Energie Schweiz

VW denkt Modellpalette neu

Volkswagen investiert kräftig in den Elektro-Umschwung. Ab 2020 geht die neue I.D.-Familie an den Start. Bis 2022 will der deutsche Autohersteller mehr als 20 rein elektrisch angetriebene Modelle anbieten.  

«Die Marke Volkswagen investiert in den kommenden fünf Jahren sechs Milliarden Euro in die E-Mobilität», versprach Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Marke Volkswagen bereits im September an der IAA in Frankfurt. «Unsere Aufgabe ist es, moderne Technik für viele Menschen verfügbar zu machen. Das gilt erst recht in Zeiten des technologischen Umbruchs. Eines ist klar: Der Golf der Zukunft muss wieder ein Volkswagen sein!»

Diese Aussage bestätigt nicht nur die enormen Investitionen und den Glauben an die Elektromobilität, sie bestätigt auch die anstehende Zeitenwende in Wolfsburg – der nächste VW Golf, die achte Generation, wird die Letzte sein. Denn bei Volkswagen setzt man nicht nur auf neue Antriebstechniken, sondern auch die Namen werden ändern: I.D., I.D.Buzz und I.D.Crozz heissen die Boten aus der Zukunft, die Ende November bei der Los Angeles Auto Show gemeinsam auf der Bühne standen. Das Trio soll schon 2020 auf die Strasse rollen.

Grosse, flexible Innenräume
Die I.D.-Familie basiert auf dem neuen Modularen E-Antriebs-Baukasten MEB, der konzernweit genutzt werden wird. Die Stromer bieten eine emissionsfreie Langstrecken-Mobilität, Schnelllade­fähigkeit und – durch den fehlenden Verbrennungsmotor – grosse flexible Innenräume. «Das Besondere an unserer Architektur sind die neuen Proportionen mit langen Radständen und kurzen Überhängen», erklärt Christian Senger, Leiter der Baureihe e-Mobility bei Volkswagen. «Damit schaffen wir ein völlig neues Raumangebot mit grosser Variabilität für Insassen und Gepäck.» Was das bedeutet, erklärt Senger an der Los Angeles Auto Show am Beispiel des Kompaktautos I.D.: «Er hat die Aussenmasse eines Golf, bietet aber innen so viel Raum wie ein Passat!» Möglich wird dies durch den platzsparenden E-Antrieb und die im Fahrzeugboden untergebrachte Hochvoltbatterie.

Diese Vorteile will VW natürlich auch auf andere Karosserieformen adaptieren. Und das ist, laut Christian Senger, kein Problem: «Der grosse Vorteil des MEB ist es, dass er die Entwicklung unterschiedlichster Fahrzeugtypen von der Kompaktklasse bis hin zum siebensitzigen SUV ermöglicht.» Kein Wunder also, dass Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann neben den drei in L.A. vorgestellten Modellen (Kompaktfahrzeug, SUV und MPV) auch einen Ausblick darauf gab, dass die I.D.-Familie weitere Mitglieder haben wird, darunter eine Limousine. Allen Modellen gemein ist nicht nur der elektrische Antrieb, sondern auch eine neue Form der Vernetzung. Das Bordnetz wird anstelle einer Vielzahl von Steuergeräten leistungsstarke Zentralrechner mit zentral laufender Software beinhalten, die jederzeit update- und upgradefähig sind.

Augmented Reality und «Watson»
Volkswagen wolle in Zukunft auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden eingehen und alles daran setzen, dem wachsenden Anspruch der Menschen an nachhaltige Mobilität nachzukommen, kündigt Stackmann an. Das beginnt schon bei der richtigen Kundenansprache: «Schon vor einem Besuch beim Volkswagen Partner kann der Kunde die neuen e-Fahrzeuge auch an ungewöhnlichen Orten virtuell erleben», so Vertriebsvorstand Stackmann. Hierzu ist Volkswagen eine Kooperation mit Microsoft eingegangen. Augmented Reality erlaubt es, beispielsweise in Cafés und Einkaufszentren oder an anderen öffentlichen Orten mithilfe von HoloLens-Brillen, das neue Auto im Raum oder auf einem Platz stehend virtuell darzustellen.

Eine weitere Zusammenarbeit von VW mit einem IT-Konzern betrifft ein Infotainment-Angebot, das mit IBM realisiert wird. Grundlage der «Predictive We Services» ist der digitale Assistent «Watson», der während der Fahrt mögliche Zwischenziele für den Einkauf oder das Abendessen im Internet recherchiert, vorschlägt und auf Sprachkommando auch reserviert.

«Die Stärke von Volkswagen liegt seit mehr als 70 Jahren darin, Technologien und Mobilität für die Menschen erreichbar zu machen. So wird es auch in Zukunft sein. Wir machen e-Mobilität mit hohem Qualitätsstandard für jedermann zugänglich», fasst Jürgen Stackmann die hoch gesteckten Ziele von Volkswagen zusammen.