietet. Noch in diesem Jahr kommt mit dem Nexo das nächste Wasserstoffmodell auf den Markt. Weitere batterieelektrische Modelle wurden angekündigt, etwa eine grosse Limousine der Edeltochter Genesis mit besonders leistungsstarkem E-Antrieb. Wasserstoff-Busse und auch -Lastwagen sind in der Pipeline.

Und nun lanciert Hyundai mit dem Kona Electric einen kleinen SUV mit reinem Elektroantrieb. «Mit seiner Lancierung treiben wir unsere ambitionierte Strategie für umweltfreundliche Fahrzeuge weiter voran», sagt Andreas-Christoph Hofmann, Vizepräsident Marketing und Produkt bei Hyundai Europe. Bis 2025 wollen die Koreaner 18 neue Fahrzeuge mit alternativem Antrieb einführen. Der Hersteller hätte es beim konventionellen Antriebsangebot belassen und damit bequem vom anhaltenden SUV-Boom profitieren können. Die Konzernführung in Seoul entschied anders und beschloss, den hübschen SUV zusätzlich als rein elektrisch angetriebene Variante zu lancieren. Der Kona Electric ist ein Statement und ein ausgereiftes, angenehm zu fahrendes Auto.

Scharren und Surren

Die Probefahrt beginnt wie immer mit einer Inspektion von aussen. Sieht aus wie ein Kona, doch die geschlossene Blende anstelle eines offenen Kühlergrills lässt den E-Antrieb vermuten. Die auf Aerodynamik getrimmten Felgen fallen auf und auch der Innenraum verrät schnell, dass man hier in einem Elektroauto sitzt. Anstelle eines Schalthebels gibt es hier nur drei Tasten für Vorwärts, Rückwärts und Parken. Das digitale Instrumentarium zeigt Grafiken, die den Ladezustand der Batterie, die Energierückgewinnung oder den Ladezustand betreffen.

Startknopf betätigen, ein Druck auf das Fahrpedal – der Ausdruck Gaspedal trifft hier ja nicht zu –, und der Kona Electric surrt los. Wobei, eher schiesst los, denn wie bei Elektrofahrzeugen üblich, zerrt das gesamte Drehmoment von 395 Newtonmetern direkt aus dem Stand an der Antriebswelle und bringt die Vorderräder zum scharren. Im Fahrbetrieb verlangt der Kona Electric keine besonderen Kenntnisse. Er fühlt sich kompakt und ausgewogen an, liegt gut auf der Strasse und satt in der Kurve, beschleunigt zügig von 0 auf 100 km/h in 7,6 Sekunden  und ist generell ein angenehmes Gefährt. Hierzulande wird die leistungsstärkere Variante mit einer Batteriekapazität von 64 Kilowattstunden und einer Antriebsleistung von 150 kW (204 PS) angeboten, die eine Reichweite von 482 Kilometer verspricht – ermittelt nach dem neuen WLTP-Verfahren.

Idealismus ist gefordert

Die Reichweite reicht sicher aus, um im Alltag sorgenfrei von A nach B zu kommen. Mit Wechselstrom (einphasig) dauert es für eine volle Ladung der Lithium-Polymer-Batterieeinheit an einer Heimladestation (7,2 kW) etwas länger als 9,5 Stunden. Mit Gleichstrom (100-kW-Schnellladestation) sind 80% in knapp einer Stunde geladen.

Die Preisgestaltung ist fair. Zwar ist der Basispreis ab 44‘900 Franken stolz für einen kleinen SUV. Im Vergleich zu ähnlich grossen Elektroautos, etwa dem Nissan Leaf (ab 37‘490 Franken) oder dem BMW i3 (ab 39‘900 Franken), wirkt der Preis zu hoch. Doch der Kona Electric verfügt über wesentlich mehr Batteriekapazität und ermöglicht damit eine deutlich grössere Reichweite – somit kann er nicht direkt verglichen werden. Auch, weil der Koreaner weit und breit der einzige batterieelektrische SUV seiner Grösse ist.