Energie Schweiz

Der Polarstern ist gelandet

Wird der erste Stromer der Volvo-Tochter Polestar zum neuen Stern am Elektroauto-Himmel? Wir sind den Polestar 2 gefahren und haben dem Managing Director fünf Fragen gestellt.

Sascha Heiniger, nach 14 Jahren in verschiedenen Funktionen bei Volvo in der Schweiz und am Hauptsitz in Schweden sind Sie der erste Managing Director der neuen Marke Polestar in der Schweiz. Was macht Polestar besser als die etablierten europäischen Konkurrenten?

«Ob wir etwas besser machen? Das kann ich so nicht sagen. Ich bin aber überzeugt, dass wir dem hiesigen Automobilmarkt ein spannendes neues Angebot bieten können. Mit einem ganzheitlich durchdachten und konzipierten Elektrofahrzeug. Mir persönlich gefällt aber auch, wie einfach sich ein Polestar online in nur wenigen Schritten und ohne endlos verschiedenen Varianten konfigurieren lässt.»

Auch wenn Sie oder die Marke das verneinen – Polestar gilt (trotzdem) als erster echter «Tesla-Jäger». Was halten Sie von dieser Bezeichnung?

«Ich finde den Begriff etwas überstrapaziert. Aber es stimmt natürlich, dass Tesla im Bereich der Elektromobilität Standards gesetzt hat. Ich finde, diese Position haben sie sich auch verdient. Doch nun ist es an der Zeit, dass es mit Polestar eine echte und spannende Premium-Alternative gibt.»

Wie viel Volvo steckt im Polestar 2?

«Der Polestar 2 teilt die Plattform mit dem Volvo XC40. Und wir können von den Sicherheits- und Assistenzsystemen von Volvo profitieren. Daneben gehen wir aber neue und eigene Wege.»

Warum ist dieses Auto die Antwort auf die aktuellen Fragen, die die individuelle Mobilität an die Hersteller stellt?

«Weil es ein Fahrzeug ist, das Mobilität in vielen Bereichen neu definiert. Der Polestar 2 ist elektrisch betrieben und somit nicht nur nachhaltig, sondern macht auch unglaublich Spass zu fahren. Dank dem Google Assistant kann man nun ganz einfach mit seinem Fahrzeug kommunizieren. Der Polestar 2 fügt sich so ganz natürlich in unser digitales Leben ein. Und die verbauten Materialien im Innenraum sind nicht nur schön, sondern auch verantwortungsvoll hergestellt.»

Polestar lanciert seine Elektro-Offensive mit einer klassisch gezeichneten Limousine. Macht das in Zeiten des SUV-Booms Sinn?

«Der Polestar 2 ist eine sogenannte Fliessheck-Limousine. Das ist ein sehr spannendes Segment, denn diese Fahrzeuge sind kompakt und sportlich zu fahren. Nur ist in diesem Segment lange nichts Interessantes passiert. Höchste Zeit, es also wiederzubeleben. Zudem werden wir in naher Zukunft verschiedene Modelle anbieten. Der Polestar 1 und Polestar 2 sind nur der Anfang. Unsere Ingenieure und Designer in Schweden und Grossbritannien arbeiten längst an den kommenden Polestar-Modellen. Und der Polestar 3 wird ein aerodynamisches SUV sein.»

Bei den ersten Probefahrten in der Region Zürich hat das Erstlingswerk überzeugt. Polestar hat ein attraktives Gesamtpaket auf die Räder gestellt. Das Design: aufsehenerregend und erfrischend anders. Der Innenraum: topmodern und elegant. Und die Technik absolut konkurrenzfähig: Zwei identische Elektromotoren, einer pro Achse, sorgen mit einer Gesamtleistung von 300 kW (408 PS) und einem Drehmoment von 660 Nm nicht nur für vehementen Vortrieb, sondern ermöglichen auch variablen Allradantrieb, wobei je nach Situation bis zu 100 Prozent der Leistung an die Vorderräder und bis zu 70 Prozent an die hinteren Räder geleitet werden können. Und wir wissens: Der Allradantrieb ist für die Schweizer ein wichtiges Kaufkriterium.

Die Batteriekapazität von 78 kWh genügt für eine Normreichweite nach WLTP von 470 Kilometern. In der Realität werden es weniger sein: Bei gemässigter Fahrweise in einem Mix aus Autobahn-, Überland- und Stadtverkehr sind 350 Kilometer realistisch. Das ist durchaus alltagstauglich, zumal der Polestar 2 mit bis zu 150 kW Gleichstrom geladen werden kann – so werden 80 Prozent der Batterie in 40 Minuten gefüllt.

Zudem bringt der Schwede auch eine Weltneuheit mit sich: das Google-Betriebssystem Android Automotive OS. «Wir wissen, wie man Autos baut, Google weiss, wie man Software entwickelt. Das ist die ideale Zusammenarbeit», erklärte Polestar-Chef Thomas Ingenlath. Das Infotainmentsystem, das über einen grossen, hochformatigen Touchscreen bedient wird, beinhaltet den Sprachassistenten Google Assistant, der angesprochen mit «Ok Google» viele Funktionen per natürlicher Spracheingabe ausführen kann.

POLESTAR 2

Modell: Elektrisch angetriebene Fliesshecklimousine

Energieeffizienzkategorie: A

Masse: Länge 4606 mm, Breite 1859 mm, Höhe 1479 mm, Radstand 2735 mm

Kofferraum: 405 bis 1095 Liter plus 41 Liter im Unterboden hinten, 35 Liter vorne

Antrieb: Zwei Elektromotoren (einer pro Achse), kombinierte Leistung 300 kW

Fahrleistungen: Von 0 auf 100 km/h in 4,7 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 205 km/h

Batteriekapazität: 78 kWh

Reichweite (WLTP): 470 Kilometer

Ladeleistung: maximal 11 kW AC und 150 kW DC

Markteinführung: Ab Ende November

Preis: Ab 57’900 Franken

Infos: www.polestar.com