Energie Schweiz

Das Zeitalter der Optimierung

Der technologische Wandel ist so alt wie das Auto selbst. Ölkrisen und Smogprobleme stellten die Automobilhersteller in den 1970er und 1980ern vor neue Herausforderungen. Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit waren die Ideale, an denen sich die neuen Modelle ausrichteten. Bis heute steht die technologische Entwicklung hin zu mehr Effizienz im Fokus.

In den 1970ern und 1980ern werden die Motoren effizienter und der Luftwiderstand spielt eine immer wichtigere Rolle beim Fahrzeugdesign. Viele Verbesserungen entstehen aber erst durch politischen Druck.

1962: Erste Abgasnorm. Kalifornien führt wegen der hohen Luftverschmutzung durch den Strassenverkehr Abgasnormen ein. Bis zu einheitlichen Vorschriften in Europa dauert es noch bis in die 1970er.

1967: Elektronische Benzineinspritzung. Im VW 1600 LE/TLE feiert die elektronische Benzineinspritzung zur Minderung von Verbrauch und Schadstoffemissionen Premiere. Die Technik setzt sich auch bei anderen Herstellern durch.

1979: Digitalisierte Motorsteuerung. Bosch digitalisiert die Motorsteuerung. Das frei programmierbare Zusammenspiel von Benzineinspritzung und Zündung ermöglicht einen höheren Wirkungsgrad.

1986: Katalysator in der Schweiz. Der Abgaskatalysator wird 1956 in den USA patentiert, kommt aber erst in den 1980ern mit der Einführung von bleifreiem Benzin zur Anwendung. Die Technik etabliert sich zuerst in Japan und den USA; in Europa ist die Schweiz 1986 das erste Land, das für Neuwagen Katalysatoren vorschreibt.

Die Erdölreserven erweisen sich als grösser als gedacht, doch der weltweite Fahrzeugbestand nimmt in den 1990ern rapide zu – und damit auch die Umweltbelastung. Während sich die meisten Autobauer auf die Optimierung des Verbrennungsmotors konzentrieren, denken andere bereits über Alternativen nach.

1994: Brennstoffzellenantrieb. Mercedes-Benz zeigt die Studie Necar 1. Die 800 Kilo schwere Technik füllt den gesamten Laderaum des Transporters, beweist aber, dass es technisch möglich ist, Elektroautos zu bauen, die in einer Brennstoffzelle mithilfe von Wasserstoff ihren eigenen Strom produzieren.

1997: Diesel wird umweltfreundlicher. Dank Common-Rail-System (CRS) werden alle Zylinder gleichzeitig mit Kraftstoff versorgt, was die Schadstoffemissionen und den Verbrauch senkt.

Toyota Prius 1997

1997: Erster Grossserien-Hybrid. Toyota Prius baut erstmals ein Massenmodell mit einer Kombination aus Benziner und Elektromotor. Der anfangs noch belächelte Prius fährt inzwischen in vierter Generation.

1999: 3-Liter-Auto. Drei Jahre nach dem mit Schweizer Beteiligung gebauten Greenpeace-Prototyp Smile bringt auch VW ein Auto heraus, das mit drei Litern Sprit je 100 Kilometer auskommt. Der Lupo 3L TDI wird wirtschaftlich kein Erfolg, nimmt aber den Trend zu kleineren Motoren und Leichtbaumaterialien vorweg.

In den 2000er-Jahren geht der Trend zunächst zum Downsizing. Weniger Hubraum und weniger Zylinder sollen für weniger Verbrauch sorgen. Autos mit E-Motoren, aber auch solche, deren Verbrennungsmotoren für den Betrieb mit CO2-günstigerem Erdgas ausgerüstet sind, fristen ein Nischendasein. In den 2010er-Jahren nimmt der Druck auf die Hersteller jedoch zu. Das EU-Parlament fordert, die Emissionen von Neuwagen bis 2020 auf durchschnittlich 95 Gramm CO2 je Kilometer zu senken. Die Diesel-Affäre tut 2015 ihren Rest, um die Zukunft des Verbrenners in Frage zu stellen. Wie schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird erwartet, dass in den kommenden Jahren mehrere Antriebsarten nebeneinander bestehen, bevor sich eine Technologie durchsetzt.

2007: Energierückgewinnung. Mit dem von BMW eingeführten Brake Energy Regeneration wird die überschüssige Energie beim Bremsen für das Licht und Entertainment-System genutzt. Bedeutung erlangt das System vor allem bei den Elektroautos, um die Batterien während der Fahrt wieder aufzuladen.

2007: Start-Stopp. Bosch stellt ein neuartiges System vor, das bei Motorleerlauf und stillstehenden Rädern den Motor abstellt. So werden Verbrauch und Emissionen im Stadtverkehr um bis zu 8 Prozent gesenkt.

2009: Renaissance des E-Autos. Mitsubishi beginnt mit dem Bau des vollelektrischen Kleinstwagens i-MiEV, auf den später die Schwesternmodelle Citroën C-Zero und Peugeot iOn folgen. Tesla zeigt mit seinem Roadster derweil, dass emissions- nicht spassfrei bedeuten muss – der 0-auf-100-Sprint dauert weniger als vier Sekunden. Im Jahr darauf startet mit dem Nissan Leaf eines der bis dato meistverkauften E-Autos.

2012: Mehr elektrische Reichweite. Mitsubishi stellt mit dem Outlander Plug-in-Hybrid einen allradangetriebenen SUV mit kombiniertem Benziner-Elektro-Antrieb vor, dessen Batterie sich an einer externen Steckdose aufladen lässt. Im selben Jahr starten auch der Opel Ampera mit E-Motor und reichweitenverlängerndem Hilfsbenziner sowie der rein elektrische Tesla Model S mit rund 500 Kilometern Reichweite.

Hyundai ix35 Fuel Cell 

2013: Brennstoffzelle in Serie. Nicht die Deutschen, sondern die Asiaten wagen den ersten Schritt. Hyundai bringt mit dem ix35 Fuel Cell eine Kleinserie mit Brennstoffzellenantrieb auf die Strasse; 2014 folgt Toyota mit dem ersten Grossserienmodell Mirai. Der Aufbau eines flächendeckenden Tankstellennetzes lässt jedoch bis heute auf sich warten.

2016: VW startet Elektro-Initiative. Infolge der Abgasaffäre kündigt der VW-Konzern bis 2025 rund 30 neue E-Modelle an. Anstelle des Dieselmotors sollen vermehrt Erdgasantriebe zum Einsatz kommen.

2017: Volvos elektrifiziert sich. Der schwedische Autobauer gibt an, ab 2019 nur noch Modelle mit Elektro- oder Hybridantrieb einzuführen. Ein paar Wochen später folgt Jaguar Land Rover dem Beispiel – ab dem Jahr 2020.